Hommage an Obwaldner Pionierinnen

Dass Schweizerinnen 1971 das Stimmrecht erhielten, verdanken sie mutigen Pionierinnen. Obwalden ruft acht von ihnen in Erinnerung.

Romano Cuonz
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Frauen ins Rathaus: Heidi Wernli Gasser und Bianca Ogrizek Woermann (rechts) verfassten eine Hommage an acht Obwaldnerinnen, die sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt hatten.

Frauen ins Rathaus: Heidi Wernli Gasser und Bianca Ogrizek Woermann (rechts) verfassten eine Hommage an acht Obwaldnerinnen, die sich für die Gleichberechtigung von Mann und Frau eingesetzt hatten.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 24. September 2020)

«Wir möchten Obwaldnerinnen, die sich für die Rechte von uns Frauen öffentlich engagiert haben, ein Kränzchen winden», sagt die Heilpädagogin und frühere SP-Kantonsrätin Heidi Wernli Gasser. Zusammen mit der 30 Jahre jüngeren Kantonsschullehrerin Bianca Ogrizek Woermann hat sie sich an eine faszinierende Arbeit gemacht. Die beiden begannen, in Archiven oder früheren Publikationen nach Frauen zu suchen, die sich im jahrhundertelang von Männern dominierten Obwalden hervorgetan und dabei oft auch Schlagzeilen gemacht hatten.

Entstanden sind acht intime, aussagekräftige Porträts von starken Frauen, die inzwischen alle verstorben sind. Heidi Wernli präzisiert: «Mit unserer Arbeit leisten wir einen lokalen Beitrag zum gesamtschweizerischen Grossprojekt Hommage 2021 – 50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht.» In der Tat: Unter der künstlerischen Leitung der bekannten Zürcher Theaterpädagogin und Regisseurin Liliane Heimberg will man nächstes Jahr an die hart umkämpfte Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts erinnern und gleichzeitig aufrütteln. An der Fassade des Bundeshauses soll eine musikalische Grossprojektion erstrahlen. Dazu erscheinen in der Berner Altstadt Porträts von jeweils zwei Frauen aus jedem Schweizer Kanton. Im ganzen 52 Hommagen an historische Persönlichkeiten, die sich durch besondere Leistungen hervorgetan haben. Wer einen QR-Code anwählt, hört ihre Geschichte in mehreren Sprachen.

Maturaklasse hatte Qual der Wahl

«Das letzte Wort zu den beiden Obwaldner Frauen, die in der Bundeshauptstadt porträtiert werden, sollten Schülerinnen und Schüler einer heurigen Sarner Maturaklasse haben», sagt Bianca Ogrizek Woermann. Als Vorarbeit unterbreiteten Heidi Wernli und sie den jungen Leuten acht gut begründete Vorschläge. «Wichtig erschien uns dabei, dass das Spektrum an Frauen breit gefächert war», verrät Ogrizek Woermann. So spannte sich der Bogen von einer sozial tätigen Hebamme über eine Frauenrechtlerin bis hin zu einer Künstlerin oder einer Schriftstellerin. Schliesslich hatte die Klasse 6c der Kantonsschule Obwalden die Qual der Wahl. Zusammen mit Geschichtslehrer Bernhard Krummenacher wurde engagiert diskutiert, das Dafür und Dagegen sorgsam abgewogen. Und – noch bevor Schülerinnen und Schüler ihre Maturareise antraten – war der Entscheid auf demokratische Weise gefallen.

Nach Bern geschickt werden die Porträts der streitbaren Leserbriefschreiberin Hanny Wallimann-Bracher (1919-1994) und der sozial engagierten Dora Stockmann (1904-1997).

Die Schülerinnen und Schüler begründen ihre Wahl sehr stichhaltig. Für Hanny Wallimann-Bracher führen Sophia Koch und Mikal Ermias Tadesse ins Feld: «Ihre Biografie und Dutzende Leserbriefe an die da oben in Bern beeindrucken uns. Hanny Wallimann legte die Fakten dar, ohne die Wahrheit zu verbergen. Sie war eine Stimme für diejenigen, die Angst hatten, das Wort zu ergreifen.»

Gar als Vorbild sehen die Jungen von heute die Frau, die sich zu ihrer Zeit mit Männern in höchsten politischen Ämtern anlegte und deshalb Prozesse riskierte oder von vielen zur Aussenseiterin abgestempelt wurde. «Wir brauchen Menschen wie sie, die nicht nur auf eine bessere Welt hoffen, sondern für ihre Vision kämpfen», sagen Schülerinnen und Schüler. Zu Dora Stockmann führen Johannes Koch und Philip Hügli aus: «Sie war eine sehr engagierte und hilfsbereite Person, die immer da war, wenn man es gerade nötig hatte. Sie sorgte dafür, dass von kranken Kindern bis zu Alkoholkranken jeder und jede einen Ort hatte, wo für ihn oder sie geschaut wurde.» Vor allem die Altersresidenz am Schärme und das Kurhaus am Sarnersee würden noch bis heute Zeugnis von ihrem Wirken in Obwalden ablegen.

«Auch den andern sechs von uns porträtierten Frauen wird man im Jubiläumsjahr begegnen», verspricht Heidi Wernli. Ihre Geschichten würden wissenschaftlich korrekt und gut lesbar auf einer Website erscheinen.

Sechs weitere Porträts im Internet

Da ist Hedi Burach-Enz (1912-2010) aus Giswil. Sie arbeitete ab 1939 46 Jahre lang als Hebamme und prägte als engagierte und selbstbewusste Frau den Wandel der Geburtshilfe in Obwalden wesentlich mit. Iren von Moos (1952-1988) war Ethnologin. Als Forscherin bereiste sie mehrmals Afghanistan selbst während des Krieges und erhielt Zugang und Einblicke in verschlossene Frauenwelten. In der Schweiz vermittelte sie ihre Erfahrungen in viel beachteten Vortragsreihen und Forschungsberichten. Auf ihrer letzten Reise wurde sie in Peshawar ermordet.

Weitere Porträts sind der wohl ersten Obwaldner Kunstmalerin Justine Stockmann-Imfeld (1881-1962) und der selbstbewussten, politisch engagierten Schriftstellerin Rosalie Küchler-Ming (1882-1946) gewidmet. Schliesslich sind da noch als vorausdenkende Konservatorin des Heimatmuseums und Leiterin der Kantonsbibliothek Obwalden, die Sarnerin Zita Wirz (1917-1990) und als überhaupt erste unabhängige Obwaldner Kantonsrätin die passionierte Engelberger Alpinistin Rosa Häcki-Feierabend (1922-1996). Ein amüsantes Detail zu Rosa Häcki: Nach ihrer Wahl musste im Sarner Rathaus eine erste Damentoilette eingebaut werden.

Hinweis

Das Grossprojekt «Hommage 2021 – 50 Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht» geht am Bundesplatz vom 7. bis 16. Februar 2021 über die Bühne. Infos dazu auf www.hommage21.ch