Kanton lehnt Finanzierung der Obwaldner First Responder ab

In den Diskussionen um die Zukunft der Laienhelfer in Obwalden konnte noch keine Einigung erzielt werden.

Franziska Herger
Merken
Drucken
Teilen
Eine Schulung für First Responder in Obwalden.

Eine Schulung für First Responder in Obwalden.

Archivbild Marion Wannemacher

In einem medizinischen Notfall wie einem Herz-Kreislauf-Stillstand sind ausgebildete Laienhelfer oft als erste vor Ort. In Obwalden gibt es die sogenannten First Responder schon seit 10 Jahren. Doch es drohe ein drastischer Leistungsabbau, befürchten die Kantonsräte Adrian Haueter (CVP, Sarnen) und Petra Rohrer-Stimming (CVP, Sachseln) in einer Interpellation. Im Zuge der Zusammenarbeit der Zentralschweizer Rettungsdienste seit September 2018 wurde nämlich letzten Sommer in Luzern das System «First Responder Zentralschweiz» eingeführt. Nidwalden und Uri traten im Herbst bei, und auch Obwalden will sich anschliessen. Doch was geschieht mit den heutigen Obwaldner First Respondern, organisiert im Verein «Härz fir Obwaldä»?

Der Regierungsrat sehe «keine Anzeichen dafür, dass die nach dem Konzept der First Responder Zentralschweiz ausgebildeten Personen eine schlechtere Qualität anbieten und dies einem Leistungsabbau gleichkäme», schreibt er in seiner Antwort auf die Interpellation, die 43 Kantonsräte mitunterzeichnet haben. Ziel sei, dass die Obwaldner Bevölkerung auch in Zukunft von einem guten First-Responder-System profitieren könne. Der Verein «Härz fir Obwaldä» solle Teil davon sein, so die Regierung. Es hätten bereits mehrere Gespräche zwischen dem Gesundheitsamt und dem Verein stattgefunden. Eine Einigung wurde jedoch noch nicht erzielt.

Einführung der App ist eine Voraussetzung

Man sei sich im Grundsatz einig, dass die Alarmierung der First Responder über die App Momentum, wie sie nach dem «Luzerner Modell» bereits verwendet wird, die richtige Lösung sei, schreibt die Regierung. Damit alarmiert die Sanitätsnotrufzentrale Ersthelfer mittels Push-Meldung auf dem Smartphone. Der am nächsten gelegene First Responder, der die Anfrage akzeptiert, erhält die Einsatzdaten. Dies gewährleistet einen besseren Datenschutz gegenüber dem Obwaldner System, wobei alle Ersthelfer einer Gemeinde per SMS alarmiert werden und die Einsatzdaten erhalten. Die Einführung von Momentum sei denn auch Voraussetzung, um die Alarmierung in Zukunft sicherstellen zu können, so die Regierung. Denn die Sanitätsnotrufzentrale Zentralschweiz will künftig nur noch ein Alarmierungssystem, nämlich Momentum, bedienen. Die Einführung der App wird für den Kanton jährlich mit rund 5700 Franken an Lizenzkosten zu Buche schlagen, plus Wartungs- und Betriebskosten.

Gesetzliche Grundlage für Leistungsauftrag fehlt

Die Gesamtkosten der First Responder Zentralschweiz und des Vereins «Härz fir Obwaldä» liessen sich dagegen nur bedingt vergleichen, fährt die Regierung fort. «Entscheidend für den Kanton sind die hohen Aus- und Weiterbildungskosten, die in den Kantonen Luzern, Nidwalden und Uri ausschliesslich durch die einzelnen First Responder zu tragen sind.» In Obwalden übernimmt diese Kosten bisher der Verein. Für eine über die Momentum-App hinausgehende Finanzierung des Vereins sieht der Regierungsrat keine rechtliche Grundlage. Auch die Erteilung eines Leistungsauftrags erachtet er als systemfremd. So erhielten auch Samaritervereine weder einen Leistungsauftrag noch Kantonsmittel zur Erfüllung ihres Vereinszwecks. Jedoch sei eine Unterstützung mit Swisslos-Geldern, wie sie bis anhin stattfand, weiterhin denkbar. In Nidwalden, Uri und Luzern sind die First Responder dem Rettungsdienst angeschlossen und werden über diesen alarmiert und ausgebildet. Finanzielle Beiträge erhalten sie etwa von Sponsoren und Gemeinden. Auch diese Möglichkeit sei denkbar, schreibt der Regierungsrat.

«Eine festgefahrene Situation gelöst»

Interpellant Adrian Haueter ist mit der Antwort der Regierung nur teilweise zufrieden. «Sehr positiv werte ich, dass der Kanton das Gespräch mit dem Verein wieder aufgenommen hat und eine Lösung mit ‹Härz fir Obwaldä› finden will. Das hat eine offenbar festgefahrene Situation gelöst.» Dagegen moniert Haueter: Die zusätzlichen Leistungen, die der Verein erbringt, würden in der Regierungsantwort unterschlagen. Dieser rückt nämlich unter dem Namen «First Responder Plus»– anders als die First Responder Zentralschweiz – nicht nur bei Herz-Kreislauf-Stillstand, sondern auch etwa bei Schlaganfällen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen und akuter Atemnot aus. «Das hatten wir eigentlich mit Leistungsabbau gemeint, den wir vermeiden wollen», so Haueter. Der Verein selber will während der laufenden Verhandlungen mit dem Kanton keine Stellung nehmen.

Der Kantonsrat behandelt die Interpellation in seiner Sitzung vom 19. März.