Jodlernachwuchs sorgt in Engelberg für frischen Wind

Ein Jugendchor des Eidgenössischen Jodlerverbandes übte sich in Engelberg an fünf Tagen im gepflegten Jodelgesang. Ausbildung und Spass waren dabei nicht zu trennen.

Primus Camenzind
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In Engelberg wurde fünf Tage gejodelt.

In Engelberg wurde fünf Tage gejodelt.

Bild: Primus Camenzind
(12. August 2020)

Das Klosterdorf in der Wochenmitte: Im Hochtal «räkelt» sich die Natur im Sommerlicht. Am Fusse des Hausbergs Hahnen steht das attraktive Ferienhaus Alphorn, aus dessen oberem Stockwerk am frühen Mittwochnachmittag sanfte Klänge eines Jodelchors entweichen. In dieser faszinierenden Umgebung frönten vom 10. bis 14. August rund 25 Jugendliche dem mehrstimmigen Singen. Ausserdem standen die Verbesserung der eigenen Stimme und die gezielte individuelle Förderung im Mittelpunkt.

Viel Begeisterung und Talent

«Der Chor ist dieses Jahr nicht ganz so gross wie 2019, als wir das Lager zum ersten Mal durchführten. Das kommt uns wegen Corona und den notwendigen Schutzmassnahmen nicht ungelegen», sagt Emil Wallimann, der in Ennetbürgen lebende Initiant und Präsident der Fachkommission Jodelgesang im EJV. Die Durchführung des Jugendchorlagers sei nur ein Angebot im Rahmen des EJV-Aktionsplans zur Stärkung des Nachwuchses. In Engelberg gehen Ausbildung und Spass Hand in Hand. «Kaum vorstellbar, was hier nach einem anspruchsvollen Tagewerk am Abend im Speisesaal noch alles abgeht: Es folgt ein Lied aufs andere, das Repertoire der jungen Frauen und Männer aus der ganzen Deutschschweiz scheint unerschöpflich.» Und weiter:

«Das Jugendchorlager ist etwas vom Schönsten und Dankbarsten, das ich jemals veranstalten durfte.»

Wallimann betont, dass es sich nicht um einen Elitechor handelt. Ungleich den Auswahlverfahren für Sommerlager im Bereich Instrumentalmusik drängt sich eine Selektion beim Jodlernachwuchs gar nicht auf. «Junge Frauen und Männer zwischen 15 und 21 Jahren bringen nämlich schon recht viel Qualität und Interesse am Jodelgesang mit, wenn sie sich für Engelberg anmelden.» Sie leiten nicht selten Kinderchöre ihrer Region, in denen meistens nur zweistimmig gesungen wird. «Bei uns wird jedoch drei- und vierstimmig gesungen», sagt Wallimann und betont: «Das ist eine echte Herausforderung!» Das Repertoire, welches im Lager eingeübt wird, ist von Emil Wallmann für das Ensemble in geeigneter Form arrangiert.

In unserer Gegenwart feilt der Chor unter der Leitung von Natascha Monney am berührenden Lied «Rosezyt» von Emil Grolimund/F. Huber. Es geht vor allem um Artikulation, Atemtechnik, Präzision, Ausdruck und reine Stimmung. Zum Liedgut dieser Woche gehören unter anderem auch «Luegid vo Bärg und Tal» (F. Huber/J.A. Henne); «Spottliedli» (H.J. Leuthold/W. Käslin); das offizielle Jugendchorlagerlied «Zämä singä» (Emil Wallmann/Robi Kuster) und «Am Himmel staht es Stärnli» (A. Beul).

Zu Hause etwas bewegen

Eine Pause ist angesagt. Die Chormitglieder begeben sich hinters Ferienhaus ins Freie, setzen sich in ihre eigene Gartenwirtschaft, trinken etwas und nehmen ein Stück Kuchen oder Früchte zu sich. Was diese «fest geerdeten jungen Menschen», wie Wallimann sagt, jedoch nicht von Ihresgleichen ausserhalb der Jodelszene unterscheidet, ist die Tatsache, dass auch ihre allererste Aufmerksamkeit zu Beginn der Pause dem Handy gilt.

Wir sprechen mit Roy Huber (20) aus Bauma im Zürcher Oberland. «Den Frauen im Chor gegenüber sind wir numerisch etwas im Hintertreffen, aber damit kommen wir klar, denn sie unterstützen uns entsprechend», sagt er. Roy singt seit 2016 im heimischen Jodelklub mit. «Ich probiere, ab und zu dank meiner Ausbildung zu Hause im Verein einige Inputs zu vermitteln. Das klappt hie und da, aber bei der alten Garde halt nicht immer», meint er. Seraina Hug (21) aus Paspels im bündnerischen Domleschg vermisst zu Hause eine gewisse Tradition und Existenz von Jugendchören. «Deshalb bin ich glücklich, dass ich zusammen mit meiner Schwester hier das notwendige Rüstzeug holen kann, um in unserer Region etwas in Bewegung zu bringen.» Seraina ist mit den Männern im Chor, obwohl in der Unterzahl, äusserst zufrieden. Sie betont:

«Die machen das sehr gut, hoffentlich kommen nächstes Jahr wieder einige mehr dazu.»

Wie aus dem Nichts beginnt eine kleine Gruppe, mitten in der Pause ein Jodellied anzustimmen. Es entwickelt sich aus der anfänglichen Schüchternheit zu einem prächtigen Intermezzo und wird von allen anderen Chormitgliedern mit Applaus goutiert. Wir erinnern uns dabei an die Äusserungen von Emil Wallimann: «Unglaublich und für mich immer wieder faszinierend, was hier in diesen fünf Tagen entsteht.»