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Neues Angebot in Sarnen: «In einem ‹Chessi› hat alles Platz»

Bereits einen Monat gibt es im ehemaligen «Hirschen» das «Chessi» als Begegnungszentrum für Kulturanlässe und Treffs. Vergangene Woche feierte das erste Kunst- und Literatur-Café Premiere.
Marion Wannemacher
Das erste Kunst- und Literatur-Café im «Chessi» mit Moderator Edgar Stöckli und Holzbildhauer Reto Odermatt (rechts) als Gast. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 25. Mai 2018))

Das erste Kunst- und Literatur-Café im «Chessi» mit Moderator Edgar Stöckli und Holzbildhauer Reto Odermatt (rechts) als Gast. (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 25. Mai 2018))

Über der Bar hängt ein riesiges «Chessi». Es diente früher der Zubereitung von Älplermagronen in dem Bauernhaus in der Schwendi, in dem der Obwaldner Kunsthandwerker Christian Sigrist einen Grossteil seiner Miniaturen hergestellt hat. Vom vielen Kochen überm Feuer ist das «Chessi» schwarz verrusst, sozusagen ein authentisches Stück Obwalden. «In einem ‹Chessi› hat alles Platz» heisst es auf der Website des Vereins. Der heisst auch «Chessi» und nennt sich offiziell «Raum für Begegnung, Kultur und Nachhaltigkeit». Seit Ende April gibt es das «Chessi» nun schon im ehemaligen «Hirschen». Es bietet eine Plattform für zahlreiche Treffs, Kulturveranstaltungen und Ideen und entsprang aus der Initiative «Obwalden morgen».

«Recht schnell fanden wir, es braucht einen Raum, ein Zentrum, wo wir all unsere Ideen umsetzen können», erinnert sich Hampi van de Velde. Er diskutierte in der Gruppe «Integration und Gesellschaft» mit. Heute ist er Präsident vom «Chessi». «Als wir von Adrian Hossli erfuhren, dass die Colorbox umzieht, fanden wir, das sei doch cool, das Haus zu besetzen. All die Träume hatten wir doch in der Jugend. Wir fühlten uns in die Jugendzentrums-Zeiten versetzt», schwärmt der gebürtige Holländer, der in Davos aufgewachsen ist und nun in Sarnen lebt. Ein Verein wurde gegründet, ein Name gefunden, eine Webseite gestaltet. Der Traum ging in Erfüllung: Der Einwohnergemeinderat sagte im Februar «Ja» zum Anliegen und stellte dem Verein die Räumlichkeiten im ehemaligen «Hirschen» neben dem Kino zur einstweiligen Nutzung. Nach einigen Instandstellungsarbeiten und der technischen Kontrolle durch das EWO kam dann im ­April das operative Okay.

Eröffnungsfeier mit eritreischem Essen

Eröffnung wurde am 28. April gefeiert. Vorstandsmitglied Ibrahim Dini kochte eritreisch. Die Gäste waren genau so, wie sich das der Verein wünschte: «Es kamen 80 bis 100 Personen, Menschen aller Couleur, Obwaldner, Zugereiste, Junge, Alte, Familien mit Kindern. Wir konnten auf der Terrasse essen.»

Vielfältig und bunt ist das Programm im «Chessi». Dazu zählt unter anderem der Generationentreff jeden Freitagmorgen (wir berichteten), ein offenes Café, ein Philosophen-Café jeden zweiten Donnerstag im Monat, ein Kuchen-Café jeden dritten Samstag im Monat, an dem Interessierte ihr Selbstgebackenes bringen können, oder der Obwaldner Stammtisch, eine Fortsetzung der Initiative von «Obwalden morgen», um Projekte vorzustellen und sich zu vernetzen. Viele Ideen sind erst am Anfang: zum Beispiel der Hol- und Bringtisch für gut erhaltene, aber nicht mehr genutzte Gegenstände, für Kinderkleider oder Bücher. Noch nicht verwirklicht sei das «Repair-Café», zu dem man sich treffen und gemeinsam kaputte Dinge reparieren könne, erzählt Hampi van de Velde.

Traum vom Café mit Kunst und Literatur wurde wahr

Seinen Traum vom Kunst- und Literatur-Café hat sich Edgar Stöckli aus Flüeli-Ranft verwirklicht. Am Donnerstagabend war Premiere. Dass nur eine Handvoll Besucher gekommen sind, stört den bildenden Künstler nicht wirklich: «Eine schöne kleine Runde, das erinnert mich an den ‹Zischtigs­club›», sagt er zur Begrüssung. Als allerersten Gast hat er sich Holzbildhauer Reto Odermatt eingeladen, der ebenfalls im Flüeli wohnt. Dieser stellt sich vor, berichtet, dass er seit zehn Jahren selbstständiger Holzbildhauer sei und nach einigen Jahren im Gastgewerbe als Koch eine Ausbildung in Brienz an der Schule für Holzbildhauerei absolviert habe.

Von Künstler zu Künstler erkundigt sich Stöckli nach der Balance zwischen Aufträgen und frei gestalteten Werken aus persönlicher Motivation. Reto Odermatt findet beides spannend: Die Herausforderung bei Auftragsarbeiten sei die Idee der Auftraggeber ins Dreidimensionale umzusetzen, bei den persönlichen Werken sei es, die eigene Vorstellung im Kopf zu realisieren. «Ich kann nicht die freien Arbeiten umsetzen, wenn der wirtschaftliche Nebel darauf liegt, aber ich brauche auch die freien Arbeiten», erklärt der gebürtige Stanser.

Mit welchem Holz er gern mal arbeiten würde, erkundigt sich Edgar Stöckli und erhält eine überraschende Antwort: «Mit Holz von einem Mammutbaum», antwortet ihm der Kollege. Schnell wird klar, dass Odermatt nicht nur ein Faible, sondern eine ausgesprochene Leidenschaft für alles rund ums Holz mitbringt: Er interessiere sich auch für Literatur über den Wald, über das Netzwerk der Bäume, alte Erfahrungen mit Mondphasen, Wissen, das im hiesigen Kulturraum verlorengegangen sei, berichtet er.

Kurzgeschichte über den Wert des Unvollkommenen

Edgar Stöckli, der selbst zurzeit an einem Buch schreibt, verbindet sein Interview mit einer Kurzgeschichte von Marie Louise ­Prean-Bruni über den Wert des Unvollkommenen und fordert die Gäste auf, dazu Eindrücke zu skizzieren oder Texte zu schreiben. Vielfältig sind die Umsetzungen von bildlichen Ideen bis hin zu gestalterischen Vorschlägen eines gegenständlichen Kunstwerks.

Das Programm ist zu finden unter www.chessi.ch

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