In Sarnen eröffnet der erste Coworking-Space der Region 

In der ehemaligen Schalterhalle der OKB arbeitet es sich flexibel. 

Franziska Herger
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Präsident Jost Ettlin (links) und Geschäftsführer Emmanuel Hofer von Startup Pilatus im neuen Coworking-Space. (Bilder: Corinne Glanzmann, Sarnen, 27. November 2019)

Präsident Jost Ettlin (links) und Geschäftsführer Emmanuel Hofer von Startup Pilatus im neuen Coworking-Space. (Bilder: Corinne Glanzmann, Sarnen, 27. November 2019)

Wem im Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, wer sich zu Hause nicht aufs Lernen konzentrieren kann oder wer einfach auf die Schnelle einen Schreibtisch mit Stromanschluss sucht, der ist im alten OKB-Hauptsitz in Sarnen am richtigen Ort. In der ehemaligen Schalterhalle der Kantonalbank hat der Verein Startup Pilatus einen sogenannten Coworking-Space eingerichtet. «Es ist meines Wissens der einzige in Nid- und Obwalden», sagt Geschäftsführer Emmanuel Hofer.

Besucher schauen sich eines der Sitzungszimmer an.

Besucher schauen sich eines der Sitzungszimmer an.

Ein fixer Arbeitsplatz kann ab einer Woche und ab 150 Franken gemietet werden, inklusive Zugang zu Küche, WC und Dusche, ein flexibler Arbeitsplatz schon ab einem halben Tag und ab 20 Franken. Die Arbeitswelt habe sich verändert, sagt Hofer. «Viele Leute wollen den täglichen Pendelstress nicht mehr auf sich nehmen, und Homeoffice will nicht jeder. Mit unseren tiefen Preisen sprechen wir zudem auch Studenten an.»

Die Startups sollen auch in Obwalden bleiben

Am Mittwoch wurden die Räumlichkeiten an der Bahnhofstrasse offiziell eröffnet und die Türen für die Bevölkerung aufgestossen. Das neue Angebot stiess auf grosses Interesse. Zahlreiche Besucher tummelten sich im Coworking-Space oder warfen einen Blick in die Büroräumlichkeiten und Sitzungszimmer in den oberen Stockwerken. Wie an seinem ersten Standort in Alpnach vermietet Startup Pilatus auch in Sarnen Büros an Startups, also junge Firmen, sowie an etablierte Unternehmen.

Claudine Tanner von Moya Kala in ihrem Büro im ehemaligen OKB-Gebäude.

Claudine Tanner von Moya Kala in ihrem Büro im ehemaligen OKB-Gebäude. 

Der Verein, früher Micropark Pilatus, ist bereits seit Juli in Sarnen präsent und hat auch seinen Sitz und die Geschäftsstelle in den Hauptort verlegt. Der zentrale Standort mit Parkplätzen und in Bahnhofsnähe sei ideal, so der Geschäftsführer. In Alpnach war man aufgrund hoher Nachfrage an Kapazitätsgrenzen gestossen. Mit dem Standort Sarnen hat sich die angebotene Fläche nun um 1000 Quadratmeter verdoppelt.

Der Verein mit Mitgliedern aus Wirtschaft, Behörden und Bildungsinstitutionen will Startups nach Obwalden holen, sie fördern und wenn möglich bewirken, dass die Firmen auch bleiben, erklärt Präsident Jost Ettlin. «Firmen, die von Anfang an nach drei Jahren wieder aus dem Kanton wegziehen wollen, nehmen wir nicht.» Zwei Drittel der Büroflächen wird an Startups vermietet, zu günstigen Konditionen: Im ersten Jahr ist die Miete gratis, im dritten Jahr erst bei 5 Franken pro Quadratmeter pro Monat. «So helfen wir den Startups, Fixkosten zu reduzieren», sagt Emmanuel Hofer.

Schreibt ein Startup nach drei Jahren schwarze Zahlen, kann es nicht länger von den Vergünstigungen und Dienstleistungen (etwa Hilfe bei administrativen Aufgaben) profitieren. Ist die junge Firma noch nicht rentabel, kann sie zwei weitere Jahre bleiben. Eine der so geförderten Gründerinnen ist die Sarnerin Claudine Tanner, die mit ihrem Label Moya Kala nachhaltige Lingerie kreiert. Diesen Sommer hat sie ihre erste Kollektion herausgebracht. «Das war auch dank dem Coaching und den Räumlichkeiten von Startup Pilatus möglich», sagt sie.

Vier bis fünf Büros sind in Sarnen noch frei. «Ein paar leere Räume sind gut», betont Jost Ettlin. «Wir wollen reagieren können, wenn ein gutes Startup kommt.» Beim Coworking werde man noch nicht überrannt, ergänzt Emmanuel Hofer. «Wir werden herausfinden, ob der ländliche Raum bereit ist dafür.»

Zwischenlösung für den früheren OKB-Hauptsitz

Eine Konkurrenz für Sarner Hotels, die Seminarräume anbieten, sei man mit dem Angebot nicht, findet Jost Ettlin. «Zu uns kommen Leute eher für Sitzungen von ein paar Stunden, nicht für ein Seminar. Für Restaurants bieten wir eher eine Chance, denn unsere Nutzer gehen ja auch essen.»

Schlafen jedoch können sie unter Umständen gleich am Arbeitsplatz. Im obersten Stock des Gebäudes vermietet Startup Pilatus zwei Zimmer. «So kann man sich zum Beispiel im Winter eine Woche einmieten, bei schlechtem Wetter arbeiten und bei gutem Wetter snowboarden gehen», erklärt Hofer.

Der Standort, in den Startup Pilatus 120000 Franken investiert hat, ist eine Zwischenlösung für das Gebäude. Der Mietvertrag mit der Eigentümerin Eberli Anlagen AG, welche den ehemaligen Hauptsitz von der OKB erwarb, ist auf fünf Jahre befristet. CEO Alain Grossenbacher freut sich, dass die Räumlichkeiten genutzt werden. «Was nach den fünf Jahren geschieht, darüber bleiben wir mit Startup Pilatus im Gespräch.»

Weitere Informationen unter startup-pilatus.ch