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HOCHWASSERSCHUTZ: Kanton plant nächsten grossen Schritt

Läuft alles nach Plan, beginnen im Sommer 2017 die Bauarbeiten für den Hochwasserstollen. Die grosse Frage: Wie reagieren die Umweltverbände auf die Projektauflage im November?
Adrian Venetz
Der Weg an der Sarneraa zwischen Sarnen und Kägiswil. Hier soll der Fluss linksseitig aufgeweitet werden – dabei geht Kulturland verloren. (Bild Adrian Venetz)

Der Weg an der Sarneraa zwischen Sarnen und Kägiswil. Hier soll der Fluss linksseitig aufgeweitet werden – dabei geht Kulturland verloren. (Bild Adrian Venetz)

Adrian Venetz

Nicht weniger als 350 Stellungnahmen waren im Rahmen der Vernehmlassung zum Jahrhundertprojekt eingegangen. In der Verarbeitung gilt es vor allem, das Machbare vom Wünschbaren zu trennen. «Das höchste Ziel ist es, die Kosten im Griff zu behalten», sagt Baudirektor Paul Federer zum Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal. Zur Erinnerung: Neben dem Bau eines 6,5 Kilometer langen Druckstollens zwischen Sarnersee und Wichelsee sind auch entlang der Sarneraa verschiedenste Massnahmen nötig. Gesamtkosten: 115 Millionen Franken.

Stollen frühestens 2022 in Betrieb

Der aktuelle Zeitplan präsentiert sich nun folgendermassen: Im November kommt es zur Projektauflage – «ein ganz wichtiger Schritt», so Federer. Hier wird der Kanton das Auflageprojekt öffentlich präsentieren. Bestenfalls kann gut ein halbes Jahr später, im Sommer 2017, mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bauzeit für den Stollen inklusive Ein- und Auslaufbauwerk beträgt fünf Jahre. Er kann also frühestens 2022 in Betrieb genommen werden.

«Dürfen uns nichts vormachen»

Das grosse Damoklesschwert, das über diesem Zeitplan hängt, sind Einsprachen, die im Rahmen der Projektauflage erhoben werden können – sei es von einzelnen Bürgern oder von grossen Verbänden. «Wir dürfen uns nichts vormachen», sagt Projektleiter Viktor Schmidiger. «Bei solchen Grossprojekten gibt es immer Einsprachen.» Die Frage sei dann vor allem, ob man sich rasch aussergerichtlich einigen kann oder ob ein langwieriger Prozess bevorsteht. Eine Einsprache bis vor Bundesgericht könnte das Projekt rasch um ein bis zwei Jahre verzögern. Baudirektor Paul Federer und Projektleiter Viktor Schmidiger machen im Gespräch mit unserer Zeitung keinen Hehl daraus, dass es die Umweltschutzverbände sind, die dem Kanton am meisten Sorgen machen. Knackpunkt ist dabei nicht etwa der Stollen, sondern die Sarneraa, vor allem der Abschnitt entlang des Flugplatzes Kägiswil. Anders als im Dorfbereich ist es hier nämlich möglich (und auch geplant), dem Fluss mehr Raum zu geben und ihn damit ökologisch aufzuwerten.

Die Frage ist nur: In welchem Ausmass tut man das? Je mehr Platz man dem Fluss und der Natur gibt, desto mehr Land verlieren die ansässigen Bauern. «Wir sprechen hier von den besten Fruchtfolgeflächen, die Obwalden zu bieten hat», betont Schmidiger. Der Bauernverband habe im Rahmen der Vernehmlassung «zähneknirschend» signalisiert, dass man gegen die geplante Aufweitung der Sarneraa nicht opponieren werde. Auch bezüglich Realersatz für die Bauern sei man auf gutem Weg, so Baudirektor Federer. Die Verhandlungen seien hier aber noch nicht ganz abgeschlossen.

Anders tönt es bei den Umweltverbänden: Sie fordern gemäss Schmidiger noch mehr ökologische Massnahmen. Immerhin erhält der Kanton bereits jetzt Rückendeckung von höchster Stelle: «Der Bund hat uns mitgeteilt, dass wir aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Sicht den bestmöglichen Kompromiss gefunden haben», betont Schmidiger. Sollte es also tatsächlich wegen einer Einsprache zu einem Gerichtsprozess kommen, stehen die Chancen für den Kanton Obwalden sehr gut, dass er obsiegt.

