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In Giswil endet auf den Fahrplanwechsel eine Ära

Das Postauto und Werner Halter sind in Giswil eng miteinander verknüpft. Unter seiner Ägide wurde aus einem Schulbus-Betrieb ein ausgebautes ÖV-Angebot. Nun übergibt er den Betrieb einem Nachfolger.
Matthias Piazza
Ein Leben für die Post und das Postauto: Nun geht Werner Halter in Pension. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 28. November 2018))

Ein Leben für die Post und das Postauto: Nun geht Werner Halter in Pension. (Bild: Corinne Glanzmann (Giswil, 28. November 2018))

Den Fahrplanwechsel vom kommenden Sonntag dürften die Fahrgäste in Ob- und Nidwalden kaum spüren. Weder beim Postauto noch bei der Zentralbahn ändert sich Wesentliches. Für Werner Halter ist es hingegen wohl der bedeutendste Fahrplanwechsel in seinem Leben. Er geht mit bald 65 Jahren in Pension. Zurück blickt er auf ein Leben für die Post beziehungsweise das Postauto. Es gibt wohl kaum ein Giswiler, der noch nie Werner Halter begegnet ist, wenn auch nicht bewusst. 31 Jahre lang fuhr er als Selbstständiger Kinder mit dem Schulbus zur Schule und wieder nach Hause, 1999 kam der Postautobetrieb dazu. Heute fahren seine Postautos vom Bahnhof nach Grossteil, Kleinteil und Lungern, im Winter auch auf die Mörlialp.

Im vergangenen Jahr waren es gegen 40000 Fahrgäste, die Werner Halter mit seinen drei Mitarbeitern transportierte. Die beiden Postautobusse legten zusammen eine Distanz zurück, die der zweifachen Erdumrundung entspricht. Ins Postauto kam er sozusagen über Umwege: Maurerlehre, danach Pöstler. «Dann hatte ich den Wunsch, mich weiterzuentwickeln.» Er ergriff die Gelegenheit, sich als Posthalter zu bewerben. 1987 übernahm er die Poststelle Kleinteil und damit auch den Schulbusbetrieb für dieses Gebiet. Als in den Neunzigerjahren die Poststellen Klein- und Grossteil geschlossen wurden, fällte Werner Halter den Grundsatzentscheid, ganz auf den Postautobetrieb zu setzen. Er eignete sich das Wissen an, das es brauchte, um als selbstständiger Unternehmer für Postauto Zentralschweiz zu arbeiten. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat. Von Ausnutzen könne keine Rede sein. Die Zusammenarbeit mit Postauto habe er immer als sehr fair empfunden. «Die Postauto-Halterei ist sehr interessant, im Auftrag von Postauto zu arbeiten hat mir immer sehr gefallen.» Natürlich werde man dabei nicht Millionär, ums Geld gehe es ihm aber auch nicht. «Ich war mit Herz bei der Sache, das ist das Wichtigste, für mich stimmte das System», hält er fest. In seinen Adern fliesse gelbes Blut. «Mir als geselliger Mensch machte das Postautofahren einen Riesenspass. Wohl in wenigen anderen Berufen kommt man mit so vielen Leuten in Kontakt und darf durch die wunderschöne Berglandschaft fahren», schwärmt er. Berufskollegen in der Stadt oder in der Agglomeration habe er darum nie beneidet.

Ein Schwatz nachts um halb eins

Auch wenn es bei einer eher oberflächlichen Kommunikation bleibe, lerne man mit den Jahren die Stammgäste etwas besser kennen. Während der Fahrt vermeide er längere Gespräche wegen der Ablenkungsgefahr. «Aber wenn die Fahrgäste nachts um halb eins in Lungern aussteigen, ergibt sich oft ein kleiner Schwatz.» In der Giswiler Bevölkerung hat er offenbar einen bleibenden Eindruck hinterlassen. So habe ihm ein Fahrgast einmal gesagt: «Werni, du bist eine Institution.» Er selber teile diesen Eindruck allerdings nicht, meint er bescheiden.

Unter den vielen Anekdoten bleibe ihm vor allem eine unvergessen: «Als ich vor vielen Jahren mit dem Schulbus vorfuhr, sprach mich eine Erstklässlerin an, mit den Worten: ‹Werni, ich habe etwas gesehen, das dich interessieren könnte. Du hast hinten rechts einen Platten.› ‹Das interessiert mich tatsächlich›, gab ich verblüfft zur Antwort. Ich war froh um den Hinweis, denn während der Bergfahrt hatte ich nicht bemerkt, dass Luft aus einem Pneu entwich. So eine aufgeweckte Begegnung mit einem Schulkind erlebt man nur auf dem Lande.»

Nachfolger Hans Müller baut im Rüteli eine neue Fahrzeughalle, die am Sonntag eingeweiht wird. (Bild: PD)

Nachfolger Hans Müller baut im Rüteli eine neue Fahrzeughalle, die am Sonntag eingeweiht wird. (Bild: PD)

Dank der geregelten Nachfolge gehe er mit einem guten Gefühl in den Ruhestand. Sein Mitarbeiter Hans Müller übernimmt die Firma. Er baut auf eigene Rechnung im Rüteli (Grossteil) einen neuen Betriebshof für die Postautos, der zum Fahrplanwechsel eingeweiht wird.

Übrigens: Eine Veränderung gibt es im Obwaldner ÖV-Angebot doch, wenn auch eine kleine. Neu bedient der Nachstern N8 Luzern–Wilen die Haltestelle Sachseln, Seehof/Brüggi.

Weitere Infos zum Nachtstern-Fahrplan: www.nachtstern.ch

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