Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Dicke Luft zwischen Titlis- und Brunnibahnen

Zwischen den Bahnen in Engelberg hängt der Haussegen schief. Bei den Titlisbahnen stört man sich an Teilen des Geschäftsmodells der Brunnibahnen. Diese fühlen sich von der Kündigung eines Tarifverbunds irritiert.
Martin Uebelhart
Die beiden Ob- und Nidwaldner Ständeräte – hier im Bundeshaus – haben derzeit auch als Brunni-Verwaltungsrat (Erich Ettlin, links) und Titlis-Verwaltungsratspräsident (Hans Wicki) einigen Gesprächsstoff. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 11. März 2019)

Die beiden Ob- und Nidwaldner Ständeräte – hier im Bundeshaus – haben derzeit auch als Brunni-Verwaltungsrat (Erich Ettlin, links) und Titlis-Verwaltungsratspräsident (Hans Wicki) einigen Gesprächsstoff. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 11. März 2019)

Wer eine Tages-, Mehrtages-, Saison- oder Jahreskarte für den Titlis gekauft hat, konnte damit seit zwei Jahren auch die Anlagen und Angebote der Brunni-Bahnen nutzen. In einer Zusammenarbeitsvereinbarung ist der Tarifverbund zwischen den Brunni- und den Titlisbahnen festgelegt (siehe Kasten). Die Titlis-Bahnen haben diesen nun auf 31. Oktober gekündigt (Ausgabe vom 3. April). Die Kündigung dürfte eine weitere Stufe der Eskalation sein, die im Nachgang zu den vergangenen Sommer abgebrochenen Fusionsgesprächen ihren Anfang genommen hat. Im Briefwechsel zur Vertragskündigung, der unserer Zeitung vorliegt, sparen die beiden Unternehmen nicht mit gegenseitiger Kritik.

Die Titlisbahnen vertreten die Ansicht, dass sich die Angebots- und Preisphilosophien der beiden Unternehmen in mehreren Bereichen nicht mehr deckten. Ein Dorn im Auge ist den Titlis-Verantwortlichen unter anderem, dass die Brunnibahnen den Swiss Travel Pass (STP) vollständig anerkennen. Passagiere können mit diesem, eine Art Generalabonnement für Gäste aus dem Ausland, ohne Aufpreis bis aufs Ristis fahren. Dabei geht es den Titlisbahnen um eine Grundsatzfrage: «Angesichts des zunehmenden Preisdrucks innerhalb der Bergbahnbranche sind wir der festen Überzeugung, dass es nicht zielführend ist, die Preise stetig nach unten anzupassen.» Langfristig würde so die Investitionsfähigkeit gefährdet.

Indische Gruppen essen bei der Brunni-Talstation

Die Titlisbahnen stören sich auch daran, dass die Brunnibahnen vermehrt ins internationale Reisegeschäft einsteigen. Als Indiz dafür wird die Tatsache gewertet, dass das Restaurant Ox bei der Brunni-Talstation ausserhalb der Wintersaison an einen Caterer zur Verpflegung indischer Gruppengäste vermietet wird. Die Brunnibahnen verteidigen die vollständige Akzeptanz des Swiss Travel Pass als wichtigen Bestandteil ihrer Bemühungen, den internationalen Individualtourismus zu fördern. «Unter diesem Gesichtspunkt könnten sich unsere Geschäftsfelder tatsächlich treffen, wobei wir uns bewusst sind, dass wir hier als kleiner Nischenplayer keine Chance und auch nicht die Absicht haben, Ihnen Ihr Geschäftsmodell zu ‹ruinieren›», so das Schreiben der Brunnibahnen. Vielmehr erachte man eine gewisse Konkurrenz als sinnvoll für die Destination Engelberg. Weiter können die Brunnibahnen nicht nachvollziehen, dass das Restaurant Ox in direkter Konkurrenz zu den Gastronomie-Angeboten am Titlis stehen sollen. «Ihre Aussagen irritieren uns», halten Verwaltungsratspräsident Albert Infanger und Verwaltungsratsmitglied Erich Ettlin – ist auch Obwaldner Ständerat – fest. Es liege in der Natur einer liberalen Wirtschaftsordnung, ein Angebot zur Verfügung zu stellen.

