Im Restaurant Dörfli in Kägiswil werden künftig Pflastersteine verkauft

Seit dem Sommer 2017 ist das Restaurant Dörfli in Kägiswil geschlossen. Nun soll der Platz wieder mit Leben gefüllt werden.

Markus Villiger
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Christian Joller (Technische Leitung, links) und Priska Langensand (Administration) freuen sich heute schon auf die neuen Arbeitsräume im ehemaligen Restaurant Dörfli. Rechts im Bild Lorenz Bürgi, Miteigentümer der Bürgi Immobilien AG.

Christian Joller (Technische Leitung, links) und Priska Langensand (Administration) freuen sich heute schon auf die neuen Arbeitsräume im ehemaligen Restaurant Dörfli. Rechts im Bild Lorenz Bürgi, Miteigentümer der Bürgi Immobilien AG.

Bild: Robert Hess
(Kägiswil, 3. August 2020)

Nach vielen Versuchen im Gastro-Bereich wird es nun schliesslich zu einer Umnutzung kommen. Das Mehrfamilienhaus mit dem Restaurant und sechs Wohnungen im Zentrum von Kägiswil wurde 1987 von der Bürgi Immobilien AG erstellt. Bei den Wohnungen wird es zu keinen Änderungen kommen. Lediglich die Balkone werden einer Sanierung unterzogen.

Auf die Frage, warum seinerzeit in diesem Neubau ein Restaurant gebaut wurde, führte Lorenz Bürgi, Miteigentümer der Bürgi Immobilien AG, im Gespräch mit unserer Zeitung aus: «Es war sicher ein idealer Ort für einen Treffpunkt am Dorfplatz und neben der Kirche. Schliesslich kam auch die Auflage von der damaligen Bezirksgemeinde Kägiswil, in diesem Haus ein Restaurant zu eröffnen.» Zudem: Der Firmeninhaber der Bürgi Immobilien AG, Hermann Bürgi, ist in Kägiswil aufgewachsen und konnte den Wunsch der Bezirksgemeinde nach einem Restaurant im Dörfli, gleich neben der Kirche, verstehen. Dies für gesellschaftliche Zusammenkünfte und Treffen der Bevölkerung.

Während vieler Jahre lief der Restaurantbetrieb gut. Die rund 90 Plätze im Restaurant, im Säli und im Freien waren teilweise stark frequentiert. Es zeigte sich während Jahren, dass das Restaurant einem echten Bedürfnis entsprach.

Doch der in den vergangenen Jahrzehnten eingetretene Kulturwandel sowie das Restaurantsterben machten es für die letzten Pächter immer schwieriger, das «Dörfli» gewinnbringend zu betreiben, und es kam zu mehreren Mieterwechseln.

170 Quadratmeter werden umgenutzt

Nach drei Jahren Leerstand wurde schliesslich beschlossen, das gesamte Erdgeschoss mit einer Fläche von 170 Quadratmetern für Büros umzunutzen. Die neue Mieterin ist die Guber Natursteine AG. «Wir sind sehr glücklich mit dieser Lösung und sind überzeugt, dass die Guber Natursteine AG mit ihrem starken Bezug zu Kägiswil sehr gut an diesem Ort passt. Mit der Erweiterung und dem neu erschlossenen Abbaugebiet werden im Guber nun ja auch Kägiswiler Steine abgebaut. Die neue Nutzung füllt den Platz wieder mit Leben, das ist sehr erfreulich», betont Lorenz Bürgi. Als Verwaltungsratspräsident und Mitinhaber der Guber Natursteine AG findet er damit die perfekte Lösung für das Bedürfnis nach mehr Büroplätzen des lokalen Betriebs und das «Dörfli».

Die dafür notwendige Baubewilligung erwartet Lorenz Bürgi Ende Sommer. Mit den Umbauarbeiten und Einrichtungsarbeiten soll im Herbst begonnen werden. Sie werden rund drei Monate in Anspruch nehmen. Der Bezug der neuen Büros ist auf Anfang des Jahres 2021 vorgesehen. Die Investitionen werden auf 500'000 bis 700'000 Franken beziffert.

Traditionsfirma seit 1904

Die im Jahr 1904 von Giovanni Toneatti und Jacques Hösli gegründete Firma Steinbruch Guber erlebte in den vergangenen Jahrzehnten eine wechselvolle Geschichte. Während Jahrzehnte wurde die Alpnacher Unternehmung als Tochtergesellschaft der damaligen Stuag, Solothurn, geführt. Viele Strassen, Gassen und Plätze in der Schweiz wurden mit dem qualitativ hochstehenden Quarzsandstein gepflästert. In der Hochblüte beschäftigte die Unternehmung bis zu 200 Mitarbeiter. Viele davon waren Gastarbeiter aus Italien. Durch die Rezession in den 70er-Jahren und die Konkurrenz günstiger Pflastersteine aus dem Ausland war ein Arbeitsplatzabbau nötig, sodass es 1978 nur noch 30 Beschäftigte gab. Schliesslich wurde im Jahr 1986 der Betrieb eingestellt. 1987 wurde die heutige Guber Natursteine AG gegründet und beschäftigt seitdem hauptsächlich Mitarbeiter aus Portugal. 2002 eröffnete der Verband Schweizerischer Pflästerermeister im Steinbruch Guber ein Ausbildungszentrum. Im Jahr 2019 beschäftigte das Unternehmen 57 Mitarbeiter und produzierte rund 12'000 Tonnen Pflastersteine.

Zur Weiterverarbeitung werden die Steine gespalten, gesägt und auch geflammt. Das fertige Produkt wird im Innen- und Aussenbereich eingesetzt; als Pflastersteine sowie geflammte und polierte Platten. Trotz der maschinellen Fertigung der vielfältigen Produkte ist weiterhin viel Handarbeit erforderlich.

Die Guber Natursteine AG ist noch die einzige Unternehmung in der Schweiz, die Pflastersteine produziert. Die hohe Steinqualität dieses Schweizer Produktes, wie Frost- und Tausalzbeständigkeit, Rutschsicherheit sowie die grosse Härte und Druckfestigkeit geben der Bauherrschaft den entscheidenden Grund für den Einbau. Ebenso sind die genaue Oberflächenbeschaffenheit, die einzigartige Farbe und die Nachhaltigkeit des lokalen Naturproduktes der Grund, um den Guberstein zu wählen. Zur Zeit wird der Kapellenplatz in Wilen bei Sarnen neu gepflästert. Weitere Referenzobjekte sind in vielen Altstädten der Schweiz wie Luzern, Basel, Zürich und Einsiedeln zu finden.

Von Alpnach nach Kägiswil

Noch bis zum Umzug arbeiten das Büropersonal und die technische Abteilung in den Büroräumen der Besitzerfirma Bürg Holding AG in Alpnach Dorf. Die acht Arbeitsplätze zügeln Anfang des nächsten Jahres von Alpnach Dorf nach Kägiswil ins Dörfli. Der Name Dörfli hat seit über drei Jahrzehnten Tradition und sollte so auch in der neuen Funktion erhalten bleiben.