Kanton schafft 36 zusätzliche Betten im Kurhaus am Sarnersee – und hofft, dass sie leer bleiben

Im Kurhaus am Sarnersee stehen neue Einzelzimmer für Coronapatienten zur Verfügung. Hausärzte übernehmen die Betreuung.

Adrian Venetz
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Das Gästehaus des Kurhaus am Sarnersee. Hier wurden 36 Einzelzimmer für Coronapatienten eingerichtet.

Das Gästehaus des Kurhaus am Sarnersee. Hier wurden 36 Einzelzimmer für Coronapatienten eingerichtet.

Bild: Adrian Venetz (Wilen, 6. April 2020)

Für den Notfall gerüstet sein: Dies ist das vordringliche Ziel des Kantons in der Coronapandemie, wie die Verantwortlichen am Montag an einer Medienkonferenz im Sarner Kantonsratssaal sagten. Nehmen die schweren Coronafälle zu, braucht es vor allem mehr Spitalbetten und medizinisches Personal. Doch wo?

Fündig wurde man beim Kurhaus am Sarnersee. Bei Bedarf stehen im Gästehaus 36 zusätzliche Spitalbetten zur Verfügung. Auch im Kantonsspital wurde die Bettenzahl von 64 auf 85 erhöht. «Wir sind froh, dass wir diese Lösung für die zusätzlichen Kapazitäten zur Unterstützung des Kantonsspitals im Ernstfall gefunden haben», sagte Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser. Die Regierung habe dem Kurhaus zu diesem Zweck einen befristeten Leistungsauftrag erteilt.

Kurhausleiter Diego Bazzocco zeigt ein neu eingerichtetes Zimmer für Coronapatienten, die auf dem Weg zur Genesung sind.

Kurhausleiter Diego Bazzocco zeigt ein neu eingerichtetes Zimmer für Coronapatienten, die auf dem Weg zur Genesung sind.

Bild Adrian Venetz (Wilen, 6. April 2020)

Das Kurhaus ist auf die Pflege und Betreuung sowie auf Behandlungen nach Operationen spezialisiert. Dieser Kurbetrieb im Hauptgebäude werde vorderhand uneingeschränkt weitergeführt. Einzig die Zimmer des abgetrennten Gästehauses werden auf die Behandlung von Coronapatienten mit erhöhtem Pflegebedarf ausgerichtet. «Dank der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten ist es uns gelungen, in sehr kurzer Zeit diesen Parallelbetrieb aufzubauen und heute in Betrieb zu nehmen», sagte Roman Wüst, Direktor des Kurhauses.

«Die Hoffnung ist, dass wir dieses Notspital gar nicht erst brauchen.»

Das Kurhaus stellt den Betrieb mit seinem bestehenden Pflegefachpersonal sicher. Unterstützt wird dieses von Sanitätstruppen der Armee, temporären Pflegefachkräften sowie im logistischen Bereich auch durch Laien. Der Kantonsarzt organisiert mit Obwaldner Hausärzten zusammen die ärztliche Betreuung im Gästehaus des Kurhauses, dies im Auftrag des Kantons. «Ein grosser Teil der Hausärzte hat sich freiwillig für einen Einsatz gemeldet», so Martin Sigg, Präsident des Obwaldner Ärzteverbands OW-Cura. «Die Arztpraxen bleiben aber weiterhin offen und bieten Telefonberatungen, Hausbesuche sowie Notfallbehandlungen in der Praxis an», betonte Sigg. Es sei ein spezieller Auftrag gewesen, aus dem Gästehaus eine Art Notspital zu machen, doch die Zusammenarbeit habe bestens geklappt. «Der Lackmustest, wie das funktioniert, folgt dann noch. Die Hoffnung ist, dass wir dieses Notspital gar nicht erst brauchen.»

Gesundheitsdirektorin Maya Büchi an der Medienkonferenz. Im Hintergrund Kurhausdirektor Roman Wüst.

Gesundheitsdirektorin Maya Büchi an der Medienkonferenz. Im Hintergrund Kurhausdirektor Roman Wüst.

Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 6. April 2020)

Den Entscheid, welche Patienten im Kantonsspital und welche im Kurhaus behandelt werden, trifft das Kantonsspital. «Komplexere Fälle werden weiterhin im Kantonsspital behandelt. Die zusätzlichen Betten im Kurhaus sind für uns allerdings eine wichtige Entlastung», sagte Spitaldirektor Andreas Gattiker und betonte: «Ins Kurhaus kommen nur Patienten, die nicht mehr akut spitalbedürftig sind. Ernste Fälle werden immer zuerst im Kantonsspital behandelt.» Martin Sigg ergänzte: «Die meisten Coronafälle landen gar nicht im Spital. Auch eine 80-jährige Frau, die positiv getestet wurde und keine schweren Symptome aufweist, kann daheim bleiben und wird ambulant behandelt.»

Ein Wort noch zu Ostern: Wie Polizeichef Stefan Küchler am Montag am Rande der Medienkonferenz gegenüber unserer Zeitung sagte, werde man in diesen Tagen informieren, ob und welche Massnahmen ergriffen werden, damit sich in Obwalden die Leute während der sonnigen Feiertage nicht in Scharen draussen treffen.

Schätzung geht von 600 Infizierten aus

(ve) Wie Spitaldirektor Andreas Gattiker gestern sagte, sind derzeit nur zwei Coronapatienten im Kantonsspital in Behandlung. Ein weiterer Patient konnte das Spital verlassen. Bislang wurden drei Patienten zur Intensivpflege nach Luzern gebracht, einer davon gilt bereits als geheilt. Fazit: 2 von 85 «Corona­betten» im Kantonsspital sind belegt, und im Kurhaus werden 36 neue Betten bereitgestellt. Ist das nicht ein etwas gar pessimistischer Blick in die Zukunft? «Es sind Prognosen mit Blick auf Italien und China», so Gattiker. Zwar stimme es, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen seien. «Aber wir dürfen nicht davon ausgehen, dass die Zentralschweiz von dieser Welle verschont bleibt.» Stand gestern, verzeichnete der Kanton 57 positiv getestete Coronafälle. Einen Todesfall gab es bislang nicht zu beklagen. Was die Dunkelziffer betrifft, gehen Experten heute von einem Faktor 10 aus – damit ist in Obwalden derzeit mit knapp 600 Infizierten zu rechnen.