Im Repair Café Sarnen erhält Kaputtes ein längeres Leben

Vom geliebten Spielzeug bis zum Keyboard: Im Repair-Café brachten findige Tüftler zahlreiche Gegenstände auf Vordermann.

Marion Wannemacher
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Daniel Britschgi (Mitte) und Edi Müller reparieren den Traktor von Sonja Krummenachers Sohn.

Daniel Britschgi (Mitte) und Edi Müller reparieren den Traktor von Sonja Krummenachers Sohn.

Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 7. März 2020)

Sonja Krummenacher aus Sarnen strahlt. Daniel Britschgi lässt den Spielzeug-Traktor ihres Sohnes Leon zur Probe auf sie zufahren. Er rollt wieder. «Ein Zahnrädchen im Motor hat geklemmt. Ausserdem war die Achse nicht mehr gerade.» Der Traktor war genietet und musste aufgebohrt werden, um an den Motor zu kommen. Insgesamt eine Stunde hat die Aktion Britschgi und seinen Kollegen Edi Müller gekostet – schwer bezahlbar, müsste man ihre Arbeit entlöhnen. Doch im Repair-Café Sarnen in der Aula Cher kümmern sich Fachleute ehrenamtlich darum, allenfalls gegen Erstattung der Materialkosten.

Nach der erfolgreichen Premiere vom letzten November findet das Repair-Café nun zum zweiten Mal in Sarnen statt. Der Verein Natur und Umwelt Ob-/Nidwalden organisiert und führt den Anlass seit 2018 jeweils im Frühjahr und Herbst in Stans durch. Im vergangenen Jahr sei die Gemeinde Sarnen als Energiestadt nun auf ihn zugekommen, freut sich Michael Wanner, Geschäftsführer des Vereins.

Dreijährige Pilotphase für Repair-Cafés

Eingebettet ist das Konzept der Repair-Cafés in eine schweizweite Kampagne. In Ob- und Nidwalden läuft das Projekt erst mal für drei Jahre. Vom Sinn der Aktion sind alle jetzt schon überzeugt; Reparateure, Veranstalter und «Kunden». «Das Projekt schont Ressourcen und gibt den Gegenständen eine verlängerte Lebensdauer», führt Michael Wanner aus. «Ausserdem soll es Impuls sein für eine Reparatur-Kultur auch während des ganzen Jahres. Man kann schon beim Kauf darauf achten, ob sich ein Gerät reparieren lässt.»

Das sieht Sonja Krummenacher genauso. Die Mutter zweier Kinder sammelt in einer Kiste kaputte Gegenstände. «Es ist mir wichtig, die Sachen so lange zu nutzen, wie es geht», sagt sie. «Wir versuchen, nachhaltig zu leben und den Kindern beizubringen, sich um die Sachen zu kümmern und sie nicht einfach zu ersetzen, wenn sie kaputt sind. So entwickeln die Kinder eine Wertschätzung.» Aus dem Haus Krummenacher landen noch mehr Gegenstände auf den Tischen der Reparateure, unter anderem eine 25 Jahre alte Metall-Teekanne für eine Spielküche. «Mit der habe ich schon gespielt, jetzt ist der Henkel locker», sagt Sonja Krummenacher. «Man merkt einfach, dass Sachen aus Holz und Metall langlebiger und besser zu reparieren sind als Plastik», stellt sie fest.

Etwa 50 bis 60 Prozent aller Gegenstände können die Fachleute laut Michael Wanner reparieren. Das zeigen die Erfahrungen der bisherigen Repair-Cafés. Beim letzten Sarner Repair-Café wurden 90, in Stans sogar 120 Objekte abgegeben. Dazu zählten vor allem Elektro- und Elektronikgeräte sowie Textilien, aber auch vereinzelt Spielsachen, Regenschirme oder Koffer. «Manchmal hilft der Blick des Fachmanns auch einfach bei der Entscheidung, sich von einem Gegenstand zu trennen, wenn dieser nicht mehr zu reparieren ist. Oder der Besucher spart beispielsweise das Geld für eine Offerte und erhält den Rat, dass es sich lohnt, die Kaffeemaschine in die Profi-Reparatur geben», erklärt Wanner.

Im Moment ist jedoch nicht ganz so viel los. Vielleicht habe der Corona-Virus die Leute verunsichert, ob der Anlass überhaupt stattfinde, mutmasst Wanner.

«Was der eine nicht weiss, weiss der andere»

Die Mittagspause ist eine gute Gelegenheit für die zehn Reparateure und zwei Textilfachfrauen, sich auszutauschen. Die meisten von ihnen sind vom Fach, manche bereits pensioniert. Sie setzen neben ihrem Know-how auch ihre eigenen Werkzeuge und Materialien ein. Die Freude am Reparieren ist allen gemeinsam. «Daheim repariere ich alles Mögliche», erzählt Fritz Kempf aus Sachseln. Er schätzt das Repair-Café. «Es ist schön, unter Leute zu gehen», sagt er. «Was der eine nicht weiss, weiss der andere.»

Hansruedi Leu betont: «Man kann sehr viel voneinander profitieren und lernt, neue Probleme zu lösen.» Edi Müller aus Hergiswil spricht von einem «Erfolgserlebnis, wenn der Bub wieder mit seinem Traktor spielen kann». Und Emil Kathriner fügt an: «Im Prinzip sind wir alle Idealisten.» Damit spricht er allen aus dem Herzen.