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Lungerer Gleitschirmpilot : «Im Moment habe ich Angst vor der Angst»

Gleitschirmfliegen ist seine Passion. Der Lungerer Simon Halter stürzte vor zehn Monaten bei diesem Sport praktisch ungebremst in ein Bachtobel in Wolfenschiessen. Er überlebte mit schweren Verletzungen. Noch sind nicht alle Operationen überstanden.
Sepp Odermatt
Simon Halter zu Hause in Lungern: «Mir geht es sehr gut, ich muss mich einfach in Geduld üben.» (Bild: Sepp Odermatt (23. Juni 2018))

Simon Halter zu Hause in Lungern: «Mir geht es sehr gut, ich muss mich einfach in Geduld üben.» (Bild: Sepp Odermatt (23. Juni 2018))

Es ist ein wunderschöner Herbstnachmittag, wir schreiben Freitag, den 8. September 2017. Simon Halter aus Lungern fährt mit seinem Roller ins Engelbergertal. Seine grosse Leidenschaft ist das Gleitschirmfliegen. Wie immer geniesst der junge Obwaldner die fantastische Natur und das befreiende Gefühl der Lüfte. Nichts ahnend endet der Flug des heute 30-Jährigen mit einem schrecklichen Unfall. Simon Halter erzählt: «Das Seil, in das ich geflogen bin, ist nur einen Zentimeter dick. Das kannst du unmöglich sehen.» Sein Sturz aus rund siebzig Metern in die Tiefe hat schwerwiegende Folgen. Polizei und Rettungskräfte sind schnell vor Ort.

Die Kantonspolizei Nidwalden schildert den Unfall am Tag darauf mit diesen Worten: «Am Freitag zirka 14.15 Uhr ist im Ortsteil Altzellen ein Gleitschirmpilot abgestürzt. Dabei hat sich der Mann beim Aufprall in unwegsamem Gelände schwerste Verletzungen zugezogen und ist mit der Rega in kritischem Zustand in ein umliegendes Spital geflogen worden. Er hielt sich mit seinem Fluggerät längere Zeit westlich der Walenstöcke auf. In der Folge kollidierte der Gleitschirm im Gebiet Oberenglerz mit einem Heuseil. Dabei rissen die Leinen des Schirms und der Pilot, der Helm und angemessene Bekleidung trug, fiel praktisch ungebremst zirka 60 bis 70 Meter in ein bewaldetes Bachtobel. Beim Aufprall auf dem Boden zog er sich schwerste Verletzungen am ganzen Körper zu. Weil der Absturz von aufmerksamen Personen beobachtet werden konnte, gelang es relativ schnell, den Verunfallten im unübersichtlichen und steilen Gelände aufzufinden. Die Bergung erwies sich als äusserst schwierig, da sich die Unfallstelle direkt unter dem Heuseil befand und der Gleitschirmpilot nur mittels Rettungswinde mit 50 Metern Seillänge geborgen werden konnte.»

Zweieinhalb Wochen in Tiefschlaf versetzt

Der Verunfallte wird ins Kantonsspital Luzern gebracht und kommt auf die Intensivstation. Vater Alfred Halter sagt: «Nachdem wir benachrichtigt wurden, standen wir unter Schock. Deshalb brachte Simons Bruder meine Frau und mich nach Luzern. Die Fahrt kam uns unendlich lange vor.» Im Spital wurde für den Verunfallten das Bestmögliche getan. Ein schweres Schädelhirntrauma, eine fast zerstörte Lunge als Folge von Rippenbrüchen und mehrere offene Brüche an Armen und Beinen müssen während eines zweieinhalbwöchigen Tiefschlafs behandelt werden. Alfred Halter erinnert sich: «Nach einer Woche Hoffen und Bangen gaben die Ärzte positiven Bescheid. Simon hat überlebt – dank seinem sportlich trainierten Körper und seinem Willen. Wir waren sehr glücklich und erleichtert.»

Weihnachten konnte er zu Hause verbringen

In Lungern hat sich der Unfall schnell herumgesprochen. Die Familie erlebt im Dorf eine unglaubliche Solidarität und ist sehr dankbar dafür. In einem Inserat dankte Simon Halter, dass viele Personen und Organisationen dazu beigetragen hätten, «dass ich Weihnachten im Kreise meiner Familie erleben und feiern durfte». In den Dank schloss er auch die Belegschaft der Rehaklinik in Bellikon ein, in welche er nach einem Monat auf der Intensivstation verlegt wurde. Er müsse hier diverse Therapien über sich ergehen lassen und mache dabei grosse Fortschritte, erklärt Simon Halter, der seit Dezember jeweils das Wochenende bei seinen Eltern zu Hause verbringen darf. Die eigene Wohnung habe er nur ungern aufgeben müssen.

Arbeitgeber unterstützt ihn grosszügig

Mit seinem Arbeitgeber, der ISS Kanal Services AG, hat Simon Halter glücklicherweise eine Firma, die ihn unterstützt und ihm hilft, wo sie kann. Sie hat grünes Licht gegeben für die Unfallrehabilitation und ein Programm zur Eingliederung in die Arbeitswelt. Das ist für Simon ein grosses Glück. Sein Vater erklärt: «Unser Sohn muss noch längere Zeit in Bellikon bleiben und macht im Moment eine berufsorientierte Ergotherapie. Zwischenzeitlich stehen noch zwei weitere Operationen am Ellbogen und an der Hüfte an.»

Simon Halter sagt heute, neun Monate nach dem Flugunfall: «Mir geht es gut, ja sogar sehr gut. Ich muss mich einfach in Geduld üben. Das ist für mich als Bewegungsmensch recht schwierig.» Der Gleitschirmflieger und Bergläufer ist jedoch voller Zuversicht. Ihm ist erneut bewusst geworden, dass sein Hobby eine gewisse Risikobereitschaft verlangt. Möchte er wieder mal fliegen? «Ich habe grossen Respekt vor dem Gleitschirmfliegen. Eines Tages möchte ich aber mit einem Tandemflug herausfinden, wie es mit meiner Angst steht. Im Moment habe ich Angst vor der Angst.» Der Naturliebhaber kann zum jetzigen Zeitpunkt einige Meter selbstständig laufen und sich etwa drei Stunden einigermassen konzentrieren. Er möchte später wieder arbeiten können und in der Freizeit einfache Wanderungen unternehmen. Dabei hoffe er auf seine Geduld. Der Familie und allen lieben Menschen, die ihn nicht im Stich gelassen hätten, sei er sehr dankbar.

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