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10'000 historische Gegenstände zügeln nach Kägiswil

Das Lager des Historischen Museums Obwalden zieht um. Von der Katzenmumie bis zur Käsereibe findet alles seinen Platz.
Franziska Herger
Museumsleiterin Klara Spichtig mit einem Schutzziegel aus dem 19. Jahrhundert. (Bild: Corinne Glanzmann, Kägiswil, 18. September 2019)

Museumsleiterin Klara Spichtig mit einem Schutzziegel aus dem 19. Jahrhundert. (Bild: Corinne Glanzmann, Kägiswil, 18. September 2019)

Neun Wochen hat es gedauert, um die Sammlung des Historischen Museums Obwalden, von der Tonscherbe bis zum geschnitzten Buffet, fein säuberlich zu verpacken. Nun ist es so weit: Diese Woche werden in einer ersten Zügeletappe 60 vollgepackte Paletten vom ehemaligen Zeughaus an der Militärstrasse in Sarnen ins neue Logistikzentrum des Zivilschutzes in Kägiswil transportiert. Zirka 10000 Objekte werden bis Ende November dort ihren Platz finden.

Das Depot des Historischen Museums Obwalden zügelt vom alten Zeughaus ins Logistikzentrum nach Kägiswil. Hier hängen Zivildienstleistende von der Abteilung Kulturgüterschutz alte Gemälde zur Aufbewahrung in ein Bildergitter. (Bilder: Corinne Glanzmann, Kägiswil, 18. September 2019)Das Depot des Historischen Museums Obwalden zügelt vom alten Zeughaus ins Logistikzentrum nach Kägiswil. Hier hängen Zivildienstleistende von der Abteilung Kulturgüterschutz alte Gemälde zur Aufbewahrung in ein Bildergitter. (Bilder: Corinne Glanzmann, Kägiswil, 18. September 2019)
Einer nach dem anderen werden die 10000 Gegenstände in die Regale geräumt, hier etwa eine Ansammlung alter Körbe.Einer nach dem anderen werden die 10000 Gegenstände in die Regale geräumt, hier etwa eine Ansammlung alter Körbe.
Hier ist Vorsicht geboten. Hier ist Vorsicht geboten.
Noch sind die Regale halb leer. Bis Ende November wird alles eingeräumt sein.Noch sind die Regale halb leer. Bis Ende November wird alles eingeräumt sein.
Im bisherigen Lager im ehemaligen Zeughaus in Sarnen warten Möbel....Im bisherigen Lager im ehemaligen Zeughaus in Sarnen warten Möbel....
...alte Musikinstrumente......alte Musikinstrumente...
...und bestickte Taufhauben auf den Transport. ...und bestickte Taufhauben auf den Transport.
Museumsleiterin Klara Spichtig zeigt im Textilienraum ein altes Wildweib-Gewand für die Älplerchilbi.Museumsleiterin Klara Spichtig zeigt im Textilienraum ein altes Wildweib-Gewand für die Älplerchilbi.
Diese Büste, wahrscheinlich von Bildhauer Richard Kissling, wurde beim Hochwasser 2005 stark beschädigt. Diese Büste, wahrscheinlich von Bildhauer Richard Kissling, wurde beim Hochwasser 2005 stark beschädigt.
9 Bilder

Die Sammlung des Historischen Museums Obwalden zieht um

Das Ganze ist einer gewöhnlichen «Zügletä» nicht unähnlich – Lieferwagen, Kisten, braunes Klebeband und meterweise Verpackungsmaterial. Der Inhalt der Kisten ist umso aussergewöhnlicher. Museumsleiterin Klara Spichtig angelt einen braunen Ziegel aus einem der Rollregale am neuen Standort. Darin ist ein Kreuz eingeprägt. «Ein Feierabend- oder Schutzziegel aus Sarnen, vermutlich von Ende des 19. Jahrhunderts», sagt die Volkskundlerin. «Sie wurden gesegnet und an jeder Ecke eines Hausdachs montiert, zum Schutz von oben, sozusagen.»

