KANTON OBWALDEN: Fürs Französisch wird Lehrermangel befürchtet

Sprachlehrer müssen ihre Fremdspra­chenkenntnisse aufpolieren. Doch die Regierung befürchtet, dass manche Lehrer «streiken».

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Peter Lütolf. (Archivbild Dorothea Müller/Neue LZ)

Peter Lütolf. (Archivbild Dorothea Müller/Neue LZ)

Wie gut sollen Sprachlehrer ausgebildet sein, die künftig an der Volksschule Französisch und Englisch unterrichten? Zwischen der Obwaldner Regierung und der Kommission des Kantonsrats scheiden sich hierzu die Meinungen. Die Regierung stützt ihr Konzept auf eine Übergangslösung ab, die den Lehrern Zeit einräumt, die nötigen Diplome zu erwerben. Demgegenüber drängt die Kommission auf eine Lösung, die schnell die Qualität des Fremdsprachenunterrichts hebt.

Wie dringend müssen die Lehrer, die künftig Fremdsprachen unterrichten, weitergebildet werden?
Peter Lütolf*: Die Englischlehrpersonen der Primarschule und die frischgebackenen PHZ-Abgänger brauchen keine Weiterbildung, da sie die erforderliche Unterrichtsqualifikation vollumfänglich erfüllen. Alle anderen Sprachlehrpersonen der fünften bis neunten Klassen müssen dringend und ausnahmslos, das heisst bis 2012, fünf- bis achttägige Kurse in Mehrsprachendidaktik besuchen, weil sie neu Kinder und Jugendliche mit zwei Fremdsprachen unterrichten. Zudem müssen diese Lehrpersonen einen Sprachstandstest machen. Je nach Resultat müssen sie ihre Sprachkenntnisse in Kursen auffrischen und bis 2014 obligatorisch das Niveau B2 erreichen, welches eine gute Sprachkompetenz gewährleistet. Es entspricht im Englisch dem First- und im Französisch dem Delf-Diplom.

Von der Kommission des Kantonsrates wird verlangt, alle Lehrer müssten klar die Kompetenz nachweisen, dass sie im Unterricht eine Fremdsprache fliessend sprechen. Das würde eher das höhere Niveau C1 erfordern, Advanced im Englisch und Dalf im Französisch.
Lütolf: Unser jetziges Konzept sieht vor, dass der Kanton mit einer grosszügigen Finanzierung von Kursen und sechswöchigen Sprachaufenthalten, die zur Hälfte in die Schulzeit fallen dürfen, einen Anreiz für rund drei Viertel der fraglichen Lehrpersonen schafft, sich auf freiwilliger Basis auf das wesentlich höhere Niveau C1 weiterzubilden. Das Konzept entstand nach Gesprächen mit dem Lehrerverein, den Schulleitungen und den Schulratspräsidien und erscheint uns als ein guter, verträglicher und verantwortbarer Weg, die Qualitätssicherung im Fremdsprachenunterricht zu gewährleisten. Wenn der Kantonsrat das höhere Niveau C1 für alle Sprachlehrpersonen als obligatorisch erklärt und auch bereit ist, die erforderlichen Finanzen zu sprechen, werden wir dies selbstverständlich so umsetzen. 

Schätzen Sie die Motivation der Lehrer, nochmals die Schulbank zu drücken, als gross ein?
Lütolf: Sprachkurse, die über das Niveau B2 hinausgehen und mit der Prüfung C1 abgeschlossen werden müssen, haben wir als freiwillig erklärt. So hoffen wir, dass vor allem die motivierten Lehrpersonen, welche sehr gerne Sprachen unterrichten, berufsbegleitend den hohen zeitlichen Aufwand auf sich nehmen. Diese Lehrer werden dann eine sehr gute Sprachkompetenz in der gewählten Fremdsprache aufweisen.

Woran könnte es scheitern, innert kurzer Zeit genügend Lehrer für die von der EDK verlangte Qualität des Fremdsprachenunterrichts auszubilden?
Lütolf: Das von der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren für neue Abgänger der Pädagogischen Hochschulen geforderte Niveau C1 ist recht hoch. Wenn dieses Niveau auch schon für viele Jahre praktizierende Fremdsprachenlehrerinnen und -lehrer obligatorisch erklärt wird, befürchten wir, dass viele dieser Lehrpersonen den Fremdsprachenunterricht an den Nagel hängen und im Bereich des Fremdsprachenunterrichts – insbesondere im Französisch – ein partieller Lehrermangel eintritt. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Lehrpersonen stets auch in andern Bereichen weiterbilden müssen.

Interview Urs Rüttimann

*Peter Lütolf leitet das Amt für Volks- und Mittelschulen in Obwalden.

Das ausführliche Interview lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Obwaldner Zeitung.