KÄGISWIL: Klangvoller Jodlerabig setzt Glanzpunkte

Die Jodlergruppe Schlierätal darf auf einen überaus gelungenen Konzertabend zurückblicken. Dabei begegneten sich Naturjodler und Silvesterchläuse.

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Die Jodlergruppe Schlierätal begeistert an ihrem Konzertabend. Bild: Otmar Näpflin (Kägiswil, 4. März 2017)

Die Jodlergruppe Schlierätal begeistert an ihrem Konzertabend. Bild: Otmar Näpflin (Kägiswil, 4. März 2017)

Nachdem vor Wochenfrist noch heisse Rhythmen die Kägiswiler Mehrzweckhalle beherrschten, machten sich am vergangenen Samstag sanftere Töne breit, die für ein Publikum bestimmt waren, das sich davon angesprochen fühlte. Darum erstaunte es nicht, dass sich rund 500 Zuhörer um frühzeitigen Einlass in die Halle bemühten. Damit bekundeten sie ihre Verbundenheit und Sympathie dieser Jodlergruppe gegenüber, die ja nicht irgendwer ist. Und diese Lorbeeren haben sich die 21 Jodler redlich verdient, weil ihr gehörfälliges Singen und urwüchsige Juizen im abwechslungsreichen Programm beim Publikum sehr gut ankamen.

Jodelgesang auf dem Silbertablett serviert

«Dr alt Bärner» erklang zur Konzerteröffnung durch die Gast­geber, dem Jakob Ummels «Holzerlied» folgte. Für diese Solokomposition arrangierte Dirigent Thomas Wieland den Chorsatz. Zeitlich vielleicht etwas gar früh, aber musikalisch passend, begaben sich die Schlierätaler alsdann «obsi druis», um an den schroffen Felswänden «Wie baas isch mier da obe» und den «Pilatus-Juiz» (Franz Wallimann) widerhallen zu lassen. Gut möglich auch, dass ihr nächstes Ausflugsziel der Mittelpunkt der Schweiz sein wird, um dort den «Sunntig» als verdienten Ruhetag für den gehabten Chrampf die Woche über zu besingen und den passenden «Älggi-Juiz» aufzuführen.

Und auch die Gäste überzeugten. Angefangen bei Monika Frank aus Ennetbürgen. Was die ausgezeichnete Solojodlerin in Diensten des Jodlerklubs Heimelig, Buochs, dem begeisterten Publikum darbot, war Jodelgesang auf dem Silbertablett serviert. Toni Voglers «Breitmatt-Juiz», der «Fliematt-Juiz» von Anni Wallimann und «Hech obe» (Ruedy Rymann) waren sänge­rische Kostbarkeiten der Interpretin, die Ergriffenheit, Hühnerhaut und frenetischen Beifall auslösten. Hohe Gesangsqualität ist auch dem Jodlerklub Schratte Hilfernthal unter Toni Wigger eigen. Die 24 Sänger boten gern gehörte Lieder wie «Dr Bärgbach», «Ämmitaler Alpuiffahrt» und «Bärgkristall» dar. Und mit seinen Naturjutzen gefiel der stattliche Chor aus dem Entlebuch ebenso.

Appenzeller Zäuerli berührten das Publikum

Kägiswiler Gastrecht in Anspruch nehmen durfte erstmals der «Sitzschuppel» aus Schwellbrunn AR. Die siebenköpfige Gruppe, nach dem örtlichen Restaurant benannt, zelebriert seit 20 Jahren den alten Brauch vom Silvesterchlausen, der am Jahresende und alten Silvester im Appenzeller Hinterland gefeiert wird. Die «schön», «schön- wüescht» oder «wüescht» verkleideten Männer üben eine kräftezehrende Tätigkeit aus, denn die Masken und Glocken, die sie tragen, wiegen um die 25 Kilo. Ihre Kostproben von eigenen und überlieferten Zäuerli hinterliessen beim Publikum einen berührenden Eindruck und eine andächtige Stille.

Für prächtige, visuelle Darbietungen waren Fabian Schleiss und Roman von Rotz zuständig, die ihre Fahnen synchron auf der Bühne austauschten und mit den niedrigen Platzverhältnissen sehr gut zurechtkamen.

Den musikalischen Part dazu lieferte das Ländlertrio Berchtold-Wallimann, das zur Unterhaltung und zum Tanz auf­spielte.

 

Otmar Näpflin

redaktion@obwaldnerzeitung.ch