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Holzschnitzel sorgen in Sachseln für dicke Luft

Aufhorchen liessen an der jüngsten Gemeindeversammlung Leute, die vom Fragerecht Gebrauch machten. Vehementen Protest gab es gegen die Holzschnitzelheizung des Wärmeverbundes von 1998, die rund ums «Mattli» oft stickigen Rauch verbreitet.
Romano Cuonz
Gemeinderat Florian Spichtig (Mitte) traf sich nach der Gemeindeversammlung mit Anwohnern zu einem Augenschein vor dem Schulhaus Mattli. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 24. Mai 2018))

Gemeinderat Florian Spichtig (Mitte) traf sich nach der Gemeindeversammlung mit Anwohnern zu einem Augenschein vor dem Schulhaus Mattli. (Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 24. Mai 2018))

«Warum nimmt der Gemeinderat Sachseln die Anliegen von uns Anwohnern nicht ernst und lässt die Industrieanlage beim Schulhaus ‹Mattli› weiter rauchen und die Luft verpesten?» fragte Heinz Della Torre, ein Einwohner am Rosenweg, an der Gemeindeversammlung. Er und andere besorgte Einwohner hätten doch längst eine Variante vorgeschlagen, bei der die Anlage aus dem Dorf genommen und in Zusammenarbeit mit der Korporation Sachseln zum «Chalchofen» versetzt würde. Wenn mit Holzschnitzeln geheizt würde, sei der Rauch oft so eklig, dass es in der Umgebung niemand mehr auf einem Balkon aushalte.

Della Torre erhielt Unterstützung von weiteren besorgten Anwohnerinnen. Ursula Digel von der Edisriederstrasse beschrieb die Immissionen sehr anschaulich. «Der übel riechende Rauch, der aus den beiden silber metallenen Röhren kommt, hängt sich als Dunst wie eine Glocke über die ganze Umgebung. Als Asthmatikerin habe ich dann unter dem Feinstaub und den Schadstoffen sehr zu leiden», monierte sie. Einstimmig forderten die protestierenden Anwohner, dass diese Heizung von der Schulanlage entfernt werden müsse. Heinz Della Torre sagte unmissverständlich: «Rund ums Schulhaus sind über 300 Kinder dem Feinstaub ausgesetzt, dazu zahlreiche Sportler auf den umliegenden Anlagen, das ist heute einfach keine Lösung mehr.»

Anlage einst ein Vorzeigestück

Noch heute prangt direkt vor den beiden Metallschloten beim Mattli-Schulhaus ein kleines grünes Schildchen, das voll Stolz festhält: «Wir heizen mit Holz!» Als die Fernwärmeversorgung 1998 in Betrieb genommen wurde, galt sie als umweltfreundlich und richtungsweisend. Neben den gemeindeeigenen Liegenschaften wurden mit der Zeit auch gegen 400 private Wohnungen für die Warmwasserversorgung und die Heizungen angeschlossen. Allein im Jahr 2016 wurden zur Energieerzeugung 6600 Kubikmeter Holzschnitzel aus Obwaldner und vorab aus Sachsler Wäldern genutzt.

Da die Korporation ihre Verwaltung im «Chalchofen» hat, liegt für die immissionsgeplagten Einwohner eine Versetzung der Anlage dorthin auf der Hand. Korporationspräsident Hans Spichtig betonte denn vor den rund 150 Versammelten, wie sehr man an einer guten, umweltfreundlichen Lösung des Problems interessiert sei. «Wir sind darauf angewiesen, dass die Schnitzel genutzt werden, und wir möchten sie keinesfalls von Sachseln wegtransportieren.»

«Die Einwohnergemeinde ist bereits 2008 auf Klagen von Anstössern wegen schlechter Gerüche eingegangen, indem sie in eine Siloentlüftung 40 000 Franken investiert hatte», führte der zuständige Gemeinderat und Vizepräsident Florian Spichtig zu Beginn ins Feld. Auch habe man ausserhalb der Heizsaison den Holzheizkessel abgestellt und den Wärmeverbund mit Ölkesseln betrieben. Für den üblen Geruch gebe es verschiedene Gründe: Feuchte, noch grüne Schnitzel etwa oder ungünstige Wetter- und Windlagen.

Neubau hätte höhere Preise zur Folge gehabt

Schon 2016 habe der Korporationsrat eine Machbarkeitsstudie für eine neue Heizzentrale des Wärmeverbundes am Standort «Chalchofen» erstellen lassen. «Diese Lösung wäre aber mit hohen zusätzlichen Investitionen von 4,2 Millionen Franken verbunden gewesen», fasste Spichtig das Ergebnis zusammen. Eine Preiserhöhung für die Bezüger wäre unabdingbar gewesen. «Damit war für uns die Auslagerung des Wärmeverbundes an die Korporation vom Tisch», so Spichtig. Auch die Prüfung weiterer Standorte habe gegenüber einer Sanierung am bestehenden Standort deutlich höhere Kosten ausgewiesen. Auf die Frage, ob er nach der Erneuerung der Anlage, die auf 2019 geplant ist, garantieren könne, dass es nicht mehr stinke, versprach Spichtig: «Wenn wir den Kessel einmal ersetzt haben, müssen die vom Gesetz für so grosse Anlagen deutlich schärfer formulierten Emissionsgrenzwerte eingehalten werden.» Auch würden bei der Sanierung der Heizzentrale Feinstaubfilter, wie sie heute vorgeschrieben seien, eingebaut.

Auch auf Fragen zur Sicherheit der Schulkinder oder zu Lärmimmissionen und Abgasen der Transportfahrzeuge bei der Zulieferung der Schnitzel beruhigte Florian Spichtig die besorgten Sachsler. Dies, indem er festhielt: «Die Anlieferung erfolgt in einer 30-er Zone und die Chauffeure sind angewiesen, mit grösster Vorsicht zu fahren.» Möglich seien auch Sperrzeiten unmittelbar vor und nach der Schule. Der Kommentar des Anwohners Heinz Della Torre dazu: «Die Öffentlichkeit ist jetzt auf das Problem aufmerksam geworden, dennoch bleibe ich der Meinung, dass die Heizung früher oder später von der Schul- und Sportanlage entfernt werden sollte.»

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