Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ob- und Nidwaldner Dekanatsforum: Bischof sollte «reife Persönlichkeit» sein

Diesen Ostersonntag wird der gegenwärtige Churer Bischof Vitus Huonder 77 Jahre alt. Damit läuft seine Amtszeit ab. Nun äussert das Dekanatsforum beider Kantone in einem Manifest den Wunsch nach einem effektiven Neubeginn.
Romano Cuonz
Bischof Vitus Huonder auf dem Weg zur Chrisammesse am Hohen Donnerstag in Chur. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, 18. April 2019)

Bischof Vitus Huonder auf dem Weg zur Chrisammesse am Hohen Donnerstag in Chur. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone, 18. April 2019)

«Aller Voraussicht nach wird Papst Franziskus auf diesen Ostersonntag das Rücktrittsgesuch des heute 77-jährigen Churer Bischofs Vitus Huonder annehmen», sagt der Obwaldner Dekan Bernhard Willi. Ab dann bestehe im Bistum Chur eine «Sedisvakanz», ein «unbesetzter Bischofssitz». Willi weiter: «Bis zum heutigen Tag sind uns aber weder Namen noch Daten für eine Nachfolgewahl im Bistum Chur bekannt.» Alles deute darauf hin, dass Huonder die administrativen Geschäfte des Bistums noch für eine kurze Weile weiterführen müsse. Das Bistum will am Ostermontag informieren.

Schon nach seinem 75. Geburtstag hatte Huonder sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Papst Franziskus verlängerte die Amtszeit jedoch um zwei Jahre. Huonder stand immer wieder in der Kritik, mit der traditionalistischen Ausrichtung ebenso wie mit Ansichten zu Ehe, Familie und Sexualerziehung. Namentlich in den zum Bistum gehörenden Urschweizer Kantonen wie Ob- und Nidwalden gab es Widerstand.

Vergangenen Februar hatten sich besorgte Priester, Laientheologen und Kirchenpolitiker zu einem Ob- und Nidwaldner Dekanatsforum versammelt. Ihre Sorge galt ganz der Besetzung des Bischofssitzes – «eine Leidensgeschichte», die bald schon 50 Jahre dauere. Am Ende der Tagung beschlossen sie, Gesprächsergebnisse «allen Gläubigen in einem Manifest zum Bischofswechsel» kundzutun. Nun liegt dieses vor.

Man müsse von einem gespaltenen Bistum reden

Gleich am Anfang wird moniert: «In unserem Bistum wurde der Bischof Partei für eine Minderheit, und es entstand ein Riss, der bis heute besteht und durch viel Vertrauensverlust gekennzeichnet ist, sodass man von einem gespaltenen Bistum sprechen muss. (...) Wenn ein Bischof beginnt, die Freiheiten einzuschränken, fordert er einen Gehorsam, der infantile Züge enthält.» In einem solchen Klima dränge man Seelsorgerinnen und Seelsorger, die frei ihre Meinung sagen oder Kritik äussern, nach und nach an den Rand. «Deshalb braucht es in unserem Bistum eine neue Kultur des Dialogs, ja auch eine gepflegte Streitkultur, bei der man in aller Freiheit und mit Freimut, aber auch in allem Anstand und in hoher Verantwortung miteinander kommuniziert.» Für einen dringend nötigen Neuanfang brauche es als Bischof «eine integrierende, reife und ausgeglichene Persönlichkeit», die einer drohenden Spaltung im Bistum Gegensteuer geben und Seelsorger in ihrem Dienst motivieren könne. Ganz wichtig sei, dass er das historisch gewachsene und vom Volk legitimierte Miteinander von Kirche und ihren Körperschaften wie Kirchenräten oder Landeskirchen mehr als Chance statt Bedrohung sehe.

Papst Franziskus soll mitreden

«Wir handeln, indem wir uns mit diesem Manifest an alle Katholiken in unseren Dekanaten wenden und unsere Sorge für die Zukunft des Bistums Chur ausdrücken», heisst es weiter. Damit eine Spaltung vermieden werde, sollte der neue Bischof über den Parteien stehen. Mit Worten und Taten. Die Bistumsleitung habe die Diözese nicht nur geografisch, sondern auch in der Vielfalt der Meinungen zu vertreten. Eindringlich und klar formuliert das Manifest auch seinen Appell ans Domkapitel: «Falls die drei Kandidatenvorschläge aus Rom nicht für eine integrierende Bischofspersönlichkeit sprechen, soll das Domkapitel lieber auf das Privileg der Wahl verzichten und die Liste zurückweisen, als einfach das kleinste Übel wählen.»

«Vielleicht wäre es gut, wenn Papst Franziskus sich persönlich dieser Angelegenheit annimmt und einen von aussen kommenden apostolischen Administrator ernennt, der unbelastet an die immense Aufgabe im Bistum Chur herangeht», heisst es weiter.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.