HINTERGRUND: Pilatus-Zahnradbahn ist 125 Jahre alt

Genau heute vor 125 Jahren hat die Zahnradbahn auf den Pilatus ihren Betrieb aufgenommen. Die Idee einer Bahn galt einst als verrückt. Heute reisst man sich zwar nicht mehr um die Billette, beliebt ist die Bahn aber nach wie vor.

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Die Pilatus-Zahnradbahn unterwegs von Alpnachstad nach Pilatus-Kulm. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Die Pilatus-Zahnradbahn unterwegs von Alpnachstad nach Pilatus-Kulm. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Im Herzen der Schweiz, unweit des Pilatus, nahm 1871 die erste Zahnradbahn Europas ihren Betrieb auf. Wer auf die Rigi wollte, musste sich fortan nicht mehr zu Fuss abrackern. Ein Meilenstein. Die «Königin der Berge» wurde gefeiert.

Der Erfolg der Vitznau-Rigi-Bahn erweckte in Luzern Begehren: Man wollte dort den Hausberg Pilatus ebenfalls nicht mehr mühsam besteigen müssen.

So wurde 1873 von der Kreditanstalt ein erstes Konzessionsgesuch für eine Zahnradbahn auf den Pilatus eingereicht. Doch das Unterfangen war komplizierter als angenommen: Das Trassee von Alpnachstad hinauf zum Pilatus-Kulm auf 2132 Meter über Meer war zu steil.

Denn die so genannte Riggenbachsche Zahnstange, wie sie an der Rigi verwendet wurde, kann nur bis zu einer Neigung von 25 Prozent eingesetzt werden. Am Pilatus aber muss die Bahn eine Steigung von 48 Prozent überwinden können.

Massgeschneidertes System

So machte sich der Ingenieur Eduard Locher an die Arbeit und konzipierte ein für den Pilatus massgeschneidertes System. Er reduzierte die Spurweite auf 80 Zentimeter. Dazwischen legte er eine Zahnstange in Form eines einfachen Stabes, der auf beiden Seiten gezähnt war, damit die Zahnräder der Fahrzeuge seitlich eingriffen.

Am 24. Juni 1885 erhielt er die eidgenössische Konzession für den Bahnbau. In nur 400 Arbeitstagen bauten 600 Mann die Bahn, die 1,9 Mio. Franken kostete. Sie fährt auf einer 4,6 Kilometer langen Schmalspurstrecke und überwindet eine Höhendifferenz von 1635 Metern.

Obwohl die Pilatus-Bahn als Prototyp gedacht war, fand das Locher-System keine Neuauflage an einem anderen Ort. Erhalten geblieben sei eine Perle, welche die Fachleute am Pilatus umso mehr hegten und pflegten, erklärt die Pilatus-Bahnen AG.

Riesiger Ansturm

Die Pilatusbahn-Gesellschaft ging ursprünglich von 15'000 Passagieren pro Jahr aus. Acht Dampftriebwagen sollten diesen Anforderungen genügen. Doch dem war nicht so. Der Ansturm auf die neue Bahn war riesig. Man riss sich um Billette und Plätze. Die Anlage war teilweise hoffnungslos überfordert.

Im ersten halben Jahr wurden 1477 Züge geführt und 36'892 Passagiere befördert. Die Bergfahrt dauerte 70 Minuten, die Talfahrt 90 Minuten. 1895 reisten 40'000 Passagiere auf den Pilatus, 1906 war die 50'000er-Grenze überschritten.

1937 wurde die Pilatuszahnradbahn elektrifiziert. Nun konnten jährlich 100'000 Personen transportiert werden.

Heute beträgt die Fahrzeit der bis heute steilsten Zahnradbahn der Welt bergwärts 30 Minuten, talwärts 40 Minuten. Maximal können 340 Personen pro Stunde transportiert werden. Die Bahn ist von Mai bis November in Betrieb.

Depotbesichtigungen zum Jubiläum

Was es heisst, eine Bahn, die bis zu 20'000 Höhenmeter pro Tag zurücklegt, zu betreiben, offenbaren die Pilatus Bahnen zum 125-Jahr-Jubiläum. Ab dem 4. Juni - auf den Tag 125 Jahre nach der Jungfernfahrt - bis Mitte Oktober können Besucherinnen und Besucher jeden Freitag einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Bahndepots in Alpnachstad werfen.

Hinweis: Mehr zur Geschichte der Bahn sowie historische Filme aus dem Jahr 1937 auf www.pilatus.ch

sda