Die Drohung, die Zusammenarbeit zu beenden, nähmen die Brunnibahnen ernst. Allerdings könne man die Vorwürfe der Titlisbahn-Geschäftsleitung nicht nachvollziehen: «Wir halten uns akribisch an unsere Punkte in der Zusammenarbeitsvereinbarung.» Die Brunnibahnen könnten sich dem Eindruck nicht entziehen, dass auf operativer Ebene eine Konfrontation gesucht werde, die sicher nicht den Absichten beider Verwaltungsräte entspreche. Man wolle «das für uns Mögliche tun, dass der für die Destination Engelberg so wichtige Ticket-Pool aufrechterhalten werden kann.» Doch einem Ausschluss sehe man gelassen entgegen.

Schon früher gab es Druckversuche der Titlisbahnen

Weiter erinnern die Brunnibahnen daran, dass sie sich vor Jahren – nach dem Abbruch der ersten Verhandlungen über ein Zusammengehen – ähnlichen Druckversuchen ausgesetzt sahen. «Es wurde das Ziel verfolgt, mittels destruktiven Massnahmen uns für eine Übernahme sozusagen vorzubereiten», schreiben die Brunnibahnen. Solche Zustände wolle man verhindern.

Bis zur Antwort der Titlisbahnen ziehen zwei Monate ins Land. Dann trifft ein eingeschriebener Brief ein. Titlis-Verwaltungsratspräsident Hans Wicki, auch Ständerat von Nidwalden, und CEO Norbert Patt begründen darin die Kündigung des Zusammenarbeitsvertrags unter anderem mit der Angebots- und Preispolitik der Brunnibahnen. Diese stelle eine zunehmende Belastung für die Zusammenarbeit dar. Sie fordern, so rasch wie möglich eine neue Zusammenarbeitsvereinbarung zu verhandeln.

Die Brunnibahnen antworteten auf die Kündigung, sie könnten nicht nachvollziehen, wie die Titlisbahnen «die Eigenständigkeit und Freiheit jedes Unternehmens» hochhalten wollten, wenn sie sich an eigenständigen Produktgestaltungen störten. Ein von den Titlisbahnen erarbeiteter Entwurf einer Zusammenarbeitsvereinbarung findet bei den Brunni-Verantwortlichen wenig Gefallen. Das darin vorgeschlagene Verrechnungsmodell sei für die Brunnibahnen ungeeignet. Darum sei es auch 2017 nach fünf Jahre andauernden Tarifverhandlungen nicht angewandt worden.

Für die Brunnibahnen bleibt als Fazit ein «schaler Nachgeschmack», wie sie Mitte März in einem weiteren Schreiben festhalten. Es gehe den Titlisbahnen offenbar nicht um die Stärkung der Destination mit einem vielseitigen Angebot, sondern darum, die Brunni-Bahnen finanziell unter Druck zu setzen. «Auch wenn es ein Entwurf ist – für uns geht dieser in eine völlig falsche Richtung. Weg vom Konsens, hin zum Konflikt.» Die Brunnibahnen möchten zunächst grundsätzliche strategische Fragen geklärt wissen. Darum regen sie eine Zusammenkunft der beiden Verwaltungsräte an.

Zu kontroversen Diskussionen zwischen den beiden Bahnen kam es auch wegen des Kaufs von Brunni-Aktien durch die Titlisbahnen. Diese wurden nie ins Aktionärsregister eingetragen. Die Brunnibahnen schreiben dazu, dass die Übertragung von Namenaktien laut ihren Statuten aus wichtigen Gründen abgelehnt werden könne, etwa dann, wenn der Erwerber Ziele verfolge, die dem Zweck, der Tätigkeit der Gesellschaft oder der wirtschaftlichen Selbstständigkeit der Gesellschaft widersprächen. Mittlerweile hat man sich zumindest darauf geeinigt, dass die Brunnibahnen die Aktien zum Einstandspreis zurücknehmen.

Titlis und Brunni im Vergleich

Die wichtigsten Kennzahlen gemäss Geschäftsbericht 2017/18
Brunni Titlis
Mitarbeiter (Vollzeitstellen im Durchschnitt) ca. 53 > 300
Umsatz (in CHF) 6'787'000 79'000'000
Gewinn (in CHF) 285'510 17'500'000
Passagiere (Ersteintritte) 219'350 1'237'000

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.