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JUBILÄUM: Atelier Schnittpunkt: Von Extravaganz bis zur einfachen Kutte

Das Atelier Schnittpunkt feiert Geburtstag. Vor 20 Jahren wurde der Trägerverein gegründet. Er hält der Ausbildungsstätte für Bekleidungsgestalterinnen bis heute den Rücken frei. Zum Jubiläum gibt’s eine Modenschau.
Seraina Waser (vorne rechts) schneidet im Atelier einen Stoff zu (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 14. März 2018))

Seraina Waser (vorne rechts) schneidet im Atelier einen Stoff zu (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 14. März 2018))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Im Atelier herrscht emsige Arbeitsatmosphäre. Das Radio spielt leise Popmusik. Eine der Auszubildenden ist im Nachbarraum am Glätten, Seraina Waser hat die Teile des Schnittmusters auf den blauen Seidenstoff gesteckt und schneidet die Einlagen zu. Sie stabilisieren den Stoff. Sie sei an einem bodenlangen Seidenkleid, erklärt sie mit strahlenden Augen. Sie freue sich über den besonderen Stoff, der eine besondere Technik verlange: Die Nähte müssen vor dem Nähen abgeklebt werden, damit diese nicht ausreissen.

Die 18-Jährige aus Wolfenschiessen ist im dritten Lehrjahr. Für sie stand von Anfang an fest, dass sie Bekleidungsgestalterin werden wollte. «Ich habe in der Oberstufe nur hier eine Schnupperlehre absolviert. Danach bewarb ich mich auch nur hier um eine Lehrstelle.» Zum Glück klappte es mit dem Ausbildungsplatz. Genauso froh ist Laura Flück aus St. Niklausen, zweites Lehrjahr. «Ich habe mich sehr gefreut über meine Lehrstelle.» Seraina und Laura sind zwei von aktuell elf Auszubildenden im Atelier Schnittpunkt. Dieses bietet seit knapp 20 Jahren jungen Menschen aus Ob- und Nidwalden die Möglichkeit, den Beruf des Bekleidungsgestalters zu erlernen. Insgesamt rund 50 Schneiderinnen wurden schon ausgebildet. Nach der Lehre studieren manche von ihnen Modedesign, Schnittechnik, lernen an der Pädagogischen Hochschule das fachtechnische Gestalten oder arbeiten im Textilverkauf.

Gut die Hälfte des Budgets wird erwirtschaftet

Den Anstoss dazu gab vor 20 Jahren Marta Saladin, Bekleidungsgestalterin in Alpnach. «Damals gab es viele Lehrateliers, nur nicht in Ob- und Nidwalden», erzählt Rosmarie Amstutz, Präsidentin des Trägervereins. Die Kantone gaben eine Anschubfinanzierung, der Wohnkanton der Lernenden zahlt das Schulgeld. Der Trägerverein aber hält seit Gründung der Ausbildungsstätte den Rücken frei. Er zählt 140 Mitglieder. Insgesamt wird gut die Hälfte des Budgets durch den Umsatz erreicht, die andere Hälfte kommt durch Schulgelder und Mitgliederbeiträge zusammen.

«Im Atelier Schnittpunkt produzieren wir so schnell wie möglich realitätsnah. Die Lernenden werden auf Wirtschaftlichkeit getrimmt und müssen Qualität bringen», betont Atelierleiterin Aline Conrad. Dazu gehöre der Zeitdruck, auch lernten die Auszubildenden mit den Kunden umzugehen, sie zu beraten und zu betreuen.

Die angehenden Schneiderinnen liefern Qualitätsprodukte, die ihren Preis haben. An der Wand hängt ein extravaganter Blazer mit Spitzenbesatz an den Taschen und bezogenen Knöpfen für über 700 Franken. «Zu jedem Modell gehören zwei bis drei Anproben», erklärt Aline Conrad. Bei den ersten Anproben legt der Kunde eine Moulure an, eine Art Prototyp in roher Baumwolle. Dadurch kann der Schnitt präzisiert werden. Das Schnittmuster wird erst in der perfekten Passform auf den Stoff übertragen.

An die 250 Kleider hat das Atelier Schnittpunkt im vergangenen Jahr gefertigt. Dazu zählen 80 Hosen, 36 Jupes, 13 Kleider und 25 Mäntel und Jacken. Die Kunden sind meist weiblich, kommen aus Ob- und Nidwalden, aber auch aus Zürich, jemand stamme gar aus Chur, erzählt die Atelierleiterin, wo sie selbst ihre Ausbildung absolviert hat. Wer leistet sich ein massgeschneidertes Kleidungsstück? «Kunden, denen das Handwerk wichtig ist, denen es um faire, transparente Produkte geht oder solche, die in den normalen Konfektionen nicht fündig werden», antwortet sie.

Lernende haben eigene Kollektion kreiert

Die Schneiderinnen – zur Zeit sind es nur Frauen – nähen auch für Patres Umhänge und Kutten, Kleider für Ministranten und Erstkommunikanten sowie Fasnachtsgewänder. «Zum Teil berechnen wir auch nur den Stoff, und passen die Schnittmuster verschiedenen Grössen an, wenn jemand sein Fasnachtskleid selbst nähen möchte», erzählt die Atelierleiterin. Und auch das gibt es: die Hobbyschneiderin, die sich für ihr Kleidungsstück aufwendigere Details wie Knopflöcher oder Taschen professionell fertigen lässt.

Wie feiert das Atelier sein Jubiläum? Klar: mit einer Modeschau. Am Samstag werden die Lernenden ihre eigene Kollektion vorführen. Zudem haben vier von ihnen Jupes entworfen, die zu einem Jubiläumspreis auf den Leib geschneidert werden.

Hinweis

Öffentliche Modenschau «Grenzenlos» am Samstag, 24. März, um 13 und um 14 Uhr.

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