Integration: Obwaldner übernehmen «Göttirolle» für Portugiesen

Das Pilotprojekt «Pluralps» zur Integration von Portugiesen und Immigranten aus anderen Ländern endet in diesem Jahr. Die Gemeinde Engelberg machte auch mit und plant inzwischen bereits weitere Angebote.

Marion Wannemacher
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Engelberg engagiert sich für die Integration der rund 200 Portugiesen in ihrem Dorf. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Engelberg engagiert sich für die Integration der rund 200 Portugiesen in ihrem Dorf. (Bild: KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Beatrice Durrer Eggerschwiler windet der Obwaldner Gemeinde ein Kränzchen. «In Engelberg ist man sehr offen und sensibilisiert für das Projekt. Die Zusammenarbeit ist unkompliziert». Die Dozentin der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit ist Leiterin von «Pluralps», das die Integration ausländischer Personen in ländlichen Regionen zum Ziel hat. Im September 2017 wurde es gestartet, Ende Jahr läuft es aus.

Neben Engelberg sind als weitere Regionen Täsch/Zermatt, Lauterbrunnen und St. Moritz beteiligt. Die Mittel von 7500 Franken hat die Gemeinde Engelberg gesprochen, 60 Prozent der Finanzierung werden vom Bund getragen. Weiter beteiligen sich die Hochschule Luzern und der Kanton an der Finanzierung.

«Am Schluss profitieren alle davon, auch die Gäste»

Im Klosterdorf leben rund 200 Portugiesen, teils saisonal, mit Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung oder mit Schweizer Pass. Eigentlich heisst das Projekt «Vernetzung und Zusammenarbeit mit der portugiesischen Bevölkerung in Engelberg». Es beziehe sich aber auf alle Menschen ausländischer Herkunft, betont Gemeindeschreiber Roman Schleiss. Und Beatrice Durrer Eggenschwiler ist davon überzeugt, dass nicht nur ausländische Personen etwas davon hätten: «Wenn man sich an einem Ort wohlfühlen kann, profitieren alle davon, am Schluss auch die Gäste.»

In einem ersten Schritt sei es darum gegangen, den Istzustand zu klären, Institutionen und Portugiesen miteinander zu vernetzen, berichtet der Gemeindeschreiber. Zwei Arbeitsgruppen «Schule – Eltern – Kinder» und «Arbeitswelten» haben Ende Januar einen gemeinsamen Workshop durchgeführt. Unter anderem habe sich gezeigt, wie wichtig das Thema «Frühe Kindheit» sei, für das der Kanton Obwalden derzeit eine Strategie erarbeitet. Die Workshop-Teilnehmer in Engelberg regten an, eine «Drehscheibe» zu schaffen, die zwischen Familien, Angeboten im Vorschulbereich, Institutionen im sozialen Bereich und Schule im Dorf vermitteln kann. Ein von der Hochschule erarbeitetes Konzept dazu wird von der Sozialkommission behandelt. Einer der Schwerpunkte sind schulergänzende Tagesstrukturen.

Tandempartnerschaften für Familien

Als weiterer Schwerpunkt soll ab kommendem Schuljahr ein Projekt gestartet werden, das Familien ausländischer und schweizerischer Herkunft in Tandempartnerschaften miteinander vernetzt. Als Zielgruppe geht es um Schüler aus Kindergarten und Unterstufe. Das Projekt wird von der Schulischen Heilpädagogin Bernadette Küttel und Schulsozialarbeiterin Regula Baumann Häcki an der Schule geleitet. Sie werden helfen, Familien zu finden, die zueinander passen, und das erste Treffen moderieren. Unter dem Titel «Geschichtezeyt» fand zudem Mitte April ein gut besuchter zweisprachiger Vorlese-Anlass in der Schul- und Gemeindebibliothek statt.

Eine elektronische Umfrage, bei der 34 Betriebe aus dem Bereich Hotel und Restaurant sowie Dienstleister und die Baubranche teilgenommen hatten, habe einen Bedarf an Sprachkursen ergeben, informiert Schleiss. Ab Herbst sollen Intensivkurse angeboten werden. Bis zur kommenden Wintersaison sollen die Teilnehmer diese absolviert haben, um für den Tourismus parat zu sein.

Um die Teilnahme an den Sprachkursen so attraktiv wie möglich zu gestalten, wird nächstens mit den Arbeitgebern ausgehandelt, wie man die Kurse gestalten kann. So könnten etwa Arbeitgeber die Arbeitszeit zur Verfügung stellen, die Gemeinde Lehrer und Räume. «Die Kurse müssen auf jeden Fall sehr günstig und niederschwellig sein», unterstreicht Schleiss, damit möglichst viele teilnähmen.