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Nach dem Tod seiner Frau: Obwaldner lässt sich zum Priester weihen

Mit dem Segen seiner erwachsenen Kinder und des Bistums Chur kann Andreas Pfister künftig als Priester wirken. Der Gedanke daran reifte nach dem Tod seiner Frau in ihm. Als junger Theologe konnte er sich das noch nicht vorstellen.
Robert Hess
Andreas Pfister in der Pfarrkirche seines aktuellen Wirkungsorts Kägiswil. (Bild: Eveline Beerkircher (10. April 2019))

Andreas Pfister in der Pfarrkirche seines aktuellen Wirkungsorts Kägiswil. (Bild: Eveline Beerkircher (10. April 2019))

«Ist es recht so, Herr Pfarrer?», fragte vergangenen Sonntagnachmittag in Tuggen ein junger Mann am Steuer seines Autos lachend den Beifahrer. Der 26-jährige Autolenker für die Heimfahrt nach Kägiswil hiess Tobias Pfister, Beifahrer war sein 61-jähriger Vater und Neupriester Andreas Pfister. Im Fond sassen seine zwei weiteren Kinder Juliana (23) und Rafael (19), die über die scherzenden Worte ihres älteren Bruders ebenfalls herzlich lachen mussten, wie Vater Andreas Pfister später im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.

Der Kägiswiler Diakon und Gemeindeleiter Andreas Pfister hatte an jenem Wochenende ein Mammutprogramm. Am Samstag wurde er in der Schwyzer St.-Martins-Kirche mit acht andern Diakonen – darunter ein weiterer verwitweter Familienvater aus dem Kanton Zürich – vom Churer Bischof Vitus Huonder zum Priester geweiht. Am Sonntag feierte Pfister in Tuggen, wo er geboren und aufgewachsen war, seine Heimat-Primiz – die erste heilige Messe – mit Volksapéro und Mittagessen unter Freunden und Verwandten. Am späteren Nachmittag fuhr Familie Pfister heim nach Kägiswil, an den Arbeits- und Wohnort des Vaters. Der feierlichen Nachprimiz im Abendgottesdienst folgte ein Volksapéro vor der Kirche zum Abschluss der Priesterweihe.

Frau ist vor zwei Jahren gestorben

Der diplomierte Theologe Andreas Pfister war seit 1992 mit Verena Pfister-Brägger verheiratet und wurde Vater von drei Kindern. Nach einer mehrjährigen Leidenszeit starb seine Frau im August 2017 an Krebs. Während der 25 Ehejahre war Pfister stets als Pastoralassistent, ständiger Diakon und Gemeindeleiter in Schattdorf, Alpnach und Kägiswil tätig. «Meine Frau hat mein Leben im Dienste der Kirche stets geteilt, bis wir sie loslassen mussten», blickt er zurück. «Drei Monate nach dem Tod meiner Frau ist der Gedanke gereift, Priester zu werden.» Es folgten Gespräche mit seinen Kindern, die hinter dem Entscheid standen, sowie Kollegen und Freunden, darunter auch Priester. «Im September 2018 machte ich den inzwischen gefassten Entschluss, Priester zu werden, öffentlich und bot diesen Dienst dem Bistum an.»

Er würde den Zölibat abschaffen

Nach wie vor gilt bei katholischen Priestern der Pflichtzölibat, die Ehelosigkeit. «Mit dem Tod der Ehefrau – aber nicht nach einer Scheidung – besteht dieses Weihehindernis nicht mehr, wie aus dem Kirchenrecht hervorgeht», erklärt Pfister. Persönlich würde er viel weitergehen: Seiner Meinung nach müsste der Pflichtzölibat abgeschafft werden.

Nach dem Entscheid, Priester zu werden, musste Kandidat Pfister seine Eignung mit Referenzen und vielen Gesprächen «mit Chur» belegen. Keinen Nachhofbedarf hatte er im Ausbildungsbereich. Nach seiner kaufmännischen Lehre hatte er auf dem zweiten Bildungsweg die Matura B absolviert und 1989 sein Theologisches Studium in Chur mit Diplom abgeschlossen. Seither stand er stets im Dienste der Kirche. Im Klaren war sich der Kandidat auch, dass er in seinem Leben keine Ehe mehr eingehen wolle. «Ich habe aber gar keine Probleme mit Frauen.»

Im September wird er Kägiswil in Absprache mit Martin Kopp, Generalvikar für die Urschweiz, verlassen und in Küssnacht künftig mitarbeitender Priester sein – mit einer Gemeindeleiterin an der Spitze. Mit Jahrgang 1957 ist er bald im Pensionsalter. «Darüber mache ich mir keine Gedanken, denn ich möchte noch etwa zehn Jahre als Priester arbeiten, wenn es die Gesundheit zulässt.» Er hat wenig Ehrgeiz, selber eine Pfarrei zu übernehmen. Vor allem nicht in einer kleinen Gemeinde, «denn ich habe gerne viele Menschen unterschiedlicher Art in meiner Umgebung.»

Priester zu werden, war in jungen Jahren kein Thema

Weshalb wollte er nicht schon in jungen Jahren Priester werden? Er sagt, er habe seinerzeit den Beruf als Theologe aus voller Überzeugung gewählt. «Doch ein geweihter Priester erschien mir damals irgendwie zu entrückt, zu weit weg vom Volk. Ich wollte im Dienste der Kirche stets möglichst nahe bei den Leuten sein.» Einen Mann in der Mitte und nicht am Rande wie heute wünscht er sich auch als neuen Bischof. «Er müsste unbedingt Brückenbauer für viele Menschen sein.»

Auch als Priester bleibt ihm seine Familie sehr wichtig. Trotz einer kleinen Wohnung in Küssnacht wird er die Brücke zu Obwalden nicht abbrechen. Das Grab seiner verstorbene Ehefrau ist in Alpnach. Der jüngere Sohn ist noch in der Lehre und so plant er, bei seinen Söhnen in einer Alpnacher Wohngemeinschaft ein Zimmer zu belegen. Keine Frage, dass sich Andreas Pfister immer freuen wird, in Obwalden Bekannte zu treffen.

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