KANTONSGERICHT: Freispruch trotz Handy am Ohr

Ein Autofahrer wurde mit dem Handy am Ohr geblitzt und gebüsst. Dagegen wehrte sich der Angeklagte: Er habe gar nicht telefoniert. Der Richter sprach ihn daraufhin frei.

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Handy am Ohr: Im Normalfall setzt es eine Busse ab (gestellte Szene). (Bild Alexandra Wey/Neue LZ)

Handy am Ohr: Im Normalfall setzt es eine Busse ab (gestellte Szene). (Bild Alexandra Wey/Neue LZ)

Einen nicht alltäglichen Fall hatte Obwaldens Kantonsgerichtspräsident Guido Cotter zu beurteilen. Ein 60-jähriger Autofahrer wurde im Loppertunnel in Fahrtrichtung Luzern geblitzt. Er hatte die Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern um netto 2 Kilometer überschritten und erhielt dafür eine Busse von 40 Franken, die er anstandslos bezahlte.

 Das Radarbild brachte aber einen weiteren Tatbestand zu Tage: Der Autofahrer hielt nämlich ein Mobiltelefon gegen das linke Ohr, weshalb ihm «wegen Verwendens eines Telefons während der Fahrt» eine Ordnungsbusse von 100 Franken aufgebrummt wurde.

«Habe nicht telefoniert»
Diese zweite Busse akzeptierte der Autofahrer nicht. «Ich habe zu diesem Zeitpunkt nicht telefoniert, sondern lediglich meine Termine von einem Organizer abgehört», begründete er seinen Einspruch. Beim Organizer handle es sich um ein so genanntes Smartphone, eine Kombination von Handy und Organizer. Dieses gebe drei verschiedene Töne mit unterschiedlicher Bedeutung ab. Zum Zeitpunkt der Radaraufnahme habe er nur den Ton abgehört. «Und dies hat nur 1 bis 2 Sekunden gedauert, meine Aufmerksamkeit ist dadurch nicht beeinträchtigt worden», so der Angeklagte. Er fahre stets aufmerksam, was seine 40-jährige unfallfreie Fahrpraxis mit über 2,5 Millionen gefahrenen Kilometern beweise.

 Lenkrad losgelassen?
Da der Angeklagte keinen Strafbefehl akzeptierte, wurde der Fall ans Kantonsgericht überwiesen. Kantonsgerichtspräsident Cotter folgte dem Antrag des Verteidigers und sprach den Angeklagten mangels Beweisen frei. Zu Gunsten des Autofahrers nahm er an, dass dieser nicht telefonierte, das Steuer stets mindestens mit einer Hand gehalten hatte und dass das Abhören nur kurz dauerte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Robert Hess

Den ausführlichen Artikel zu diesem Thema lesen Sie am Mittwoch in der Neuen Obwaldner und der Neuen Nidwaldner Zeitung