Kantonsrat 2.0: digitaler geht nicht

Wenn schon papierlos, dann richtig, fand man in Obwauden, und stellte gleich eine 5G-Antenne in den Ratssaal.

Ohrengrübel
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Vor lauter Monitoren sehen die Kantonsräte kaum mehr nach vorne.

Vor lauter Monitoren sehen die Kantonsräte kaum mehr nach vorne.

Illustration: Tobit

Kein Wunder, gibt sich der Urwald langsam geschlagen: 66000 Seiten Papier für eine Kantonsratssitzung wurden in Obwauden letztes Jahr versandt. Doch Conny Kauffrau von der Cee-Vau-Pee zögerte nicht und warf sich in die Urwaldbresche: Ein papierloser Kantonsrat, das sei die Lösung, fand sie. Doch wie so oft, wenn mal einen zaghaften Schritt in die Moderne gewagt werden soll, steht der Denkmalschutz im Weg. Von den technischen Voraussetzungen her könnte der Kantonsrat nämlich genauso gut in der Schrattenhöhle tagen: Weder Strom noch WLAN gibt es im Rat. Und das zu ändern, würde eben den altehrwürdigen Saal verschandeln.

Gewählte Häupter den Strahlen ausgesetzt

Doch nun die Lösung. Der Regierungsrat belässt es nämlich nicht dabei, sich standhaft gegen ein 5G-Moratorium zu wehren, sondern stellt gleich eine 5G-Antenne in den Kantonsratssaal. Als Beweis, dass das auch wirklich ganz sicher hundertprozentig nicht schädlich ist, werden die gewählten Häupter den Strahlen ausgesetzt. Bis jetzt, man muss es sagen, ohne nennenswerte Effekte in irgendeine Richtung. Und um der Initiantin der Modernisierungsaktion die Ehre zu erweisen, winkt sie nun dutzendfach als Bildschirmschonerin von den Monitoren. Ein Denkmal für die Moderne, sozusagen.