Kägiswil
Dem benediktinischen Erbe verpflichtete Kunst

Schwester Chantal Hug und Pater Eugen Bollin zeigen im Kulturraum Kägiswil ihre Werke. Kunst: klösterlich und weltoffen zugleich.

Romano Cuonz
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Das benediktinische Kultur- und Kunsterbe ist unermesslich reich, gilt doch der Klostergründer Benedikt von Nursia als einer der Urväter der abendländischen Kultur. Seine Regel «ora et labora» war die Grundlage für die Gründung und den Bau zahlreicher benediktinischer Klöster und Stifte. Mit seinem «Labora» hat Benedikt von Nursia seine Mitbrüder, und später auch Mitschwestern, ganz bewusst auch zum kreativen Schaffen animiert. Dank ihrer über Jahrhunderte bewahrten Schätze bleiben Klöster – von Melk über Monte Oliveto bis Ottobeuren – bis heute Zentren der europäischen Kultur- und Kunstgeschichte. Aber auch in den Obwaldner Klöstern Engelberg und St.Andreas in Sarnen gibt es Schatzkammern mit Schriften, musikalischen Werken und sakraler Kunst vom Barock bis ins 19. Jahrhundert.

Pater Eugen Bollin (Kloster Engelberg) und Schwester Chantal Hug (Kloster St.Andreas, Sarnen) vor ihren Werken im Kulturraum Kägiswil.

Pater Eugen Bollin (Kloster Engelberg) und Schwester Chantal Hug (Kloster St.Andreas, Sarnen) vor ihren Werken im Kulturraum Kägiswil.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 7. Mai 2022)

Sowohl die Melchtaler Schwester Chantal Hug als auch der Engelberger Pater Eugen Bollin oder der verstorbene Bruder Xaver Ruckstuhl haben sich in die Tradition der Malermönche aus dem Mittelalter eingereiht. Indessen: Alle drei haben ganz bewusst und gewollt eine Umsetzung ihres künstlerischen Schaffens in die heutige Zeit, in die zeitgenössische Kunst gesucht und jeweils auf ihre ganz eigene Weise gefunden.

Chantal Hug: Bilder lagen auf der Lauer!

Die heute im Kloster St.Andreas Sarnen lebende Schwester Chantal Hug sprühte als Künstlerin ein gutes halbes Jahrhundert lang vor Schaffenskraft und Temperament. Besser als mit einem Gedicht ihrer Lieblingsautorin Rose Ausländer kann man es kaum sagen: «Ein Gedicht liegt auf der Lauer, ich gehe arglos vorüber, es stürzt sich auf mich, flüstert mir Worte ins Ohr. Befiehlt: Schreib!» Auf dem Weg durch den klösterlichen Alltag von Chantal Hug lagen nicht Gedichte, sondern immer wieder Ideen für Bilder und Skulpturen auf der Lauer. Und diese zauberten ihr Farben und Formen in die Augen. Leuchtende Farben oft gegen eine – heute mehr denn je – graue Welt.

Der Chor, eine der Bronzeskulpturen von Schwester Chantal Hug.

Der Chor, eine der Bronzeskulpturen von Schwester Chantal Hug.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 7. Mai 2022)

Zur Ausstellung in Kägiswil sagte sie: «Ich habe nicht mehr daran gedacht, meine Hände versagen mir den Dienst und für mich hat der Prozess des Loslassens angefangen.» Glücklicherweise aber brachten die Schwestern all ihre noch vorhandenen Werke aus dem verlassenen Kloster Melchtal nach Sarnen. Und aus diesem immer noch reichen Fundus haben nun Elisabeth Hartmann, Yvonne und Josef Gnos eine für die Kunst Chantal Hugs repräsentative Auswahl getroffen und auf vorzügliche Weise präsentiert. Es gibt tatsächlich noch von allem etwas zu bewundern: Da sind frühe Batikwerke, da leuchten Aquarelle und da regen Ölgemälde zum Meditieren und Nachdenken an. Vor allem aber begegnet man nochmals kräftigen Bronzeskulpturen mit der ihnen eigenen wundervollen Patina: St.Benedikt, Bruder Klaus oder auch einem «Chörlein».

Eugen Bollin: Balletttänzerin als «Cherub»

Pater Eugen Bollin hat in der Stiftsschule Engelberg als Zeichnungslehrer und Internatspräfekt im Verlauf der Jahre zahllose Schülerinnen und Schüler begleitet. Sowohl bei seinem «Labora» als Lehrer als auch bei seiner kreativen Arbeit als Künstler und Lyriker hat er die Grenzen, die die Klostermauern ihm setzten, immer wieder gesprengt. In der Kunst war seine Grundidee, zu thematisieren, was in der klösterlichen Welt passiert, dabei aber stets eine Verbindung nach aussen zu schaffen. Sein Anliegen: Kunst zu machen in einem globalen Sinn. Unvergesslich seine Auseinandersetzung mit der biblischen Maria Magdalena, der Personifikation von Liebe, Fürsorge, Caritas, Sinnlichkeit und gleichzeitig des innigsten gelebten Glaubens. Seine Zeichnungen sind modernste Kunst im Grenzgebiet zwischen Figürlichkeit, Expression und Abstraktion.

Ein Acrylbild Eugen Bollins: «Sabrina mit Gruppe».

Ein Acrylbild Eugen Bollins: «Sabrina mit Gruppe».

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 7. Mai 2022)

Diese Klaviatur beherrscht Pater Eugen wie nur wenige Künstlerinnen und Künstler. In seinen aktuellen Werken geht der Malermönch von einer Engeldarstellung in der Klosterkirche von Marienberg im Südtirol aus. Es geht um Cherubim, also weibliche Engelsgestalten, oft mit einer Blume in der Hand. Bei Bollins Figuren handelt es sich zwar nicht direkt um Engel. Er sagt: «Das Cherubinische kann auch bei Menschen in unserem Bekanntenkreis Gestalt annehmen in einer je speziellen Form.» Kein Zufall, dass ihm dabei eine junge Balletttänzerin, die er schon als Kind kannte, Modell stand. Pater Eugen sagt: «Solche Cherubim haben zugleich etwas Ästhetisches und Rituelles, es setzt sich oft in Spiel und Tanz fort.» Spuren, die in den Bildern sichtbar werden. Es ist nun an den Besucherinnen und Besuchern, sie aufzunehmen.

Ausstellung im Kulturraum Kägiswil: Klosterkunst mit Schwester Chantal Hug und Pater Eugen Bollin. Öffnungszeiten: Samstag, 14./21. Mai, und Sonntag, 15./22 Mai, jeweils 14 bis 18 Uhr oder auf Anfrage, Tel. 079 236 78 28.

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