Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Unterwalden
Vorbereitet auf das Unvorhergesehene – so geht Krisenkommunikation

An einer Veranstaltung der Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Unterwalden sprach Kommunikationsexperte Simon Kopp über die Kommunikation in heiklen Momenten. Mit Beispielen aus der Praxis zeigte er die Schwierigkeit auf – und wie wichtig Vorbereitung ist.

Florian Arnold
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Ein Mitarbeiter, der Geld hinterzieht, ein tragischer Unfall, ein mysteriöser Brand: Ein unvorhergesehenes Ereignis schüttelt ein Unternehmen durch – und das entgeht auch den Medien nicht. Wer dann als Chefin oder Chef nicht gut kommuniziert, hat schlechte Karten. Aus diesem Grund widmete die Industrie- und Wirtschaftsvereinigung Unterwalden am Donnerstag eine Mittagsveranstaltung in Wilen der Krisenkommunikation.

Kommunikationsprofi Simon Kopp.

Kommunikationsprofi Simon Kopp.

Bild: Florian Arnold (Wilen, 25. August 2022)

Journalisten als Partner sehen

«Es geht um Ihre Reputationen», sagt Simon Kopp, Kommunikationsprofi und Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Luzern. In seiner Funktion steht er dann hin, wenn es um schwere Kriminalfälle geht. Als ehemaliger Moderator von SRF kennt er zudem auch die Seite des Journalismus. Die interessierten Vereinsmitglieder versuchte er davon zu überzeugen, mit Journalistinnen und Journalisten partnerschaftlich umzugehen, statt in ihnen eine Bedrohung zu sehen.

Anhand des Beispiels des Attentats in Menznau zeigte er auf, wie schnell sich die Ereignisse überschlagen können. Innerhalb von Stunden seien acht Übertragungswagen vor der betroffenen Firma Kronoswiss gestanden, unzählige Anrufe gingen ein. Die Schlagzeilen von damals verrieten, mit welchen Fragen man rechnen muss. Für Simon Kopp sind dies vor allem folgende: Was ist passiert? Wieso ist es passiert? Wer ist schuld? Und was ist die Konsequenz? Die schlechteste Antwort sei es, den Kopf in den Sand zu stecken, und nichts zu sagen. «Wer nicht kommuniziert, wird kommuniziert», so Kopp – will heissen: Wer keine Informationen liefert, öffnet Tür und Tor für Spekulationen. «Im Fall Menznah haben die Verantwortlichen sehr gut kommuniziert» bilanziert Kopp. Dennoch sei es so gewesen, dass Anwohner und Passanten Mutmassungen anstellten – was so gerne von gewissen Medien aufgenommen wurde.

Auch der Hintergrund erzählt eine Geschichte

Und wer spricht in einer Krise? Dies müsse man sich gut überlegen, meinte Kopp. In einem ersten Moment könne das die Person sein, die im Unternehmen für die Kommunikation zuständig ist. Für Kopp ist aber klar: «Wenn es Tote oder Verletzte gibt, muss die Chefin oder der Chef hinstehen.» Wer schliesslich vor die Kamera steht, sollte auf die Szenerie im Hintergrund achten: «In Krisen macht es wahrscheinlich nicht besonders Sinn, wenn man vor das eigene Firmenlogo steht – das brennt sich in den Köpfen ein», so Kopp.

Nicht vergessen sollte man in der Krise auch, den eigenen Webauftritt anzupassen. Denn wie Beispiele deutlich machten, kann dies auch zu ungewollten Zweideutigkeiten führen. Um im schwierigen Fall an all dies zu denken, rät der Kommunikationsprofi, sich in der Firma über die grössten Risiken Gedanken zu machen und einen Notfallplan zu erstellen. Denn Vorbereitung ist alles, um auf Unvorhersehbares zu reagieren.