Die Sammlung hat weniger Raum als bisher

Es ist nicht das einzige heute kurios anmutende Kulturgut im Depot. Während Zivilschutzleistende vorsichtig Gemälde von Obwaldner Würdenträgern auspacken und in ein bis zur Decke reichendes Bildergitter hängen, holt Klara Spichtig einen zwischen den Regalen schimmernden Gegenstand hervor. Ein Reliquiar: Knochensplitter des heiligen Ursus, von Stickereien umgeben in einem goldenen Rahmen. Eher im Volksglauben anzusiedeln ist eines von Spichtigs Lieblingsstücken: Eine mumifizierte Katze, die vermutlich im 19. Jahrhundert als sogenanntes Bauopfer in ein neues Haus «eingebaut» wurde, um böse Geister abzuwehren. Aber auch Alltagsgegenstände faszinieren Spichtig, die das Museum seit 2004 leitet. Etwa eine handgemachte Käsereibe, für die schlicht Löcher in ein Blech gestanzt wurden. «Das würde man wohl wegwerfen, wenn es einem zu Hause in die Hände fiele», sagt sie. «Aber es zeigt, wie arm die Leute waren und wie sie sich zu helfen wussten.»

Noch ist das Lager im Logistikzentrum nicht gefüllt, viele Regale leer. Doch ein Besuch in den grosszügigen Räumen an der Militärstrasse zeigt: Die Sammlung muss auf kleinerem Raum als bisher Platz finden. Klara Spichtig ist zuversichtlich. «Viel Reserveraum werden wir in Kägiswil aber nicht haben.» Die Armasuisse will das ehemalige Zeughaus wieder selber nutzen, der Vertrag mit dem Kanton lief Ende 2019 aus. Da traf es sich gut, dass der Kanton, der gemäss Leistungsvereinbarung mit dem Historischen Verein der Sammlung Platz zur Verfügung stellen muss, das neue Logistikzentrum baute. Auf sorgfältige Lagerung wird auch am neuen Standort Wert gelegt. Befeuchtungs- und Entfeuchtungsgeräte halten die Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 55 Prozent. Und: Das Lager ist im ersten Obergeschoss. «Nach 2005 war klar; unter den Boden gehen wir nie mehr», erzählt Spichtig.

Von den Schäden, die das Hochwasser an der damals im Keller der Kantonsschule untergebrachten Sammlung anrichtete, zeugt eine Kiste besonders. Daraus blickt einem ein Gesicht entgegen, respektive ein Teil davon. Der Rest der Büste ist unkenntlich. «Eine unserer Wasserleichen, wahrscheinlich vom Bildhauer des Telldenkmals Richard Kissling», so Spichtig. «Ich habe sie nur noch nicht fortgeworfen, weil man einmal eine Ausstellung über die Auswirkungen von Naturkatastrophen machen könnte.»

«Gerät aus Holz, Zweck unbekannt»

Damit alles seinen Ort findet, bereitet Spichtig seit Anfang Jahr den Umzug vor. Der Lagerort aller Gegenstände ist auf einem Regalraster eingezeichnet, geordnet nach Material, Verwendungszweck, und teilweise nach Epoche. Informationen über die Objekte finden sich im digitalen Katalog. «Wir wissen aber nicht von allen gleichviel», sagt Spichtig schmunzelnd. «Manchmal heisst es einfach ‹Gerät aus Holz, Zweck unbekannt›.» Die meisten Objekte in der Sammlung werden nie ausgestellt. Wichtig seien sie trotzdem, betont die Museumsleiterin. «Unsere Aufgabe ist das Sammeln, Aufbewahren und Dokumentieren, damit erhalten bleibt, was man früher wie gemacht hat.»

26. Oktober: Tag der offenen Tür im Logistikzentrum Kägiswil.

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