Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Sportmittelschule Engelberg: «Ihr wisst, was es heisst, zu beissen»

Strahlende Gesichter bei der Premiere der gemeinsamen Matura- und Lehrabschlussfeier der Sportmittelschule. Alle 20 Absolventen der Maturaklasse und alle Kaufleute haben den Gipfel erklommen.
Ruedi Wechsler
Aline König, die klassenbeste Maturae mit der Note 5,46, erhält ihr Zeugnis von Bildungsdirektor Franz Enderli. (Bilder: Ruedi Wechsler, Engelberg, 29. Juni 2018)

Aline König, die klassenbeste Maturae mit der Note 5,46, erhält ihr Zeugnis von Bildungsdirektor Franz Enderli. (Bilder: Ruedi Wechsler, Engelberg, 29. Juni 2018)

Thomi Heiniger, Schulischer Leiter der Sportmittelschule Engelberg, eröffnete am vergangenen Freitag die Feier mit den Worten: «Auf zu neuen Horizonten und Herausforderungen für alle Absolventen. Eine erste schwierige Bergtour ist geschafft und der erste grosse Gipfel erklommen. Ihr wisst alle zu gut, was es heisst, zu beissen.»

Die Schüler stehen jetzt am Scheideweg. Wohin führt die Reise? Die meisten Schulabgänger bleiben beim Sport oder beginnen ein Studium. «Der von euch eingeschlagene Weg muss euer eigener sein. Viele Wegweiser links und rechts können euch den Weg weisen, aber den Weg finden müsst ihr selber», meinte Thomi Heiniger. Mit dem Rucksack von der Sportmittelschule sind alle Absolventen für die berufliche und sportliche Zukunft bestens vorbereitet. Im Gepäck sind eine grosse Portion Ehrgeiz, viel Motivation, Leistungsbereitschaft, Disziplin, Teamgeist, Humor und Flexibilität.

Enderli: Vernunft soll mehr zum Ausdruck kommen

Auch Bildungsdirektor Franz Enderli begibt sich auf zu neuen Horizonten. Die Maturafeier war nämlich seine allerletzte Amtshandlung nach neun Jahren Regierungstätigkeit. Zu Beginn seiner Ansprache meinte er: «Heute feiern wir nicht die sportliche Leistung, sondern die Ausbildung an der Sportmittelschule. Als ich genau vor zwei Wochen an die Maturafeier der Stiftschule nach Engelberg fuhr, bekam ich in Stans eine SMS. Ich konnte es nicht lassen, und da stand doch tatsächlich geschrieben: alle haben die Maturitätsprüfung bestanden.» Die freudige Nachricht versüsste ihm den Weg nach Engelberg.

Die Sportmittelschule hat sich weiterentwickelt und strahlt weit über Obwalden hinaus. So meinte Enderli: «Ihr Schüler seid Botschafter dieser Institution und von Engelberg». Der Spitzensport sei geprägt von den Medien. Sie vermitteln Glanz und Gloria oder Absturz und Skandale. Es werde über Medaillen und Podestplätze, oder Dopingskandale und Doppeladler berichtet. Regierungsrat Franz Enderli zeigte sich überzeugt, dass alle Jubilare ein differenzierteres Bild vom Spitzensport hätten. Formtiefs, Verletzungen und Rückschläge gehörten zu einem Spitzensportler und seien nicht im Fokus der Öffentlichkeit. An der Fussball-WM in Russland werde zu viel von Emotionen gesprochen. «Mir ist nicht ganz wohl dabei, wenn nur noch Emotionen im Vordergrund stehen.» Ein Gefühlszustand oder seelische Erregung gehöre zum Leben. Der Mensch habe aber auch eine andere Seite. «Er hat eine Ratio, also Vernunft, und diese sollte vermehrt zum Ausdruck kommen.» Die Vernunft gebe Gegensteuer zu den Emotionen.

Schon im Altertum gehörten Körper und Geist zusammen. Die Olympischen Spiele im alten Griechenland hätten ihn schon immer fasziniert, so Enderli weiter. Die damals gemeinsamen Wettkämpfe in Sport, Literatur, Kunst und Musik seien ein Symbol für die Sportmittelschule Engelberg, die in der Schweiz ein einmaliges Erfolgsmodell sei.

Drei Absolventen teilen sich den zweiten Rang

Die Übergabe der Zeugnisse an die 15 Maturi/Maturae und die fünf Kaufleute mit eidgenössischem Fachausweis durch Franz Enderli war natürlich der Höhepunkt der Feier. Aline König hat sich als Klassenbeste mit einer 5,46 gleich selber die Krone aufgesetzt. Im zweiten Rang klassierten sich drei Absolventen mit der Note 5,1: Wendelin Gauger, Patrick Marbacher und Nora Schweizer. KV-Absolvent Marco Kohler landete mit einer glatten 5 auf dem ersten Platz.

Sie haben erfolgreich abgeschlossen
Maturae/Maturi: Céline Silvia Arnold, Unterschächen, Langlauf. Robin Bissig, Isenthal, Ski alpin. Yannick Bissig, Schattdorf, Ski alpin. Ariane Burri, Eschenbach, Snowboard Freestyle. Yannick Chabloz, Beckenried, Ski alpin. Lukas Erwin Ehrler, Küssnacht, Snowboard Freestyle. Anja Fischer, Engelberg, Biathlon. Wendelin Elia Gauger, Schwyz, Snowboard Freestyle. Niklas Hartweg, Wollerau, Biathlon. Aline König, Giebenach, Biathlon. Patrick Marbacher, Schüpfheim, Langlauf. Andri Ragettli, Flims-Waldhaus, Freeski. Nora Sophie Schweizer, Münsingen, Ski alpin. Gian Andrea Sutter, Pfäffikon, Snowboard Freestyle. Alexandra Walz, Schlieren, Ski alpin. Kaufleute EFZ: Katja Bieri, Zweisimmen, Langlauf. Nayan Erni Horw, (Ex-)Ski alpin. Lorenz Hausheer, Unterägeri, (Ex-)Ski alpin. Michelle Kobelt, Wald, (Ex-)Ski alpin. Marco Kohler Meiringen, Ski alpin.

