Hochwasserschutz im Sarneraatal kostet 29 Millionen Franken mehr als geplant

Nach geologischen Problemen resultieren massive Mehrkosten und eine Verzögerung der Bauzeit um rund ein Jahr – die Regierung muss den Kantonsrat über unerfreuliche Entwicklungen bei den Hochwasserschutzprojekten informieren.

Philipp Unterschütz
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Die Geologie hat schon bei so manchem Bauprojekt zu bösen Überraschungen geführt. Auch bei den Hochwasserschutzprojekten im Sarneraatal zeigt sich der Baugrund da und dort anders als erwartet. Und das hat Konsequenzen. Die Regierung zeigt in einem Bericht an den Kantonsrat auf, dass der Bau rund ein Jahr länger dauern wird und dass mit 29,1 Millionen Franken Mehrkosten (+25 Prozent) zu rechnen ist. Aktuell geht die Regierung von Gesamtkosten von 144,1 Millionen Franken aus.

Der 88 Tonnen schwere Bohrkopf der Tunnelbohrmaschine für den Hochwasserentlastungsstollen mit einem Durchmesser von 6,53 Metern wird mit einem der stärksten Raupenkräne der Schweiz in die Baugrube gehievt und am Kopf der Tunnelbohrmaschine montiert.

Der 88 Tonnen schwere Bohrkopf der Tunnelbohrmaschine für den Hochwasserentlastungsstollen mit einem Durchmesser von 6,53 Metern wird mit einem der stärksten Raupenkräne der Schweiz in die Baugrube gehievt und am Kopf der Tunnelbohrmaschine montiert.

Bild: PD (Alpnach, 28. September 2020)

Ganz unerwartet kommt die Nachricht nicht. Schon vor einem Jahr wurden die geologischen Probleme bei der Baustelle in Alpnach bekannt. Die Baugrube, in der zurzeit die Tunnelbohrmaschine montiert wird, musste mit aufwendigeren Verfahren gebaut und gesichert werden. Die Arbeiten gerieten dadurch neun Monate in Rückstand. Und weil auch die Form der Baugrube angepasst und diese nicht über eine befahrbare Rampe erschlossen ist, muss die ganze Logistik über Krane erfolgen, was kosten- und zeitaufwendig ist. Die Bauzeit des Stollens verlängert sich deshalb um weitere drei Monate. Das ganze Projekt wird statt 2025 erst im Jahr 2026 fertig.

Allein in Alpnach verteuert sich das Projekt um gut 12 Millionen Franken. Dabei geht es nicht nur um den erschwerten Bau an sich, auch das längere Vorhalten (Miete etc.) der Tunnelbohrmaschine und der anderen Infrastrukturen kostet.

Zusätzliche Aufwertungsmassnahmen an der Sarneraa treiben Kosten in die Höhe

Aber auch beim Einlaufbauwerk am Sarnersee waren wegen der Geologie Anpassungen gegenüber dem Projektstand von 2014 nötig, auch hier musste schliesslich zu aufwendigeren und teureren Baumassnahmen gegriffen werden. Weitere Mehrkosten resultierten laut Baudirektor Josef Hess, weil dieser Projektteil rund 1 Million Franken teurer vergeben werden musste als im Kostenvoranschlag vorgesehen. Und auch hier schlägt die einjährige Verzögerung mit rund 1 Million Franken zu Buch. Für weitere Mehrkosten sorgen auch zusätzliche ökologische Aufwertungsmassnahmen. Seit dem Kredit von 2014 sind das insgesamt 7,7 Millionen Franken. «Dabei ging es nicht nur darum, Forderungen von Umweltorganisationen im Einspracheverfahren zu erfüllen, sondern auch darum, die Voraussetzungen für den Erhalt der Bundesbeiträge zu schaffen», erklärt Baudirektor Josef Hess.

Er sei alles andere als glücklich über die neuen Prognosen, sagt aber auch: «Solche Entwicklungen sind bei Projekten dieser Dimension und im Untertagebau keine Seltenheit.

Zusatzkredit wird erst 2022 beantragt

Grundsätzlich hätte die Regierung bereits jetzt einen Zusatzkredit beim Kantonsrat beantragen können. Einen solchen möchte sie aber erst Anfang 2022 einholen. Bis dahin hätte man aus dem bereits gesprochenen Kredit noch Geld. «Bis 2022 sollten wir die bedeutendsten Risikozonen durchquert haben und können die Kosten wesentlich genauer abschätzen.» Der Zusatzkredit werde über eine Verlängerung der Zwecksteuer von voraussichtlich zwei Jahren finanziert und belaste den ordentlichen Staatshaushalt nicht, so Josef Hess weiter. «Die Zwecksteuer wird deshalb statt bis ins Jahr 2027 bis 2029 laufen.» Laut Abstimmungsvorlage dürfte sie für maximal 20 Jahre bis 2035 erhoben werden.

2014 hatte das Stimmvolk für die Hochwasserschutzprojekte einen Gesamtkredit von 115 Millionen Franken bewilligt. Beim Auflageprojekt 2016 waren die Kosten bereits auf 124,1 Millionen Franken angewachsen. Von den jetzt erwarteten 29 Millionen Franken Mehrkosten muss der Kanton rund 6,1 Millionen (21%) tragen, 4,1 Millionen (14%) die Gemeinden. Den Rest von 18,9 Millionen Franken (65%) übernimmt der Bund.

Der Kantonsrat wird den Antrag der Regierung, vom Bericht Kenntnis zu nehmen, an seiner Sitzung vom 22. Oktober behandeln. Dann muss er sich in diesem Zusammenhang auch mit einer Anpassung des Gesetzes über die Wasserbaumassnahmen an der Sarneraa Alpnach befassen. Dieses Gesetz, das auch die Aufwertung des Südufers in der Mündungsbucht Alpnachersee umfasst, sieht in der heutigen Fassung vor, dass sich die Gemeinde Alpnach an den Kosten beteiligt. Weil die Aufwertung des Südufers aber vollständig im See liegt, steht sie im alleinigen Zuständigkeitsbereich des Kantons. Die Kostenbeteiligung der Gemeinde an diesem Projektteil soll daher aus diesem Gesetz gestrichen werden.

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