«Juntos Por Olón»: Ein Obwaldner unterstützt in Ecuador die Einheimischen

Der Sarner Stefan Previti ist nach Ecuador gereist, um für einige Zeit ein Café zu führen. Eigentlich wäre er bereits wieder zurück – doch seine Pläne haben sich abrupt geändert.

Florian Pfister
Drucken
Teilen
Das Militär dient zum Schutz - damit die Leute Abstand halten. Stefan Previti (kniend) ist Teil der Hilfsorganisation «Juntos Por Olón».
26 Bilder
Die Essensverteilung findet mit Schutzanzug statt.
Jede Person erhält gleich viel.
 Eine Familie freut sich über ihr Nahrungspaket.
Ein Mann holt sein Essenspaket.
Die Pakete werden vorbereitet.
 Einige Säcke stehen schon bereit, andere müssen noch gefüllt werden.
Eine Familie wartet auf ihr Essenspaket. Über Facebook informiert die Organisation, in welchem Sektor sie die Nahrungspakete austragen wird.
Ein Mitglied der inoffiziellen Organisation bereitet Essenspakete vor.
Jenny Bayer ist die Gründerin der Hilfsorganisation «Juntos Por Olón».
Stefan Previti. Er macht viele Fotos vom Dach des LKW, auf dem er hier steht.
Eine Familie hat ihr Essenspaket erhalten.
Die Personen im Schutzanzug haben das Nahrungspaket für eine Familie hingelegt.
Die Nahrungspakete werden verteilt.
Leute warten, dass ihr Name aufgerufen wird.
Eine weitere Person erhält ihr Essenspaket.
Ein Mann holt sein Essenspaket.
Eine Familie wird gerade auf die Liste aufgenommen.
Ein Bild zu Anfangszeiten des Coronavirus. Das Militär schaut, dass die Abstände eingehalten werden.
Eine Frau bedankt sich.
Schutzmasken sind Pflicht - auch bei bei der Übergabe der Pakete.
Der wöchentliche Grosseinkauf für die Essensverteilung wird in den LKW geladen.
Eine Frau freut sich über ihr zugebrachtes Essen.
Daumen hoch für die Arbeit der Organisation.
Das Team der Organisation «Juntos Por Olón».
Stefan Previti will voraussichtlich im Juli zurück in die Schweiz fliegen.

Das Militär dient zum Schutz - damit die Leute Abstand halten. Stefan Previti (kniend) ist Teil der Hilfsorganisation «Juntos Por Olón».

Bilder: PD

Über 10'000 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Sarnen und dem kleinen Dorf Olón in Ecuador. An diesem Ort an der Westküste Südamerikas hat sich Stefan Previti einquartiert. Zum dritten Mal verbrachte er die Wintermonate dort. Die ersten beiden Male ging der Obwaldner des Surfens wegen für ein paar Monate nach Übersee. In diesem Winter führte er ein Café und ist nun ein wichtiger Bestandteil einer lokalen Hilfsorganisation.

Der Sarner reiste im Dezember nach Südamerika. «Es ist die Zeit, in der man in Ecuador surft. Es hat gute Wellen», erklärt Stefan Previti den Grund, warum er bereits mehrfach in das Land reiste. «Ich bin zwar auch Wintersportler in der Schweiz, aber die Kälte habe ich nicht so gern.» Nun führte er zum ersten Mal ein eigenes Geschäft. Er übernahm leihweise für ein paar Monate ein Café von seiner Mitbewohnerin in Ecuador, da diese studieren gehen wollte. Der 32-Jährige hat bereits in der Schweiz Erfahrungen im Gastronomiebereich gemacht: Als gelernter Kaufmann wagte er den Quereinstieg und wurde belohnt. Bei Pastarazzi in Luzern fungierte er zuletzt als Manager.

Stefan Previti.

Stefan Previti.

Bild: PD

Organisation hilft mit Nahrungspaketen

Geplant gewesen wäre, das Café wieder zurückzugeben und Mitte Mai zurück in die Schweiz zu fliegen. Doch es kam anders. Stefan Previti musste das Café schliessen, als es besonders gut lief. Die Regierung in Ecuador schloss wie in der Schweiz aufgrund des Coronavirus die Gastronomiebetriebe. «Ich war enttäuscht. Wie viele andere hatte ich die Situation nicht kommen sehen», erzählt er. Bis knapp einen Monat nach der Schliessung bot er einen Take-away-Service an, welchen er dann aber aufgab. «Der Aufwand und der Ertrag stimmten nicht überein.»