Patrick Marbacher, Nora Schweizer, Wendelin Gauger, Aline König, Andri Ragettli und Marco Kohler.

Patrick Marbacher, Nora Schweizer, Wendelin Gauger, Aline König, Andri Ragettli und Marco Kohler.

So freuen sich die Bestklassierten und der Olympia-Teilnehmer

Marco Kohler (Kaufleute, Note 5): Für den Skifahrer aus Meiringen war von Anfang an ein zweites Standbein zentral. Der kurze Weg von Meiringen nach Engelberg erleichterte ihm den Entscheid, sich in dieser Schule einzuschreiben. «Die Selbstständigkeit und die Lebensschule hier oben finde ich grossartig. Wirtschaft und Informatik waren für mich sehr interessant. Die Kommunikation und die Zusammenarbeit zwischen Schule und Sport macht die Sportmittelschule so einzigartig», schwärmt der Haslitaler. Der Slalomspezialist liebt auch die Speed-Disziplinen, er befindet sich momentan im C-Kader. Kohler kommt von einer Verletzung zurück und möchte in der nächsten Saison im Europacup für Furore sorgen. Aksel Lund Svindal ist sein grosses Vorbild. Er sei ein abgeklärter Skifahrer und wisse immer genau, was zu tun sei.
Patrick Marbacher (Maturi, Note 5,1): «Ich versuchte immer, am Ball zu bleiben und habe auch nach Absenzen immer alles sofort aufgearbeitet. Chemie, Biologie und Physik zählten zu meinen Lieblingsfächern». Der Langläufer aus Schüpfheim fliegt im August nach Alaska. Dort studiert er in Fairbanks Biologie, trainiert im Uni-Team und bestreitet im Winter Wettkämpfe. Der Spass am Langlauf hat erste Priorität, obwohl das Swiss-Ski-Team wohl ein Traum bleiben wird.
Wendelin Gauger (Maturi, Note 5,1): «Weil ich im Kader des ZSSV trainierte, führte mich der Weg von Schwyz nach Engelberg. Der Zusammenhalt in der Klasse war cool und wir konnten trainieren, wann wir wollten». In den Fächern Mathe und Physik fühlte sich Wendelin besonders wohl und Englisch zählte ebenso zu seinen bevorzugten Fächern. «Durch meine Begabung fiel mir das Lernen relativ leicht». Nun versuche ich es als Profi im Snowboard Freestyle. Mein Vorbild ist Jonas Bösiger», sagt er.
Nora Schweizer (Maturae Note 5,1): Nora aus Münsingen hat vor allem in ihre Stärken (Wirtschaft) investiert. Zur Sportmittelschule meint Nora: «Ich schätze besonders die vielen Freundschaften, die hier in Engelberg entstanden sind. Nicht nur in der Schule sondern auch im Sport haben wir viel gemeinsam erlebt. Die kurzen Wege zu den Trainings waren ideal». Sie versucht nach zwei Kreuzbandrissen den Aufstieg ins C Kader zu schaffen. Eventuell beginnt die Skirennfahrerin im Frühling ein Fernstudium in Psychologie. Die Pisten in Davos zählen zu den Lieblingstrecken der Bernerin.
Aline König (Maturae Note 5.46): «Nach guten Vornoten machte ich mir keinen allzu grossen Druck. Dass ich gleich Klassenbeste werde, habe ich nicht gedacht». Die Biathletin aus Giebenbach bevorzugte die Fächer Wirtschaft und Deutsch. Aline zügelte bereits vor einer Woche in die Lenzerheide in eine WG in der Biathlon-Arena. Im September beginnt dann das Fernstudium in Jus. Abschliessend meint Aline, die sehr gerne liest: «Meine Eltern waren begeisterte Langläufer in einem Verein. Da hatte es ältere Jungs, die Biathlon betrieben und sie haben mich dann für diesen Sport animiert».
Andri Ragettli, der Olympia-Teilnehmer im Freeski 2018: Andri kam mit knapp 14 Jahren von Laax nach Engelberg, weil die besten Freeskier schon hier weilten. Er zweifelte keinen einzigen Tag an seinem Entscheid, obwohl einige Kollegen den Kopf geschüttelt hätten. Er hätte ja in das nahe gelegene Davos wechseln können. Andri meint dazu: «Ich bin unglaublich dankbar, ein Teil dieser Schule zu sein. Für mich ist es in der Schweiz die beste Schule und es war für mich ein Privileg, hier sein zu dürfen». Eine extrem wichtige Lektion für Andri war, dass Olympische Winterspiele eigentlich ganz normale Wettkämpfe sind. «Sie unterscheiden sich durch überhaupt nichts vom Weltcup. Alle reden aber auf dich ein und man steht im Rampenlicht.» Andri hatte Mühe mit Einschlafen und er galt als Topfavorit. Schlussendlich wurde es ein guter siebter Rang in Pyeongchang. Er will sich sportlich auf konstant hohem Niveau halten und den Weltcupsieg wiederholen. Via Social Media möchte Andri weltbekannt werden. (ruw)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.