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Im Spital Sarnen haben Hebammen das Sagen und werden ausgezeichnet

Das Kantonsspital ist schweizweit erst das zweite mit dem Label «hebammengeleitete Geburt». Gestern verlieh der Schweizerische Hebammenverband die Anerkennung an die geburtshilfliche Abteilung der Frauenklinik.
Marion Wannemacher
Von links: Esther Waser, Leiterin Hebammen und Pflege, Hebamme Franziska Kaufmann und Barbara Stocker, Präsidentin des Schweizerischen Verbandes. (Bild: Boris Bürgisser (Sarnen, 13. Juni 2019))

Von links: Esther Waser, Leiterin Hebammen und Pflege, Hebamme Franziska Kaufmann und Barbara Stocker, Präsidentin des Schweizerischen Verbandes. (Bild: Boris Bürgisser (Sarnen, 13. Juni 2019))

«Wir führen durch die hebammengeleitete Geburt, das Geburtshaus und das Spital, Natürlichkeit und Sicherheit zusammen», betont Spitaldirektor Andreas Gattiker. Für ihn sei es ein Tag der Freude. Das Team der geburtshilflichen Abteilung der Frauenklinik ist in Feierlaune. Seit mehr als zwei Jahren können Frauen im Kantonsspital Obwalden (KSOW) hebammengeleitet gebären, gestern erteilte der Schweizerische Hebammenverband die Anerkennung.

Was das bedeutet, erklärt Esther Waser, Leiterin Hebammen und Pflege: «Die Frau wird von Anfang bis Schluss von der Hebamme begleitet, ohne ärztliche Begleitung, wenn das der Geburtsverlauf zulässt, so lange alles physiologisch, also normal, abläuft.» Die Vorteile für die Gebärende liegen auf der Hand: «Sie kennt die Hebamme bereits von der Vorsorge und wird von ihr eins zu eins betreut», sagt Barbara Stocker, Präsidentin des Schweizer Hebammenverbands. «Eine Geburt läuft am besten ab, wenn sie in Ruhe und Geborgenheit stattfindet, wenn der ganze Hormonkreislauf der Frau möglichst ungestört ist», erklärt Hebamme Franziska Kaufmann. Sie sagt:

«Jede Geburt ist etwas Intuitives, etwas Instinktives, je kleiner der Betreuungsrahmen, desto weniger Störungen gibt es und desto mehr Vertrauen herrscht, und das Paar kann loslassen und die Frau auf sich hören.»

Ziel ist also, dass das Geburtshelferteam so wenig wie möglich in den natürlichen Geburtsprozess eingreift. Natürlich geborene Kinder adaptierten sich besser, ergänzt CEO Gattiker. Brigitte Weber kann das aus ihrer Sicht als Chefärztin der Frauenklinik nur bestätigen: «Es ist gut, dass es den Kaiserschnitt gibt, doch nur wenn es ihn braucht. Der Kaiserschnitt bedeutet immer noch ein höheres Risiko als die Spontangeburt für die Mutter, obwohl er als sehr sicher gilt.»

Immerhin: Hat in der Schweiz 2017 jede dritte Frau mit Kaiserschnitt entbunden, ist es in Obwalden nur jede fünfte. 13 Hebammen kümmern sich im KSOW um die Gebärenden, zwei von ihnen arbeiten im Beleghebammensystem. 347 Kinder kamen 2017 in Sarnen auf die Welt. Von 28 Geburten im Mai dieses Jahres wählten bei zwölf die werdenden Eltern die hebammengeleitete Geburt.

Kurze Wege ermöglichen schnelles Einschreiten

Falls es nötig werden sollte, ist die Sicherheit gegeben. Brigitte Weber lobt die kurzen Wege im kleinen Spital in Sarnen. «Ein Kaiserschnitt ist hier innerhalb von zehn Minuten möglich», sagt sie. Vertrauen brauche es nicht nur zwischen Eltern und der Hebamme, die die Geburt begleite, sondern zwischen den Hebammen und den Ärzten der Frauenklinik, betont Chefärztin Weber. Sie trage am Ende die Verantwortung. Vor allem um gute Kommunikation geht es in der Zusammenarbeit. Welche Massnahmen während der Geburt sind wirklich nötig, was passiert, wenn viele Geburten auf einmal zu bewältigen sind? «Es sind die strukturellen Gegebenheiten, die besprochen werden müssen», erklärt Barbra Stocker vom Verband die inhaltlichen Schwerpunkte, die bis zur Anerkennung geklärt werden mussten.

In Skandinavien, England und Deutschland gibt es die hebammengeleitete Geburt bereits. In der Schweiz steht diese Entwicklung noch am Anfang. Über ein Jahr hat das Hebammenteam an der Erfüllung aller Aufgaben gearbeitet. Nach dem Triemli Spital in Zürich hat es nun auch seine Anerkennung erhalten. «Es steckt eine enorme Arbeit dahinter, es ist eine reife Leistung», lobt Spitaldirektor Gattiker.

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