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In Schoried und Flüeli-Ranft kommt der Milchlaster nun auf den Hof

Auf Ende Jahr schliessen gleich zwei Milchsammelstellen im Kanton. Die einen Landwirte freuen sich über die gewonnene Flexibilität, andere ärgern sich über die Umstrukturierung.
Marion Wannemacher
André Rohrer liefert an der Milchsammelstelle Flüeli-Ranft seine Milch ab. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 5. Dezember 2018))

André Rohrer liefert an der Milchsammelstelle Flüeli-Ranft seine Milch ab. (Bild: Marion Wannemacher (Flüeli-Ranft, 5. Dezember 2018))

Es ist kurz nach halb sieben am Abend. An der Milchsammelstelle im Z’Mos in Flüeli-Ranft herrscht Betrieb. Nach und nach trudeln einzelne Landwirte mit ihren Milchkannen ein. Priska Omlin, welche die Sammelstelle betreut, nimmt von jeder einzelnen Kanne eine Probe, findet für jeden ein persönliches Wort. Rund 2500 Liter Milch kommen hier zurzeit pro Tag durchschnittlich zusammen. Seit viereinhalb Jahren arbeitet Omlin hier, doch der 31. Dezember ist ihr letzter Arbeitstag. Die Milchsammelstelle schliesst.

Wie lange es die Milchsammelstelle überhaupt schon gibt, weiss niemand mehr. Vor 15 Jahren allerdings haben sich die Bauern im Flüeli zu einer Genossenschaft zusammengefunden. «Damals waren es 21 Mitglieder, jetzt sind es noch 12», erzählt Präsident Hans Rohrer.

Am Abnehmer ändert sich nichts

Auslöser für die Schliessung der Sammelstelle ist die Umstellung zweier Landwirte auf Bio-Milch-Produktion. «Dadurch fehlt uns eine Riesenmenge Milch, die Kosten für die Infrastruktur jedoch bleiben gleich hoch», sagt Hans Rohrer. Zum Thema Bio-Milch hat er seine Meinung: «In der ganzen Schweiz läuft dadurch alles auf zwei Schienen, vom Produzenten über den Transport und die Verarbeitung bis zum Konsumenten muss alles getrennt werden. Allein hier im Flüeli fahren also zwei Laster herum, einer für Bio-Milch und einer für herkömmliche», nennt er ein Beispiel. «Das ist ökologischer Blödsinn. Milch ist schliesslich Milch.»Auch in Alpnach-Schoried geht auf Ende Jahr die Milchsammelstelle zu. Künftig wird auch hier die Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) die Höfe alle zwei Tage direkt anfahren. Am Abnehmer ändert sich also nichts. Betroffen sind in Schoried neun Milchlieferanten.

Bernhard Huber, der sie die gesamten 19 Jahre geleitet hat und auch Hubers Wystübli führt, blickt der Schliessung «mit einem lachenden und einem weinenden Auge» entgegen. Nächstes Jahr werde er pensioniert, insofern komme ihm die Schliessung entgegen. So habe er mehr Zeit für seine Kunden. «Natürlich fällt auch ein Treffpunkt weg. Das ein oder andere Gespräch hat sich ergeben», räumt Huber ein. Die Stimmung sei aber nicht schlecht unter den Landwirten, schätzt er. «Bei den grösseren Betrieben ist es eher eine Erleichterung. Die, welche eine grosse Milchmenge produzieren, haben einen Tank. Für die kleineren Höfe wird es schwieriger», schätzt Huber.

Rentabler Betrieb wird immer schwieriger

So sieht es auch Simon Niederberger, Präsident des Bauernverbandes Obwalden und Kassier der Milchgenossenschaft Schoried. «Neben der Investition in den stationären oder mobilen Tank, der auf vier Grad herunterkühlt, fallen bei den kleineren Betrieben höhere Kosten an. Sie zahlen jedes Mal, wenn die ZMP den Hof anfährt.» Derzeit gibt es in Obwalden mit Alpnach und Flüeli noch 13 Sammelstellen. 1983 waren es noch 35. Pro Liter zahlten die Bauern bis jetzt im Schnitt eineinhalb bis zwei Rappen. Neu werden die Kosten pro Betrieb sehr unterschiedlich sein, da pauschal pro Halt gezahlt wird.

Für Niederberger selbst, der einen Hof mit 26 Milchkühen bewirtschaftet, bedeutet die Umstrukturierung unter dem Strich eine Erleichterung. Nach der Umstellung auf die Produktion von Bio-Milch hätte es für seinen und den Betrieb eines weiteren Landwirts einen zusätzlichen Tank für Bio-Milch an der Milchsammelstelle gebraucht. Stattdessen beschloss die Genossenschaft der Schorieder Milchbauern, die Milchsammelstelle zu schliessen.

Nun müssen Niederberger und alle anderen Landwirte die Milchsammelstelle nicht mehr zweimal täglich anfahren. Höfe, die der Milchlaster nicht anfahren kann, müssen ihre Milch zu einem benachbarten Bauern bringen. Der Tank der Milchsammelstelle ist bereits verkauft. Bruno Abächerli, Leiter des Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Obwalden spricht im Zusammenhang mit der Schliessung von Milchsammelstellen gar von einem Trend. «Früher gab es in den Gemeinden viel mehr Sammelstellen als heute. Vielleicht könnte man deren Rückgang gar mit dem Lädelisterben vergleichen. Mit dem Rückgang der Milchproduzenten beziehungsweise der Milchmenge wird es schwieriger, kleinere Sammelstellen rentabel zu betreiben», betont er.

Alternativen zur Milchproduktion suchen

Bruno Abächerli kennt Fälle von Höfen, bei denen Investitionen für die Einrichtung eines Milchtanks mit der Sanierung der Zufahrtsstrasse für den Milchtankwagen nicht mehr möglich seien. «In solchen Fällen gilt es, mit dem Beratungsdienst zu klären, ob es andere Wertschöpfungsmöglichkeiten für den Betrieb gibt», erklärt er. Dann könne geprüft werden, ob beispielsweise die Jungviehaufzucht oder andere Betriebsformen eine Alternative seien, so Abächerli.

Ein Betrieb in Flüeli-Ranft jedenfalls hat beschlossen, seinen Betrieb auf Rinderaufzucht umzustellen und liefert bereits seit Anfang November keine Milch mehr ab. Die Einrichtung eines Milchraums auf dem Hof, die bei Hofabfuhr fällig gewesen wäre, hätte nicht rentiert. Edwin Rohrer vom Hopfreben hat dagegen trotz der geringen Milchmenge von 80 Litern pro Tag beschlossen, die Milch vom Hof abholen zu lassen, «zumindest übergangsweise», wie er sagt. «Wie es weitergeht, weiss ich nicht genau.»

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