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KÄGISWIL: Berlin hautnah erlebt und gemalt

Die Malerin Doris Windlin zeigt im Kulturraum das Roadmovie «Gemaltes Berlin», dazu eine grosse Zahl von eindrücklichen Bildern. Was während ihres dreimonatigen Aufenthalts entstanden ist, wird für Besucher zum Erlebnis.
Romano Cuonz
Die Kunstmalerin Doris Windlin hat Berlin in zahlreichen Bildern und einem Roadmovie festgehalten. (Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 7. April 2017))

Die Kunstmalerin Doris Windlin hat Berlin in zahlreichen Bildern und einem Roadmovie festgehalten. (Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 7. April 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Vom 9. März bis zum 26. Juni 2015 malte ich auf Strassen und Plätzen in Berlin – diese Zeit werde ich mein Leben lang nicht vergessen», erklärt eine begeisterte Kunstmalerin Doris Windlin. Wenn Kunstschaffende ein Atelier-Stipendium in Berlin oder New York zugesprochen erhalten, sollen sie in einem Konzept darlegen, was sie dort arbeiten möchten. Etwas hielt Doris Windlin schon darin fest: Dass sie Berlin, diese einzigartige Kulturstadt, mit Staffelei, Farbkasten und Pinsel sozusagen hautnah erkunden und auf Leinwand festhalten wolle.

Dieses Versprechen hat sie eingelöst. Eine grosse Zahl von eindrücklichen Bildern dokumentiert dies derzeit im Kulturraum Kägiswil. Mit den ihr ganz eigenen, expressionistisch anmutenden, kräftigen Pinselstrichen hält Doris Windlin die Weltstadt überaus facettenreich fest. Seit 20 Jahren lebt die Malerin in einem kleinen Dorf in Tschechien. Die dortige Sprache beherrscht sie fast so gut wie ihre Muttersprache, den Obwaldner Dialekt.

In Berlin nun entlockt sie selbst den scheinbar unpoetischen Winkeln ihre Poesie. Sie malt im Zentrum der Stadt. Mitten unter Tausenden von Menschen. Und doch trifft auf ihren Bildern mit all den vielen farbigen Personen immer auch der französische Begriff «ne … personne» (keiner) zu. Die Gemälde von Doris Windlin halten das Geschehen fest. Dabei aber vermitteln sie Eindrücke und Erfahrungen der Malerin, lassen einen an ihren Erlebnissen teilhaben. Ihre Bilder sind nicht Ansichtskarten. Erzähler sind es: mittendrin.

Beredtes Zeugnis stiller Arbeit

«Von einem Film stand in meinem Konzept kein Wort», bekennt die Kernserin lachend, bevor sie ihr 45-minütigen, collageartigen Roadmovie mit dem Arbeitstitel «Eine Malerin, die unter freiem Berliner Himmel arbeitet» erstmals vorführt. Und weiter berichtet sie: «Ich hatte meine Kamera dabei, und schon als wir die vielen Malutensilien in die oberen Stockwerke trugen, entstanden erste kommentierte Sequenzen.» Ab diesem ersten Tag hätte sie auch all ihren vielen Besuchern die Kamera in die Hand gedrückt: Der Malerin Katerina Rutherford, die nur Englisch sprach, dem Aargauer Hannes Egli, der irischen Malfreundin Christine Brewer oder der tschechischen Künstlerin Jana Rozkova. Niemand sei des Filmens kundig gewesen. Dabei ist ein beredtes Zeugnis einer sonst eher ruhigen Maltätigkeit im Freien entstanden. Mehr noch: Hunderte bloss am Rand bemerkte Gedanken, Kommentare und Erklärungen sind für immer festgehalten. Ein seltsamer Einblick! Und all dies in einem wahren Babylon von Sprachen und in einem geradezu wilden Mix von Szenen.

Leute bleiben stehen und wollen hingucken

In diesem Movie wird ebenso vieles klar wie unklar bleiben. Was man sieht: Dass sich die Malerin oft mit dem Fahrrad bewegt und dabei im Rucksack rund 60 Kilo Malmaterial über bis zu 15 Kilometer transportiert. Dem Publikum rät Doris Windlin: «Zieht mehrere Schichten an, wenn ihr in Berlin draussen malen wollt, legt zur Isolation Zeitungen in die Schuhe.» Die Sonne scheine, aber kalt sei es trotzdem. Und dann der Wind. Tatsächlich bekommt der Zuschauer mit, wie die Obwaldnerin ihre Staffelei an Säulen, Strassenlampen oder gar an einem Velo fixiert, damit sie nicht umgeweht wird.

Die Künstlerin und ihre Malkolleginnen sind die einzigen, die in dieser Millionenstadt bei Wind und Wetter im Freien malen. Leute bleiben stehen. Wollen genauer hingucken. «Meine Bilder müssen nicht schön sein, aber gut», sagt Doris Windlin einmal zu einem Deutschen. Und für sich notiert sie: «Mach es wie in Berlin, dort muss nicht immer alles perfekt sein!»

Wie allerdings der frühere tschechische TV-Cutter Jiri Ovecka aus zig Stunden Rohmaterial einen überaus interessantes Roadmovie zu schneiden, mit Musik zu untermalen und mit Untertiteln zu versehen versteht, das ist schon wieder höchste Perfektion. Mehr noch: Die collageartige, aber aussagekräftige Dokumentation einer monatelangen Arbeit ist es geworden.

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