Jagdgesetz

Nach Wolfsrissen erhalten Obwaldner Tierhalter den vollen Marktwert

Die Regierung sieht keinen Anlass für Ergänzungen im Jagdgesetz und lehnt eine Motion ab, weil die Anliegen bereits erfüllt seien.

Philipp Unterschütz
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Ein Wolf im Tierpark Goldau.

Ein Wolf im Tierpark Goldau.

Bild: Romano Cuonz

Tierhalter, deren Nutztiere durch Wölfe gerissen oder verletzt wurden, seien zu entschädigen. Die Entschädigung soll dabei in Höhe des Marktwerts der Tiere liegen. Dies forderte der Fraktionschef der CVP im Kantonsrat, Marcel Jöri aus Alpnach, im Oktober in einer Motion. Die Regierung solle das Jagdgesetz und die Verordnung entsprechend anpassen. Das ist nicht nötig, hält nun die Regierung in ihrer Antwort fest und beantragt beim Kantonsrat, die Motion an dessen Sitzung vom 28. Januar abzulehnen.

Marcel Jöri

Marcel Jöri

Bild: Obwaldner Zeitung

Marcel Jöri ging in seinem Vorstoss davon aus, dass nach der Ablehnung des Jagdgesetzes die Wolfspopulation ungehindert zunehmen könnte und die Massnahmen zum Schutz der Nutztiere die Halter zu massivem Mehraufwand zwingen würden. Der wirtschaftliche Schaden müsse deshalb voll abgedeckt werden, um zu verhindern, dass gewisse Alpen oder Weideflächen nicht mehr bewirtschaftet würden.

Kanton hält sich an Bundesvorgaben und zahlt vollen Marktwert

Die Regierung hält dagegen fest, dass vom Wolf gerissene Nutztiere den Haltern bereits früher und auch weiterhin zum Marktwert entschädigt werden. Der Bundesrat hat in der Jagdverordnung festgehalten, dass er 80 Prozent der Kosten von Wildschäden vergütet, sofern der Kanton die Restkosten von 20 Prozent übernimmt. Zudem wende der Bund bei Schäden durch Wölfe die Bedingung nicht an, dass die Geschädigten zumutbare Massnahmen zur Verhinderung unternommen haben müssen. In der kantonalen Jagdverordnung seien die Vorgaben des Bundes übernommen worden, so die Regierung weiter. «Bei der Prüfung, ob Schäden, die der Wolf verursacht hat, abgegolten werden, hat sich der Kanton immer an die Vorgaben des Bundes gehalten.»

Ob ein Ereignis einem Wolfsangriff zugeordnet werden kann, beurteilt die kantonale Wildhut aufgrund der Rissbilder und teilweise auch unter Zuhilfenahme von DNA-Spuren. «Grundlage für die Ermittlung der Entschädigung bildet im Kanton die Einschätztabelle des Schweizerischen Schafzuchtverbandes. Somit ist sichergestellt, dass der aktuelle Marktwert entschädigt wird», heisst es in der Antwort der Regierung.

Abgelehntes Jagdgesetz hätte Tierhalter mehr in Pflicht genommen

Herdenschutzmassnahmen seien also nicht Voraussetzung für die Entschädigung von Schäden, die der Wolf verursacht habe, schreibt die Regierung und verweist darauf, dass dies jedoch bei Annahme der Revision des Jagdgesetzes durch das Volk der Fall gewesen wäre. Schafhalter wären dann stärker in die Pflicht genommen worden und hätten zum Schutz der Herden Zäune errichten oder Schutzhunde zur Bewachung halten müssen, um eine Entschädigung für Wolfsrisse zu erhalten.

Für die Regierung sind die Anliegen der Motion somit erfüllt. Sie sieht keinen Anlass, das kantonale Jagdgesetz zu ergänzen. Man werde auch weiterhin an der bisherigen Praxis festhalten, dass Nutztiere nach Wolfsrissen zum Marktwert entschädigt würden und dass dafür keine Herdenschutzmassnahmen Voraussetzung seien. Nur wenn der Bund vorgeben würde, dass die Ausrichtung von Entschädigungen zwingend an Schutzmassnahmen geknüpft sind, müsste das kantonale Recht an Bundesrecht angepasst werden.