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In der Gipsgrube am Melbach gibt's Glögglifrösche, Gips und Gedröhne

Die Gipsgrube am Melbach bei Kerns hat am vergangenen Samstag für die Bevölkerung ihre Tore geöffnet. Viele Besucher erhielten einen Einblick in einen Ort für Menschen, Tiere, Pflanzen und auch Motorräder.
Franz Niederberger
Naturschutzfachfrau Maria Jakober gibt Auskunft über die Artenvielfalt in der Gipsgrube am Melbach. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Naturschutzfachfrau Maria Jakober gibt Auskunft über die Artenvielfalt in der Gipsgrube am Melbach. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Wer schon immer mehr über den Abbau von Gips erfahren wollte, war am Samstag am Tag der offenen Tür der Gipsgrube am Melbach richtig. Die Besucher erfuhren etwa, dass am Stanserhorn bereits seit dem frühen 17. Jahrhundert Gips abgebaut wird, damals im Gebiet Rübenen. Die Transporte zur Gipsmühle erfolgten ursprünglich mit Pferd und Schlitten, was nur bei genügend Schnee möglich war. Ab Ende 1888 transportierte eine Standseilbahn das Gestein. Ein Bergsturz zerstörte später diese Bahn und der Gipsabbau am ursprünglichen Ort wurde eingestellt. Aktuell werden pro Jahr bis zu 30000 Kubikmeter Gestein abgebaut. Reto Galliard, Geschäftsleitungsmitglied der Fixit-Gruppe, die die Gipsgrube betreibt, betonte, dass einige Produkte nur dank der guten Qualität mit Gips aus dem Steinbruch Melbach hergestellt werden können.

Das zur Weiterverarbeitung geeignete Gestein wird mit der 2,6 Kilometer langen Transportseilbahn nach Ennetmoos befördert. In mehreren Verarbeitungsschritten werden aus den Rohsteinen Gips-Baustoffe hergestellt. In der heutigen Bautechnik wird Gips sowohl für Gipskartonplatten als auch für Gipswandbauplatten im Trockenbereich verwendet. Die Vielseitigkeit von Gips unterstreicht der Einsatz in der Kunst bei der Erstellung von Skulpturen oder in der Technik bei der Schaffung von Modellen. In der Zahntechnik ist Gips ein wichtiger Rohstoff für Dentalgipse zur Herstellung von Modellen, die aus Abformungen der Mund- und Zahnsituation erstellt werden.

Blick in den Steinbruch. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Blick in den Steinbruch. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Lage stellt eine Herausforderung dar

Eindrücklich konnten die Besucher erleben, wie sich durch die sorgfältige Nutzung des Bodenschatzes Gips ein für Tiere, Pflanzen und Menschen wertvoller Raum entwickelte. 2002 wurde eine wegweisende Erweiterung des Abbaugebietes am Melbach auf dem Gemeindegebiet Kerns beschlossen. Neben dem Abbau von Gips verpflichtete sich die Grubenbetreiberin zu einem vielseitigen Engagement, so dass eine artenreiche Landschaftskammer erhalten bleibt und sich weiter entwickeln kann.

Die besondere Lage stellt in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung dar. Eine davon ist die Renaturisierung und Stabilisierung des Abbaugebietes. Die Stabilisierung von Rutschhängen sollte möglichst rasch angesät und bepflanzt werden. Forstingenieur Karl Grunder erklärte am Tag der offenen Tür: «Die Hauptarbeit erfüllt nach wie vor die Natur, wir können sie nur begleiten und lenken.» Eine wichtige Aufgabe sei die Stabilisierung des Hanges gewesen, der extrem erosionsempfindlich gewesen sei. Dank einer Terrassen-ähnlichen Abstufung habe dieses Ziel erreicht werden können.

Die Konsolidierungssetzungen wurden mit Messungen in bis zu 80 Metern Tiefe laufend kontrolliert und ausgewertet. Umfangreiche Tests mit verschiedenen Samenmischungen waren für die Wahl der Bepflanzung notwendig, nicht weniger als 15 Holzarten kamen für die Versuche in Frage. Die Trockenverträglichkeit gab Vorteile für die Föhre, die sich inzwischen nebst den Birken prächtig entwickelt. Das Resultat des knapp 30-jährigen Aufwuchses ist gemäss Karl Grunder beeindruckend, auch unterirdisch sei das Wurzelwerk optimal.

Rufe erinnern an das Bimmeln von Glocken

Über die Artenvielfalt der Tiere im Gebiet gab die Naturschutzfachfrau Maria Jakober Auskunft. Das Vorkommen der seltenen Geburtshelferkröte im Gebiet Melbach sei seit jeher bekannt gewesen. «Die ausserordentlichen Rufe, die an das Bimmeln von Glocken erinnern, geben ihr den umgangssprachlichen Namen «Glögglifrosch», so die Expertin.

Auch Motocross wird vor Ort gefahren. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Auch Motocross wird vor Ort gefahren. (Bild: Franz Niederberger (Kerns, 15. September 2018))

Erfreulich ist für Sigi Albert, Leiter Gipsbruch, die Zusammenarbeit mit den Motocrossfahrern vom Offroadteam Pilatus. Der 1994 gegründete Verein zählt mittlerweile über 200 Mitglieder. «Es ist eine Win-Win-Situation», äusserte sich auch der Präsident Patrick Röthlin dazu. «Die Lage ausserhalb von Wohngebieten ist für uns perfekt und ein Glücksfall». Bereits Fünfjährige drehen mit ihren motorisierten Zweirädern hier ihre Runden. Mehrere Schweizer-Meister-Titel konnten die Mitglieder des Vereins in den Sparten Supermotard, Enduro, Motocross oder Trial bereits feiern.

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