In Konrad Abeggs Bildern begegnen sich in Sarnen Jahrzehnte

Konrad Abegg ist Maler, Zeichner aber auch Imker. Im Zwiegespräch mit der Galerie Hofmatt in Sarnen entpuppen sich zahlreiche Gegensätze.

Romano Cuonz
Hören
Drucken
Teilen
Im Galeriekeller der Hofmatt lässt Konrad Abegg im Traum galoppieren.

Im Galeriekeller der Hofmatt lässt Konrad Abegg im Traum galoppieren.

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 7. März 2020)

Künstler, die in der Sarner Galerie Hofmatt ausstellen wollen, müssen mit fünf sehr verschiedenen Räumen Zwiegespräche führen. Genau dies tut der 70-jährige, aus Flüelen im Kanton Uri stammende Künstler Konrad Abegg in der gegenwärtigen Ausstellung. Er tut es auf so intensive Weise, dass er ihr sogar den Titel «Zwiegespräche» gibt. Pia Bürgi vom Ausstellungsteam sinniert darüber, zeigt auf, wie gross der Bogen ist, den der Urner damit spannt. Zwiegespräche würden Diskussion, Auseinandersetzung, Gegenüberstellung, Zweifel, Angriff und Verteidigung genauso beinhalten wie Gegensätze oder verschiedene Blickwinkel, sagt sie. In der Tat: Abegg – er setzt sich zurzeit intensiv mit seinem Lebenswerk auseinander – lässt Bilder aus sehr verschiedenen Lebensphasen miteinander und eben immer auch mit den Räumen in Kontakt treten. Die einen – grossformatig mit teils flammenden Farben – stammen aus der Serie Seiltanz von 1983. Die anderen – düstere Graffiti mit feinen Figuren –sind in der Serie «Puppenspiel und Mutationen» 2006 entstanden. Dazwischen liegen 23 Jahre. Pia Bürgi kommentiert: «Konrad Abegg hat mit dieser Auswahl ein Zwiegespräch mit Werken aus vergangenen Jahren gehalten und somit auch ein Zwiegespräch mit sich selbst und seiner Vergangenheit.» Faszinierend sei dabei, wie sich Jahrzehnte auf kleinem Raum begegnen würden.

Grosser roter Fisch und Insekten im Nebel

Kaum betritt man die Galerie, entpuppen sich vor einem Gegensätze. Im Galerieraum zieht das Bild «Dr rot Fisch» die Blicke auf sich. Ein Mensch kämpft sich durch gewaltige Wogen, derweil im Wasser bedrohlich die Schwanzflosse eines Fisches auftaucht. Ist da jemand am Ertrinken oder kämpft ein Taucher mit dem Fisch? Wir wissen es nicht. Müssen genau hinschauen und uns selber einen Reim daraus machen. Zwar verrät Konrad Abegg: «Meine Bilder erzählen immer Geschichten.» Doch der Erzähler ist ein Maler und Zeichner. Traktiert Leinwände mit dem Pinsel: kraftvoll, wild und eruptiv. Oder er spinnt auf Zeichnungen, fein und verspielt, Fäden von Gedanke zu Gedanke, von Einfall zu Einfall.

Dies tut er vor allem in kleinen Graffitibildern mit ihrem wie zufällig entstandenen grauschwarzen Hintergrund. Aus dem rauchigen Nebel lösen sich – mit roter Försterkreide skizziert und mit Fäden und Drähten verbunden – Figuren wie Marionetten. Sie mutieren zu insektenartigen Wesen. Geheimnisvoll sind sie alle. Ihre Geschichten gilt es zu erahnen. Nur so viel verrät der passionierte Imker Abegg selber:

«Bienenvölker sind ein extrem wichtiger Orientierungspunkt in meinem Leben, zuerst hast du die Bienen, dann haben die Bienen dich.»

Im Panoramazimmer tut er etwas, was noch keiner vor ihm tat. Er ergänzt die Obwaldner Landschaft, indem er sein Bild «Die Welt ist rund» an die Decke montiert. Wohin fliegt der Mensch, der aus dem Wasser steigt? Das Panorama der Obwaldner Landschaft wird für ihn und den Betrachter zur Kugel. Ganz neue, erstaunliche Blickwinkel eröffnen sich. Mit kleinen Zeichnungen nimmt Abegg direkt Bezug auf die im Panoramabild dargestellten Figuren oder auch auf leere Flächen, Säulen und Sockel. Und wiederum erzählt er Geschichten. Seine Geschichten.

Traum oder Albtraum in den Galeriekellern

Im Gewölbekeller hat Konrad Abegg auf beiden Seiten grosse Gemälde montiert. Da kauert die «Erd-Mutter» vor einer Höhle am Rande eines Gebirges. Was führt sie wohl im Schilde? Als Gegenpol dazu positioniert er das Bild «Im Traum ein weisses Pferd vor sich hertreiben». Der enge Kellerraum steht dem Träumer plötzlich weit offen. Mit dem Pferd müsste die Flucht gelingen. Verbunden werden die beiden Bilder durch eine Vitrine, in der Abegg Fragmente und Skizzen vorlegt. Pia Bürgi bezeichnet sie als «Stimmungen, Mutationen, Gedanken, Erinnerungen». Schon fast zum Albtraum wird ein Gang in den düsteren, von Spinnweben verhangenen Kellergang. Dort stellt der Künstler unter eine Malerei mit einem um die Erde rennenden Menschen ein Holzgestell mit Bildfragmenten in Halbliter-Honiggläsern auf. Und schmunzelnd kommentiert er: «In unseren unsicheren Zeiten ist es ja durchaus sinnvoll, Vorräte anzulegen und seien es auch nur Bildervorräte.»

Galerie Hofmatt, Sarnen: Zwiegespräch. Konrad Abegg mit Malerei und Zeichnung. Vom 7. März bis zum 5. April. Geöffnet Samstag und Sonntag 14–17 Uhr.