In Sachseln steht ein Kleinod von seltener Schönheit

Die Kapelle St. Kathrina in Sachseln erstrahlt nach der Sanierung ab Mitte Oktober wieder in neuem Glanz.

Markus Villiger
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Vergolderin Jenny Schwarz bei der Arbeit am Hochaltar.

Vergolderin Jenny Schwarz bei der Arbeit am Hochaltar.

Bild: PD

Gemäss der Jahreszahl über dem Türportal wurde die Kapelle St. Katharina in Sachseln von 1626 bis 1628 erbaut. Sie wurde 1573 von Melchior von Flüe gestiftet. Die letzte gründliche Innenrestauration geht auf das Jahr 1947 zurück. 2002 erfolgte eine Aussenrenovation. Es handle sich bei der Kapelle um ein Kleinod von seltener Schönheit, sagt Kirchenverwalter Donato Fisch.

Die prachtvolle Ausstattung wurde nach der Überlieferung 1573 von Hauptmann und Ritter Melchior von Flüe, der an den meisten Feldzügen gegen die Hugenotten teilgenommen hatte und sehr begütert war, gestiftet. Er wollte damit für seinen Totschlag, den er am Zimmermeister Kaspar zum Bach begangen hatte, Sühne leisten. Das Patrozinium der heiligen Katharina von Alexandrien wurde gewählt, da diese auch die Patronin der Verbrecher ist, zu denen sich von Flüe aufgrund seiner Tat rechnete. Die Weihe des kleinen Gotteshauses fand aber erst im Jahre 1626 statt. Auf dem Sturz der schönen hölzernen Umrahmung des Hauptportales steht die Jahrzahl 1628.

Der ganze heutige Bau scheint aus dem zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts zu stammen. Er ist schon dadurch bemerkenswert, ja einzigartig, da er ganz aus dem Fachwerk besteht. Der um eine Stufe erhöhte Chorraum ist in Trapezform gehalten. Im bedeutenden Werk der Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden von Robert Durrer (1899-1928) schreibt dieser: «Der reich geschnitzte, vergoldete und mit zarten metallischen Lasuren getönte Altar ist ein sehr originelles, reizendes Spätrenaissancewerk von ungefähr 1626.»

Das Hauptbild im Altar zeigt das Martyrium der heiligen Katharina. Es handelt sich um eine Kopie eines altdeutschen Malers. Sie wurde wahrscheinlich, wie die übrigen Bilder in der Kapelle von Sebastian Gysig, 1573 zu Stans geboren und am 24. März 1649 zu Sarnen gestorben, gestaltet. Die heilige Katharina gehört zu den 14 Nothelfern. Ihr Fest wird am 25. November gefeiert. Wie jedes Jahr soll auch heuer in der restaurierten Kapelle, mit Beginn um 8 Uhr, ein Gottesdienst gefeiert werden.

Eine Arbeit für Spezialisten

Die Gesamtkosten für die Sanierung belaufen sich laut Donato Fisch auf rund 120000 Franken. Die Kirchgemeindeversammlung vom 22. November 2019 genehmigte einen Beitrag von 50 000 Franken zu Gunsten der Pfarrkirchenstiftung. Zusätzlich ist mit einem Beitrag der Denkmalpflege Obwalden zu rechnen. Für die nicht gedeckten Kosten kommt eine ausserkantonale Stiftung auf. Die Arbeiten, die rund zwei Monate dauern, sollen Mitte Oktober abgeschlossen werden. Sie werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stanser Spezialunternehmung Stöckli AG ausgeführt. Die Leitung der Baustelle hat Francesca Attanasio, die auch über die Arbeitsvorgänge orientiert. Ihr zur Seite steht die Vergolderin Jenny Schwarz. Ebenfalls auf der Baustelle arbeiten die beiden Restauratoren Lorenz Stöckli und Werner Ettlin.

Die Arbeiten sind sehr umfangreich und beziehen sich auf den ganzen Innenraum der Kapelle. Die Raumdecke weist Risse auf. Diese wurden im Laufe der Zeit mehrmals überdeckt. Vorgesehen ist eine Ausfüllung der Risse und ein Neuanstrich im bisherigen Grauton. Die Wände werden komplett gereinigt, ausgebessert und die Farben partiell retuschiert. Beim Hochaltar bröckeln Farbe und Gold ab. Hier sind eine sanfte Reinigung und eine Festigung der Fassungen und Metallauflagen vorgesehen. Mit diesen Arbeiten ist Vergolderin Jenny Schwarz bereits seit Wochen beschäftigt. Die Tafel- und Leinwandbilder werden gereinigt und vergilbte Firnisse entfernt. Im Kapellenraum werden im Bereich Holz/Metall verschiedene Schäden ausgebessert und Rost am Chorgitter entfernt.

Die Stanser Firma Stöckli AG wurde im Jahr 1898 von Xaver Stöckli gegründet. Die Unternehmung beschäftigt zwölf Mitarbeitende und wird in vierter Generation von Wendel Odermatt als Geschäftsleiter geführt. Die Schwerpunkte ihrer Tätigkeiten sind Konservierung und Restaurierung von Wandmalereien, Gemälden, Skulpturen und Altären sowie die Restaurierung von speziellen Oberflächen wie Marmorierungen und Maserierungen. Die von der kantonalen Denkmalpflege vorgeschlagenen Massnahmen gelten als sehr sanfte Eingriffe.

Hinweis

Am Bruder-Klausenfest, Freitag, 25. September besteht die Gelegenheit, die Baustelle zu besichtigen und bei den Arbeiten zuzuschauen. Die Kapelle ist für die Besichtigung von 15 bis 17 Uhr geöffnet.