HANS BEWERT, 81: Er lebt jede Fasnacht, als erste und letzte

Hans Berwert aus Stalden ist 81 und – gelinde gesagt – noch ziemlich gut zwäg.

Drucken
Teilen
Noch älter als Hans Berwert (Jahrgang 1929) ist seine Bass-Tuba (Baujahr 1904) – zwei, die sich gut verstehen. (Bild Adrian Venetz/Neue OZ)

Noch älter als Hans Berwert (Jahrgang 1929) ist seine Bass-Tuba (Baujahr 1904) – zwei, die sich gut verstehen. (Bild Adrian Venetz/Neue OZ)

Hans Berwert einfach als rüstigen Senior zu bezeichnen, wäre aber gewaltig untertrieben. Hans Berwert ist ein Phänomen. Dieser schmächtige kleine Mann mit Brille, Bart und Bass stellt so ziemlich alles in den Schatten, was andere in seinem Alter tun. Der 81-Jährige ist Mitglied der Schwander Guigger. Seit der Gründung 1974 ist er mit dabei. Wohlverstanden: richtig dabei. Älter als er ist nur seine 106-jährige Bass-Tuba, ein verbeultes Unding von einem Blasinstrument.

Keinen Tanz ausgelassen
Nicht selten ist es in den vergangenen Jahren vorgekommen, dass sich die jungen Schwander Guigger an der Fasnacht sagten: «Also vorem Bass-Hans gemmer de scho nid hei.» Aber einige schliefen dann doch schon längst, als sich der Bass-Hans aufs Ohr haute. Er lebt jede Fasnacht, als wäre es seine erste und seine letzte. Und sind die Schwander Guigger an der Fasnacht gerade mal nicht unterwegs – geht dann der Bass-Hans heim und ruht die müden Glieder aus? Denkste! An der Seniorenfasnacht in Sarnen sei er den ganzen Montagnachmittag gewesen, erzählt er stolz. «Fast keinen Tanz hab ich ausgelassen.» Was für ein Teufelskerl.

Teufel von der Schwendi
Apropos: Als Teufel waren sie heuer unterwegs, die Schwander Guigger. Und da erzählt Hans Berwert schmunzelnd, dass er dieser Tage auch noch seine Pflichten als Hilfssakristan in der Pfarrkirche Stalden zu erfüllen hatte. Verstanden? Hier der Teufel, dort der Sakristan. Er lacht verschmitzt – mit einem Hauch von Scham. Weiss er doch nur zu gut, was er dem Herrgott alles zu verdanken hat. Ein rastlos Getriebener ist der Bass-Hans keineswegs. In der Meditation und im Gebet finde er schon sein Ruhe, sagt er. Und sein Herz gehört seiner Frau Helen, die es daheim in der Schwendi etwas ruhiger angehen lässt, während ihr Gatte an der Fasnacht den Bass zum Zittern bringt. Wer nun denkt, dass Hans Berwert ausserhalb der Fasnacht ruhig im Lehnstuhl sitzt, täuscht sich gewaltig. Seit 64 Jahren singt er im Kirchenchor Stalden mit, seit 12 Jahren im Schwanderchörli. Und vor zwei Jahren hat er beschlossen, auch noch bei den Monday Singers mitzutun. Ach ja, in der Volkstanzgruppe ist er auch noch. Und wenn er daheim ist, sitzt er in der Sauna oder legt sich mit seinem Fitnessgerät an.

Das Fundament
Vielleicht vergleicht man Hans Berwert am besten einfach mit seinem Bass, diesem 106-jährigen, blechernen Greis. Nicht die schrillen und grellen Töne sind ihm zu entlocken. Sein Klang ist das Fundament, der vibrierende Teppich, der sich unauffällig von hinten unter die Posaunen und Trompeten der Schwander Guigger legt und sie in den Nachthimmel hinausträgt. Erst wenn der Bass nicht mehr mitspielt, merkt man, dass etwas fehlt. Auch wenn Hans Berwert immer wieder betont, dass er während der Fasnacht Mass hält, nie gottlos über die Stränge schlägt und sich «scho gniog Sorg häbä» tut – wer ihn kennt, weiss: Vor allem ist es seine Bescheidenheit, die ihn so jung gehalten hat.

Aus 20 Metern Entfernung mag der Bass-Hans wirken wie ein gewöhnlicher alter Mann. Doch wer ihm tief in die Augen blickt, sieht den jugendlichen Schalk schimmern, die Lebensfreude und die tausend Farben der Fasnacht, die sich darin spiegeln.

Adrian Venetz