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Kolumne

In aller Freundschaft

Kolumnist Romano Cuonz schreibt in seinem «Ich meinti» über eine TV-Serie einer Klinik und die medizinische Wirklichkeit.
Romano Cuonz
Romano Cuonz.

Romano Cuonz.

Auf vieles kann meine Frau im Fernsehen gut auch einmal verzichten, einzig die wöchentliche Serie mit den nachgerade genialen Ärzten der Leipziger Sachsenklinik - Dr. Heilmann, Dr. Globisch, Dr. Brenner, und wie sie alle heissen - steht unverrückbar auf ihrem Programm! Ich kann sie verstehen: Es ist doch wirklich wunderbar, wie kompetent und dazu auch noch sehr persönlich sich Spitzenchirurgen dort um jede Patientin, jeden Patienten, kümmern. Fast noch märchenhafter ist, wie sie – trotz sichtbarem Stress – in geradezu rührender Freundschaft zueinander Sorge tragen! Bedenkt man jetzt auch noch, dass die Fehlerquote bei ihren Diagnosen und den meist sogleich folgenden, äusserst komplexen Eingriffen vor laufender Kamera gleich null ist, haben diese Filmärzte Preise wie den Bambi oder die Goldene Henne redlich verdient.

Die medizinische Wirklichkeit sieht leider oft weit weniger märchenhaft aus. Da braucht man sich nur irgendwo beiläufig nach dem Befinden eines Gegenübers zu erkundigen, und schon bekommt man oft wahre Schauergeschichten zu hören. Dabei geht es – das muss man betonen – praktisch nie um unsere sehr geschätzten Hausärzte. Vielmehr richten sich die Kritiken gegen sogenannte Spezialisten, von denen Patienten auch einmal ziemlich ruppige Töne zu hören kriegen. Wollte man all den Erzählungen glauben – und ich neige tatsächlich ein wenig dazu, weil ich da selber ein gebranntes Kind bin – gäbe es landauf landab zahlreiche Opfer höchst fataler Fehler. Namentlich von Chirurgen.

Jahrelang hat man bei Ärzten recht schmeichelhaft von «Kunstfehlern» gesprochen. Heute aber werden Missgriffe, selbst bei «Halbgöttern in Weiss», unverblümt als Behandlungsfehler bezeichnet. Oft führen sie zu Komplikationen. Ziehen gar weitere noch teurere chirurgische Eingriffe nach sich! Eine kürzlich veröffentlichte internationale Studie erschreckte mit Zahlen: In den letzten zwei Jahren soll jeder neunte Schweizer (allerdings nach eigenen Angaben) Opfer eines medizinischen Fehlers geworden sein. Einfach erstaunlich! Bezahlen müssen die Rechnung dafür Krankenkassen aus den ständig steigenden Beiträgen ihrer Kunden. Zwar ist die Zahl der Strafverfahren gegen Ärzte stark angestiegen. Und dennoch: Eine echte Chance, in solchen Streitfällen mit komplexen Fachdiskussionen auch einmal Recht zu bekommen, haben Patienten kaum. Den meisten fehlt nur schon das nötige Geld für spezialisierte Anwälte.

Überhaupt: Wir «Google-Diagnostiker» sollen uns da raus halten, fordern die Ärzte. Aber genau dies geht längst nicht mehr. Selbst «Otto Normalbürger» muss sich heute – ob er nun mag oder nicht – bei Entscheidungen zum Gesundheitswesen eine Meinung bilden. Frühere Tabuthemen sind keine Tabus mehr. Da wird offen über die horrenden Löhne von Ärzten gesprochen. Oder es geht um eine Altersbegrenzung für Chirurgen, analog zu jener der Linienpiloten. Mehr noch: Verschiedene Kantone fordern bei operativen Eingriffen bereits Mindestzahlen von 10 und 50 Fällen pro Jahr. Damit würde bei komplexeren Eingriffen eine vor allem in kleineren Spitälern höchst umstrittene Untergrenze für operierende Ärzte eingeführt. Ja, es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir an der Urne über derlei finanzpolitische und medizinisch heikle Fachfragen selber zu befinden haben.

Aber, wie verhält sich der Kluge, wenn er selber auf Ärzte mehr und mehr angewiesen ist? Am liebsten würde ich ganz einfach im Internet nach der Sachsenklinik und ihrer knallharten Verwaltungsdirektorin Sarah Marquardt suchen. Damit hätte ich auf einen Schlag all meine Probleme gelöst. Aber genau dies haben offenbar vor mir schon viele probiert. Leider Ohne Erfolg. Trotz Grosseintrag auf Google.Und so setze ich mir denn, für die doch ungewisse Zukunft, eine Maxime: Gäg «Getter i Wyss» z fächtä, wär mee as numä ä Herkulesuifgab!

Romano Cuonz, Journalist und Schriftsteller aus Sarnen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

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