Hotellerie
Gästezahlen in Obwaldner Hotels haben sich halbiert

2020 mussten die Hoteliers in Obwalden coronabedingt einen Rückgang der Gäste um satte 49 Prozent hinnehmen. Am härtesten traf es Engelberg. Die Regierung will zusätzliche Mittel vom Bund.

Philipp Unterschütz
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Engelberg muss 2020 einen Rückgang von 56 Prozent der Logiernächte verkraften.

Engelberg muss 2020 einen Rückgang von 56 Prozent der Logiernächte verkraften.

Bild: Obwaldner Zeitung

Im Jahr 2020 verzeichnete die Obwaldner Hotellerie rund 325'000 Logiernächte. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer Abnahme von 49 Prozent, wie die vom Bundesamt für Statistik (BFS) veröffentlichte Beherbergungsstatistik 2020 zeigt. Die Tourismusregion Luzern-Vierwaldstättersee, die auch den Kanton Obwalden beinhaltet, verzeichnete einen Logiernächterückgang von rund 45 Prozent. Insgesamt sanken die registrierten Logiernächte in der Schweiz 2020 auf 23,7 Millionen (–40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). So tief waren die Werte zuletzt Ende der 1950er-Jahre. Die Massnahmen des Bundesrats vom März 2020 hatten einen regelrechten Nachfrageeinbruch zur Folge.

Der Logiernächterückgang in der Region sei vor allem aufgrund der stark rückläufigen ausländischen Nachfrage entstanden (–75 Prozent), schreibt der Kanton in einer Mitteilung. Danach sind die Anzahl Hotelbetriebe und Betten im Kanton Obwalden bis Dezember 2020 etwa auf dem gleichen Niveau wie 2019 geblieben. Am wenigsten stark zurückgegangen sind die Logiernächte von Gästen aus der Schweiz (–7 Prozent), am stärksten die Logiernächte von Gästen aus Asien (–94 Prozent). Um 48 Prozent gesunken ist die Nachfrage von Gästen aus dem europäischen Kontinent. Nur die Kantone Genf, Zürich, Basel-Stadt, Luzern und Zug verzeichneten einen verhältnismässig stärkeren Rückgang bei den Logiernächten.

Der grosse Verlierer ist Engelberg

Im Sarneraatal sind die Logiernächte von Hotels im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent gesunken. Die Gäste aus der Schweiz sind im Sarneraatal etwa auf dem gleichen Niveau wie 2019 geblieben (–2 Prozent). In Engelberg sind die Logiernächte der Hotellerie hingegen im Vergleich zum Vorjahr um 56 Prozent gesunken. Auch die Bettenauslastung hat sich mehr als halbiert. Besonders ins Gewicht gefallen ist der starke Rückgang der Gäste aus Asien (–93 Prozent). Das Ausbleiben der asiatischen Gäste konnte Engelberg nicht mit Gästen aus der Schweiz (–13 Prozent) oder Europa (–38 Prozent) kompensieren.

Im Gegensatz zu den Hotels haben die Campingbetriebe in Obwalden von der ausserordentlichen Lage profitiert und durchschnittlich 20 Prozent mehr Logiernächte gegenüber 2019 verzeichnet.

Kanton fordert Mittel aus der «Bundesratsreserve»

Obwalden ist als Tourismuskanton von den Massnahmen des Bundes zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie besonders stark betroffen. Wie es in der Mitteilung des Kantons weiter heisst, habe Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler zusammen mit den beiden Obwaldner Bundesparlamentariern deshalb den Bundesrat bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass der aktuelle Verteilschlüssel der Bundesmittel für die Covid-19-Härtefallmassnahmen die Tourismuskantone massiv benachteilige. Dieser Verteilschlüssel basiert zu zwei Dritteln auf dem BIP und zu einem Drittel auf der Einwohnerzahl. Ein neuer Bundesratsvorschlag lautet nun, dass das Parlament eine zusätzliche Milliarde als sogenannte «Bundesratsreserve» für besonders betroffene Kantone freigeben und der Bundesrat den Verteilschlüssel dazu neu festlegen soll. Daniel Wyler will sich dafür einsetzen, dass der Kanton zusätzliche Mittel aus dieser «Bundesratsreserve» für die Covid-19-Härtefallmassnahmen erhält.