Giswil
Zwei Jungunternehmer nutzten ihre Chance

Ehemalige Maler-Lehrlinge der Slanzi Malen Gipsen AG führen den Gewerbebetrieb in die Zukunft.

Robert Hess
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Der 33-jährige Severin Burch und der 30-jährige Ruben Sivanadiyan (von rechts) haben die 1973 gegründete Giswiler Firma Slanzi Malen Gipsen AG von Kurt und Susanne Slanzi übernommen.

Der 33-jährige Severin Burch und der 30-jährige Ruben Sivanadiyan (von rechts) haben die 1973 gegründete Giswiler Firma Slanzi Malen Gipsen AG von Kurt und Susanne Slanzi übernommen.

Bild: Robert Hess (Giswil, 2. März 2021)

«Für uns bedeutet diese Nachfolgeregelung eine Win-win-Situation», erklären die bisherigen Firmeninhaber Kurt und Susanne Slanzi-Burch im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Einzelfirma Kurt Slanzi Malergeschäft, Giswil, ist im Oktober 1973 gegründet worden. «Als Werkstatt diente damals ein alter Stall in Giswil», berichtet der heute 68-jährige Altmeister Kurt Slanzi. «1982 haben wir das Gebäude mit Wohnhaus und Werkstatt im Mühlemattli 12 bezogen», so Slanzi weiter.

1988 und 1990 eröffnete der aufstrebende Gewerbebetrieb Filialen in Meiringen und Hasliberg und 2007 konnte ein Malergeschäft in Rothenburg übernommen werden. 2011 wurde aus der bisherigen Einzelfirma die Slanzi Malen Gipsen AG mit heute zwischen 30 und 35 Mitarbeitenden.

Nachfolge regeln oder verkaufen?

In den vergangenen Jahren stellten sich bei Kurt und Susanne Slanzi vermehrt Fragen zur Zukunft des Unternehmens. Ihre vier erwachsenen Kinder hatten keinen Bezug zum Maler- und Gipsergeschäft, sodass eine Nachfolgeregelung innerhalb der Familie kein Thema war. «Doch unser Lebenswerk an irgendeinen ‹Fremden› zu verkaufen, hätte wehgetan», sagt Susanne Slanzi.

Auf Umfragen innerhalb der Firma, das Geschäft zu übernehmen, kamen vorerst Absagen. Dann aber fassten sich die ehemaligen Malerlehrlinge Ruben Sivanadiyan aus Lungern und Severin Burch aus Giswil ein Herz. «Weshalb sollten wir diesen Schritt nicht wagen, haben wir uns damals gefragt», so der heute 30-jährige Ruben und der 33-jährige Severin. «Denn wir sind gute Kollegen, haben bei Slanzis die Lehre absolviert und sind nach der Rekrutenschule dem Lehrbetrieb treu geblieben, wobei Severin gar noch Durchdiener im Militär war. Zudem haben wir uns laufend weitergebildet und verstehen uns mit der Familie Slanzi sehr gut.» Sie entschlossen sich deshalb, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und damit auch die bestehenden Arbeitsplätze zu sichern.

Weg führte über eine neue Aktiengesellschaft

«Für uns war der mutige Entscheid der beiden Jungen wie ein Sechser im Lotto», so Kurt und Susanne Slanzi heute. Allerdings waren vor der Geschäftsübergabe noch einige Hürden zu überwinden. «Denn wir hatten kein Kapital, um den Betrieb zu kaufen», weist der in Lungern aufgewachsene Ruben auf die damalige Ausgangslage hin. Glücklicherweise konnten die «designierten» Jungunternehmer auf die grosse Unterstützung aus dem Kreis von Banken und sonstigen Institutionen sowie Bekannten zählen. So erwarb eine neu gegründete Aktiengesellschaft mit Verwaltungsratspräsident Jost Ettlin an der Spitze, einen Teil des Betriebes, inklusive des bisherigen Firmennamens Slanzi Malen Gipsen AG. Dazu gehörten Werkstatteinrichtungen, das Lager, die Verträge, der gesamte Kundenstamm sowie die rund 30 Mitarbeitenden.

Dieses Vorgehen bot den beiden neuen Chefs gute Voraussetzungen, den Traditionsbetrieb Slanzi ab Januar 2020 selbstständig und erfolgreich weiterzuführen. Eigentümerin der bestehenden Immobilien im Mühlemattli 12 blieb die Slanzi Immobilien AG.

Weiter erstellte die Wabet Holding AG im vergangenen Jahr das neue Wohn- und Geschäftshaus Mühlemattli 10 mit einer grossen modernen Maler- und Gipser-Werkstätte. Diese beiden Geschäftszweige bilden zusammen mit dem Fassadenbau auch künftig die Haupttätigkeit des Giswiler Gewerbebetriebes.

«Ein hartes erstes Geschäftsjahr»

Nicht halt machte das Coronavirus vor Ruben Sivanadiyan und Severin Burch. So musste unter anderem der Tag der offenen Türe vom vergangenen 31. Oktober 2020 wegen Ansteckungsgefahr abgesagt werden.

«Es war ein hartes erstes Geschäftsjahr», bilanziert Severin Burch. Vor allem auch, weil beide Chefs derzeit noch im Lehrgang zur Meisterprüfung sind. Sie haben deshalb das Angebot von Kurt und Susanne Slanzi gerne angenommen, sie im Angestelltenverhältnis noch bis Ende 2021 zu unterstützen.

«Dass der Start nicht leicht sein wird, waren wir uns stets bewusst», sagt Geschäftsleiter Ruben Sivanadiyan heute. «Doch eine Chance wie diese, verbunden mit der grossen Hilfe von Menschen aus unserer Umgebung, kommt nur einmal im Leben. Es ist gut, dass wir sie genutzt haben.»