KANTONSGERICHT: Angeklagter: «Bin sicher nicht gefahren»

Mit netto 39 km/h zu schnell wurde ein Autofahrer in Grafenort «geblitzt». Der Halter des Autos streitet schlicht alles ab – vergeblich.

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(Symbolbild René Meier/Zisch)

(Symbolbild René Meier/Zisch)

Der Vorfall spielte sich vor rund zwei Jahren ab. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft führte die Kantonspolizei Obwalden am Abend des 7. Juli 2006 auf der Engelbergerstrasse in Grafenort eine Geschwindigkeitskontrolle durch. Dabei überschritt der Lenker eines Personenwagens mit Graubündner Kontrollschildern die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um netto 39 km/h.

«Der häufigste Lenker des kontrollierten Autos»
Die Geschwindigkeitskontrolle wurde damals ohne nachfolgende Anhaltekontrolle durchgeführt. Auf den Videoaufnahmen der Polizei ist das Kontrollschild des erfassten Autos klar erkennbar, das Gesicht des Fahrers oder der Fahrerin jedoch nicht.

Am Tag nach der Kontrolle entdeckten zwei Polizisten das Auto mit den Bündner Kontrollschildern auf dem Parkplatz des Sportingparks in Engelberg. Die Polizisten ermittelten noch vor Ort den Halter des Fahrzeuges. Der im Kanton Graubünden wohnhafte Mann bezeichnete sich noch auf dem Parkplatz als der «häufigste Lenker dieses Autos» und sagte weiter, er sei am Vorabend zu einem Eishockeyturnier nach Engelberg gefahren.

Wie kommt man nachts ohne Auto nach Engelberg?
Laut Anklageschrift begleitete der Fahrzeughalter die Polizisten anschliessend auf den Polizeiposten, wo ihm eine Videoaufnahme «seiner» Geschwindigkeitskontrolle gezeigt wurde. Im Verlaufe der folgenden Einvernahme habe der Automobilist aber plötzlich gesagt, er müsse sich noch einmal überlegen, ob er gefahren sei. Und fügte hinzu: Falls Familienangehörige gefahren seien, müsse er seiner Ansicht nach keine Angaben über diese machen.

Rund zwei Jahre später, am 10. Juni 2008, erneuerte der heute 44-jährige Angeklagte vor Kantonsgericht seine früheren Aussagen. «Ich bin sicher nicht gefahren», sagte er dem Gerichtspräsidenten. Dessen weitere Frage, ob ein Familienangehöriger gefahren sei, beantwortete er nicht und verweigerte die Aussage. Für die Staatsanwältin Esther Omlin klingt die Version des Angeklagten «in mehrfacher Hinsicht sehr abenteuerlich», wie sie vor Gericht erklärte. Warum? Der Angeklagte behaupte, so die Staatsanwältin, nicht selber gefahren zu sein, nenne aber keinen möglichen Fahrzeuglenker und erkläre auch nicht, wie er ohne Auto nach Engelberg gekommen sei.

Kantonsgericht und Staatsanwaltschaft sind einer Meinung
Für die Staatsanwaltschaft bestand «nicht der geringste Zweifel daran, dass der Angeklagte selbst der Fahrer war». Zum gleichen Schluss kam das Kantonsgericht in seinem Urteil. Es sprach den Angeklagten der groben Verkehrsregelverletzung durch Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts um 39 km/h schuldig. Er wird mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 140 Franken und mit einer Busse von 1200 Franken bestraft.

Der Vollzug der Geldstrafe wird mit einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben. Ausserdem hat er Kosten von rund 2000 Franken zu bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte hat ans Obergericht appelliert.

Robert Hess

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Obwaldner Zeitung.