Kägiswil
Auszeichnung: Dieses Doppelhaus ist ein Vorzeigeobjekt für die Obwaldner Energiepolitik

Ein Doppel-Einfamilienhaus in Kägiswil produziert mehr als doppelt so viel Strom, wie es selber braucht. Nun wurden die Bauherren mit einem Energiepreis ausgezeichnet.

Markus Villiger
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Der Obwaldner Energiedirektor Josef Hess überreichte in Kägiswil das Diplom für einen Plus-Energie-Bau (PEB) für das Doppel-Einfamilienhaus an der Kreuzmatte. Die Bauherrschaft, Peter und Katrin Laasner-von Wyl, freut sich über die Auszeichnung. In seiner gehaltvollen Ansprache hielt Hess fest: «Herzlichen Dank, dass ich hier stehen und einen Preis überreichen darf, der eigentlich gar nicht von mir stammt. Denn es ist die Solar-Agentur Schweiz, die das PEB-Diplom verleiht und damit ein energetisch besonderes herausragendes Objekt, ein Vorzeigeobjekt im Zeitalter der Energiewende, ehrt.»

Die Preisübergabe mit Architekt Michael Limacher, Bauherr Peter Laasner, Energiedirektor Josef Hess, Bauherrin Katrin Laasner-von Wyl und Dominik Lussi, Projektleiter der Planteams AG (von links).

Die Preisübergabe mit Architekt Michael Limacher, Bauherr Peter Laasner, Energiedirektor Josef Hess, Bauherrin Katrin Laasner-von Wyl und Dominik Lussi, Projektleiter der Planteams AG (von links).

Bild: PD

Energiepolitik spiele auch in Obwalden seit Jahren eine wichtige Rolle, so Hess weiter. Vor zwölf Jahren verabschiedete der Regierungsrat das Energiekonzept 2009. Kürzlich nahm er vom zugehörigen Schlussbericht und der Erfolgskontrolle Kenntnis. Energiedirektor Hess sprach von einer erfreulichen Schlussbilanz. Pro Kopf der Bevölkerung konnte zwischen 1990 und 2020 der Verbrauch fossiler Energien in Gebäuden, Industrie und Gewerbe um 31 Prozent gesenkt werden. Auch der Verbrauch fossiler Energien im Verkehr zeichnete sich in den letzten 20 Jahren durch ein Minus von 18 Prozent pro Kopf aus. Der Stromverbrauch ist in der gleichen Zeit um drei Prozent pro Kopf gestiegen, womit das Ziel des Energiekonzepts 2009 – weniger als fünf Prozent Anstieg zu erreichen – ebenfalls erreicht wurde. Im Berichtszeitraum ist auch die Produktion erneuerbarer Wärme auf 16 Prozent des Wärmeverbrauchs und die Produktion erneuerbaren Stromes – ohne Wasserkraft – auf 3,7 Prozent gestiegen.

«Die bedeutendste Strom-Energiequelle in Obwalden sind immer noch die Wasserkraftwerke. Sie produzieren mehr einheimischen und erneuerbaren Strom, als wir in Obwalden insgesamt brauchen», hielt Hess fest. Und besonders freue ihn, dass alle Obwaldner Gemeinden heute sogenannte Energiestädte seien.

Klima- und Energieziele als Herausforderung

So erfreulich diese Bilanz sein mag, so gross sind die Schritte, die es braucht, um die internationalen und nationalen Klimaziele auch in Obwalden zu erreichen. Der Regierungsrat hat daher im April dieses Jahres ein Energie- und Klimakonzept 2035 in Auftrag gegeben. Grosse weitere Anstrengungen werden nötig sein, im Gebäudebereich, bei der Mobilität aber auch in der Industrie und Landwirtschaft.

«Vorzeigeobjekte wie das ausgezeichnete PEB-Doppeleinfamilienhaus sind dabei besonders wichtig», sagte der Energiedirektor. «Solche Objekte brauchen wir dringend, um die ambitiösen Klima- und Energieziele zu erreichen. Und so hoffe ich, dass es baldige und zahlreiche Nachahmer gibt.»

Hoher Überschuss an Solarstrom

Die zwei verbundenen Doppeleinfamilienhäuser in Kägiswil gelten als erster Plus-Energie-Bau des Kantons Obwalden. «Auf den Dächern befinden sich integrierte Fotovoltaikanlagen, welche in alle vier Himmelsrichtungen ausgerichtet sind», führte Hampi Lussi, Geschäftsführer der Firma Planteams AG, bei der Preisübergabe aus.

Die Doppeleinfamilienhäuser an der Kreuzmatte 2 und 3 mit insgesamt vier Wohnungen wurden bereits Anfang 2019 bezogen. Coronabedingt konnte die Preisübergabe erst jetzt stattfinden. Die zwei Häuser konsumieren 20'800 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die Fotovoltaikanlagen auf den Dächern sind mit je 25 Kilowatt Leistung ausgestattet. Sie erzeugen jährlich 48'600 Kilowattstunden Strom. Der Solarstromüberschuss wird mit 27'800 Kilowattstunden pro Jahr ausgewiesen. Damit beträgt die Eigenenergieversorgung 234 Prozent. Der überschüssige Strom kann ins EWO-Netz übergeben werden.

Auch im verregneten Mai wurde zu viel Strom produziert

Die zwei altersgerechten Wohnbauten sind laut Lussi identisch gebaut. Die 50,9 Kilowatt starke Fotovoltaikanlage bringt beide Doppeleinfamilienhäuser in den PEB-Standard. Für den späteren Speichereinbau wurde bereits Platz freigehalten. Peter und Katrin Laasner-von Wyl freuten sich als Bauherrschaft über das erhaltene Diplom und die Solar-Auszeichnung, die erstmals im Kanton Obwalden verliehen wurde. In seinen Dankesworten betonte Peter Laasner, dass die Fotovoltaikanlage sogar im vergangenen regnerischen Monat Mai überschüssige Energie produzierte.

Für die Projektleitung und die Architektur zeichnete die Firma Planteams AG aus Kägiswil verantwortlich. Michael Limacher war für die Architektur verantwortlich und Dominik Lussi für die Projektleitung. Seit 12 Jahren ist die 1992 gegründete Firma auch im Fotovoltaikbereich tätig und führte in Ob- und Nidwalden bereits verschiedene Projekte bei Wohn- und Gewerbebauten aus. Dabei arbeitet sie mit der ebenfalls in Kägiswil domizilierten Unternehmung Werth AG zusammen.