Previti hörte während dieser Zeit von einer Organisation, die kurzerhand von der Deutschen Jenny Bayer gegründet worden war. Sie unterstützt die Bewohner von Olón, indem sie wöchentlich Nahrungspakete ausliefert. Stefan Previti rief Freunde aus der Schweiz und Bekannte von seinen Reisen dazu auf, für die Organisation zu spenden. «Es kam viel mehr zusammen, als ich dachte», erzählt er.

«Ich entschloss mich, gleich selbst mit anzupacken und nicht zurück in die Schweiz zu reisen. Seit acht Wochen organisieren wir nun die Nahrungspakete.» Neben der Gründerin und Previti helfen zehn Einheimische und je eine ortsansässige Französin und Mazedonierin mit. Die Organisation ist nirgends eingetragen. Man hilft sich, wo man kann. «Wir sind finanziell langsam am Ende der Kapazität und schauen, wie lange wir das noch machen können. Ein Nahrungspaket kostet etwa zehn Franken. Mit wenig ist schon viel getan.» Von solch einem Essenspaket kann sich eine Familie drei bis vier Tage ernähren. Die Organisation beliefert das Dorf und die anliegenden Ortschaften sektorweise. Dazu hat sie eine Liste aller Haushalte erstellt.

In Ecuador muss die Bevölkerung zu Hause bleiben

Die Coronamassnahmen sind in Ecuador strenger als in der Schweiz und sind auch alle noch in Kraft. Es herrscht eine Ausgangssperre. Die Bevölkerung darf nur zum Einkaufen von 5 Uhr morgens bis 14 Uhr nachmittags nach draussen. Am Nachmittag darf die Organisation «Juntos Por Olón» (zu deutsch: «Zusammen für Olón») die Nahrungspakete ausliefern. Abends beschäftigt sich Stefan Previti zu Hause beispielsweise mit kochen und zeichnen. Seit dem Ausbruch des Coronavirus praktiziert er täglich Yoga.

Der in Giswil aufgewachsene Gastronom reist für sein Surf-Hobby fleissig um die Welt. Das kleine Dorf Olón hat es ihm besonders angetan. Der Weltenbummler vergleicht die Grössenverhältnisse mit Sarnen. Er arbeitete während seines ersten Aufenthalts in Ecuador als Volontär bei einem lokalen Surfclub, im zweiten Jahr selbst als Surflehrer. In dieser Zeit hat er viele Freundschaften geschlossen. Stefan Previti spricht aufgrund seiner Abstammung Italienisch. Das verhalf ihm, Spanisch zu verstehen, da sich die zwei Sprachen ähneln. «Durch das Volontariat wurde mein Spanisch fliessender», erzählt er.

Stefan Previti (kniend) liefert im Schutzanzug Nahrungspakete in Ecuador aus.

Stefan Previti (kniend) liefert im Schutzanzug Nahrungspakete in Ecuador aus.

Bild: PD

Im Juli soll es zurück in die Schweiz gehen

Auf die Frage nach dem Vergleich von Ecuador und der Schweiz sagt Stefan Previti: «Die Schweiz ist eher eine Arbeitsgesellschaft, in der man sich seine individuellen Luxusgüter kaufen kann. Seien es teure Hobbys, Autos oder wie bei mir das Reisen. Ecuador ist eine Gesellschaft, deren Luxusprodukt die Zeit ist. Man legt viel Wert auf die Freizeit und ist mit weniger schneller glücklich. Ausserdem ist das Leben in Ecuador vergleichsweise günstig.»

Normalerweise hatte der Obwaldner während seiner Auslandsreisen noch Miete gezahlt, weil er seine Wohngemeinschaft in Sarnen nicht aufgeben wollte. Dieses Mal sieht es anders aus. Er hat seinen Managerjob und seine Wohnung gekündigt. Im Juli sollen die ersten offiziellen Flüge in die Schweiz stattfinden. Dann soll es für ihn wieder zurück in die Heimat gehen. Wohin es Stefan Previti nach seiner Rückkehr verschlägt, weiss er noch nicht. Für ihn ist es trotz aller Freundschaften in Ecuador ein Heimkommen. «Ich fühle mich wohl in Obwalden. Dort, wo meine Familie ist, ist auch mein Zuhause.»

Wer sich mehr für die Organisation interessiert: facebook.com/juntosporolon.

Mehr zum Thema

Ecuador stellt wegen Corona-Pandemie hunderte Mediziner ein

Zur Bekämpfung der grassierenden Corona-Pandemie stellt Ecuador Hunderte neue Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger ein. Insgesamt würden 606 zusätzliche Mediziner angeheuert, teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch (Ortszeit) mit.