HANS WALLIMANN: «Eigenständigkeit ist erstrebenswert»

Der Finanz- und Gesundheitsdirektor ist von der Zukunft des Spitals in Sarnen überzeugt und hat keine Mühe, nochmals vier Jahre anzuhängen.

Drucken
Teilen
Finanz- und Gesundheitsdirektor Hans Wallimann. (Bild: pd)

Finanz- und Gesundheitsdirektor Hans Wallimann. (Bild: pd)

Wie lautet Ihre Diagnose: Wo steht der Kanton Obwalden heute insgesamt?

Hans Wallimann: Wenn ich zurückschaue auf den Start der ersten Langfriststrategie, würde ich es so formulieren: Damals kränkelte Obwalden als Patient. Heute aber reden wir nicht mehr von einem Patienten, sondern von einem Kanton, der im Vergleich gesund und fit ist. Ich denke etwa an die damals hohe Steuerbelastung. Und heute sind wir steuerattraktiv für Firmen und natürliche Personen. Damals hatten wir über 95 Millionen Franken Schulden, heute noch immer ein Nettovermögen. Oder man denke an den öffentlichen Verkehr. Vor einigen Jahren noch war es in den Zügen sehr eng, heute verfügen wir über modernes Rollmaterial, an welchem wir Freude haben dürfen. Und das Fahrplanangebot ist bedarfsgerecht. Auch die übrige Infrastruktur darf sich sehen lassen. Ich denke ans Berufsbildungszentrum oder an die Kantonsschule und nicht zuletzt auch an die Dorfumfahrungen.

Das Nidwaldner Kantonsspital richtet sich mehr und mehr nach Luzern aus, Zusammenarbeitsfelder mit Sarnen werden aufgelöst: Hat der Kanton die falsche Strategie gewählt, oder muss man jetzt über die Bücher?

Wallimann: Um noch einmal das Bild von der Diagnose zu brauchen: Anfang 2000 sprach man davon, der Standort Sarnen habe keine Zukunft mehr. Ich meine, dass wir heute eine ganz andere Ausgangslage haben – dank dem neuen Bettentrakt und der für uns bezahlbaren Grundversorgung. Wir dürfen uns kostenmässig mit anderen vergleichbaren Spitälern im Wettbewerb zeigen. Nein, wir haben absolut nicht die falsche Strategie gewählt, sondern es ist für Obwalden ein sehr grosses Plus, dass wir die Grundversorgung weiterhin in Sarnen haben. Diese können wir mit dem Bettentrakt festigen. Wir arbeiten weiterhin mit Nidwalden zusammen, doch tun wir das in vielem auch sehr gut mit Luzern. Diese Zusammenarbeit mit dem Zentrumsspital wollen wir aufrechterhalten, pflegen und intensivieren und dabei das Belegarztmodell vermehrt umsetzen. Wir bieten die Grundversorgung an und arbeiten etwa in der Radiologie mit Spezialisten zusammen, die von Luzern aus live Patienten in Sarnen beurteilen können. Das spart Wege und Kosten, und wir bringen den Patienten erst dann ins Zentrumsspital, wenn es zwingend ist. Für mich ist das ein Zukunftsmodell. Daneben wollen wir weiter bei der gemeinsamen Psychiatrie mit Nidwalden zusammenarbeiten.

Die Steuerstrategie hat so weit gegriffen, doch es fehlen Jahr für Jahr mehr Millionen vom Bund, die der Kanton kompensieren muss. Geht diese Rechnung langfristig aus Ihrer Sicht wirklich auf?

Wallimann: Für uns als Kanton hat die Eigenständigkeit absolute Priorität. Sie ist erstrebenswert und lohnend, weil man so nicht nur zur Manipuliermasse wird. Ich bin überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir haben ein ganz anderes Steuerpotenzial als früher, auch wenn wir noch nicht dort sind, wo wir hinwollen. Auch wenn wir nun mehr auf Qualität statt Quantität setzen und das Wachstum nicht mehr so rasant sein dürfte, ist der Weg richtig.

Wie motivieren Sie sich nach 15 Jahren als Regierungsrat und mit 61 Jahren, weitere vier Jahre anzuhängen?

Wallimann: Die Aufgaben als Regierungsrat machen mir Spass, und ich mache sie gerne, weil ich den Kanton Obwalden gerne habe. Das ist meine Motivation.