KÄGISWIL: Flugzeugteile geben zu reden

In Sarnen wurde ein zweites Plexiglasteil des Experimentalflugzeuges gefunden. Für die Flugplatzgenossenschaft bleibt es weiterhin ein Einzelfall.

Matthias Piazza
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Diesen Teil der Cockpit-Verglasung fand unser Leser in seinem Garten am Goldmattweg in Sarnen. (Bild: Leserbild Werner Christen)

Diesen Teil der Cockpit-Verglasung fand unser Leser in seinem Garten am Goldmattweg in Sarnen. (Bild: Leserbild Werner Christen)

Matthias Piazza

«In meinem Garten lag plötzlich ein Plexiglasteil», erinnert sich Werner Christen, der am Goldmattweg in Sarnen wohnt, an den vorletzten Sonntag. Die Lektüre unserer Zeitung brachte ihm dann Klarheit: Beim aussergewöhnlichen Fund handelt es sich um ein weiteres Stück des Flugzeugs, dessen Pilot am Nachmittag davor seine Einstiegsluke verloren hatte (siehe Ausgabe vom 8. März). Zum Glück habe sich in diesem Moment niemand an den «Absturzstellen» aufgehalten.

«Wer so etwas auf den Kopf oder ins Gesicht kriegt, kann schwer behindert oder verletzt werden», ist für Werner Christen beim Betrachten des tellergrossen Plexiglasteiles klar. Bei allem Verständnis für die Fliegerei: Von der Flugplatzgenossenschaft erwarte er, dass sie eine minimale Sicherheit garantiere und aus dem Vorfall lerne. «Denn solche Ereignisse sind nicht angenehm.»

«Kaum gefährlich»

Von einen Kleinstereignis spricht derweil Ruedi Waser, Präsident der Flugplatzgenossenschaft Kägiswil. Die Polizei hatte bereits am Samstag ein rund 50 mal 50 Zentimeter grosses Fenster im Quartier geborgen. «Diese kaum einen Millimeter dünne Plexiglasscheibe, die als Einstiegsluke diente, wiegt nicht mal ein halbes Kilogramm», korrigiert er frühere Aussagen von 1 bis 1,5 Kilo. «Sie segelte wohl wie ein Blatt zu Boden und wäre für Personen kaum gefährlich gewesen», ist Waser überzeugt.

In seinen 35 Jahren als Pilot könne er sich an kein ähnliches Ereignis erinnern, das sei ein absoluter Einzelfall, sagt Waser. Auch für den Piloten habe keine Gefahr bestanden. Die Schweizerische Unfalluntersuchungsstelle (Sust) untersuche nun den Bagatellfall. Laut Waser hält es der Pilot für denkbar, dass er mit seiner dicken Jacke die Verriegelung des Fensters touchiert und so dieses unfreiwillig geöffnet habe.

«Unakzeptabel»

Christoph Amstad putzte an jenem Samstag gerade sein Velo im Vorgarten, seine Tochter war auf dem benachbarten Spielplatz, als er ein Geräusch hörte, das vom Garten des Nachbarn stammte. «Ich dachte zuerst nichts Weiteres», erinnert sich der CVP-Kantonsrat, der am Sarner Aamattweg wohnt. Als er erfuhr, was die Ursache dieses Knalls war, sei er nachdenklich geworden. «Der Fluglärm gehört schon lange zu unserem Quartier, daran haben wir uns gewöhnt. Aber dass nun eine Flugzeugfensterscheibe ins Quartier fällt, finde ich unakzeptabel. Die Absturzstelle war etwa 20 Meter neben einem Kinderspielplatz.»

Besonders störe ihn die Aussage des Präsidenten der Flugplatzgenossenschaft in unserer Zeitung. «Wenn er sagt, das könne jedem passieren, dann fühle ich mich als Landeanflugbewohner nicht ernst genommen. Was wird sonst noch alles vom Himmel runterfallen?», fragt er rhetorisch.

Strafrechtliche Schritte möglich

Zwei Scheibenteile wurden insgesamt gefunden, wie die Kantonspolizei Obwalden auf Anfrage bestätigte. Der durch den Wegfall der Einstiegsluke entstandene Flugwind im Cockpit löste ein weiteres Fenster im hinteren Teil des Cockpits. Nun liegt der Fall bei der Sust. «Sobald ihr Bericht vorliegt, wird die Staatsanwaltschaft die weiteren Schritte festlegen», sagt Marco Niederberger, Leiter Verkehrs- und Sicherheitspolizei. «Sie wird allfällig strafrechtliche Schritte einleiten, sollte ein Verschulden des Piloten nachgewiesen werden können, oder andere Massnahmen anordnen.»

Das involvierte private Ultralight-Eigenbauflugzeug ist in Kägiswil stationiert und wird laut Waser von einem Mitglied der Genossenschaft geflogen. Das einsitzige motorisierte Experimentalflugzeug landete trotz des Fensterverlustes plangemäss in Kägiswil.