Nicht alles soll blockiert sein

Die Suche nach Kompromissen, das ständige Ausloten und «Glätten» von möglichen Interessenkonflikten – genau dies ist ein wichtiger Grund, warum die Planung dieses Jahrhundertprojekts so viel Zeit und Ressourcen in Anspruch genommen hat. Dass eine einzelne Einsprache das gesamte Bauprojekt über Monate hinweg blockiert, ist allerdings nicht anzunehmen. Gemäss Baudirektor Paul Federer haben die Umweltverbände bereits signalisiert, dass sie gegen den eigentlichen Bau des Stollens nicht opponieren. Es wäre also theoretisch möglich, dass man mit dem Bau des Stollens beginnen kann, obwohl beim Thema ökologische Ausgleichsmassnahmen an der Sarneraa noch Hürden im Weg stehen. «Aber bevor wir nicht wissen, was in einer allfälligen Einsprache steht, können wir auch nicht genau sagen, wie wir handeln werden», so Federer. Projektleiter Viktor Schmidiger sagt dazu: «Die Vertreter der Umweltverbände machen ihren Job. Wir sehen sie nicht als ‹Feinde›. Unsere Aufgabe ist es, ihnen aufzuzeigen, dass die Erfüllung all ihrer Wünsche schlichtweg nicht möglich ist.»

Was sagen die Umweltschützer?

Wie gross die Opposition der Umweltverbände wird, lässt sich noch nicht abschätzen. «Das hängt völlig vom Auflageprojekt ab», sagt Marc Germann, Geschäftsführer des WWF Unterwalden. «Da wir seit einiger Zeit nicht mehr in der Steuerungsgruppe und Begleitgruppe des Kantons sind, haben wir auch keine Einsicht in die aktuelle Planung.» Germann bestätigt, dass sich der WWF vor allem für die ökologischen Ausgleichsmassnahmen an der Sarneraa einsetzt. Aber nicht nur. «Das Ein- und das Auslaufbauwerk des Stollens stellen einen bedeutenden Eingriff in die Natur dar», so Germann. Mit Sorge blickt man beim WWF auch auf das geplante Stauwehr im ersten Abschnitt der Sarneraa und das Wehrreglement. «Für uns ist das momentan eine ‹Black Box›. Wir werden die Pläne genau anschauen, weil hier Einfluss auf den Seepegel genommen wird», sagt Germann und spricht etwa das Naturschutzgebiet Hanenried am südlichen Sarnerseeufer in Giswil an.

Ähnlich tönt es bei Hanspeter Rohrer, Geschäftsführer von Pro Natura Unterwalden. «Im Rahmen der Vernehmlassung haben wir klar gesagt: Die ökologischen Massnahmen an der Sarneraa reichen uns nicht.» Seither habe man nichts mehr gehört vom Kanton. «Wir gehen nicht davon aus, dass man unseren Forderungen in der Zwischenzeit gross entgegengekommen ist.»

Den Vorwurf, die Umweltverbände könnten als «Spielverderber» das Jahrhundertprojekt weiter verzögern, lässt Rohrer nicht gelten. «Die ganze Planung hat enorm lange gedauert – daran sind die Umweltverbände aber kein bisschen schuld.» Obwohl Pro Natura von Anfang an gegen den Bau eines Stollens war, habe man den Volksentscheid akzeptiert, betont er.

Ist die ??Stollen-Offerte noch gültig?

Gebaut wird der Hochwasserstollen (ohne Ein- und Auslaufbauwerk, jedoch inklusive Vertikalschacht Kernmattbach) vom Totalunternehmer Marti AG aus Moosseedorf BE. Die Firma wurde 2013 von der Regierung aus vier Anbietern ausgewählt. Die Marti AG musste die Bedingung eingehen, dass die Offerte ab dem Einreichungsdatum (Juli 2012) während dreier Jahre gültig ist – also bis Mitte 2015.

Firma will Entschädigung

Verschiedentlich hört man nun Gerüchte, wonach die Marti AG mit Forderungen vor den Kanton tritt, weil sich der Baustart für den Stollen verzögert hat. «Es stehen Forderungen der Firma Marti AG im Raum», bestätigt Projektleiter Viktor Schmidiger. Dabei geht es um die Frage, ob der Firma Marti eine Vergütung zusteht für das Bereithalten der Tunnelbohrmaschine. Viktor Schmidiger erläutert: «Auch derartige Aufgaben gilt es bei Grossprojekten zu lösen.» Zudem habe die Marti AG ihre Offerte verlängert, da sie «weiterhin grosses Interesse daran hat, den Stollen als Totalunternehmer zu bauen», so Schmidiger.

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