KANTONSRAT: Keine Pflicht für zweites Kindergartenjahr

Die Obwaldner Gemeinden sollen weiterhin selber entscheiden können, ob sie ein zweites Kindergartenjahr anbieten wollen. Der Kantonsrat hat am Donnerstag eine Motion für ein Angebotszwang mit 43 zu 5 Stimmen bei 3 Enthaltungen abgelehnt.

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Sarnen. Motionärin Pia Berchtold-von Wyl (CVP) forderte, dass die Einwohnergemeinden ein zweites Kindergartenjahr anbieten müssten, der Besuch aber freiwillig bleibe. Im zweijährigen Kindergarten könnten im Gegensatz zum einjährigen Angebot Entwicklungsstörungen, Sprachdefizite und Verhaltensauffälligkeiten früh angegangen werden, argumentierte sie.

Für Bildungsdirektor Franz Enderli hingegen gibt es keinen Anlass, die Kompetenz zur Einführung eines zweiten Kindergartenjahres zu ändern und nicht mehr bei den Gemeinden zu belassen. Schliesslich müssten auch die Gemeinden das Angebot finanzieren, sagte er.

Den Argumenten des Regierungsrats folgten auch alle Fraktionssprecher. Die freiwillige Umsetzung brauche Zeit, sagte etwa Helen Imfeld-Ettlin (CSP).

Margrit Freivogel Kayser (CVP) sagte, mehrere Gemeinden hätten die Zeichen der Zeit erkannt und würde das Angebot bereits freiwillig anbieten. Druck auf andere Gemeinden auszuüben, würde aber als Drängerei verstanden.

Eva Morger (SP) appellierte an Regierung und Gemeinden, das Thema weiterzuverfolgen. In der Diskussion um die Finanzen würden meist die späteren Kosten vergessen, die entstehen, wenn bei den Kindern später Defizite festgestellt würden.

Hubert Schumacher (SVP) wehrte sich gegen Sachzwänge und warnte vor Steuererhöhungen. Das heutige System habe sich bewährt. Die Obwaldner Schulen müssten den interkantonalen Vergleich nicht Scheuen.

Maya Büchi-Kaiser (FDP) sagte, es sei nicht der richtige Weg, Mankos und Defizite aus den Familien an die Öffentlichkeit abzutreten und den Gemeinden noch mehr Aufgaben aufzubürden.

In Obwalden bieten Giswil (seit 2007), Alpnach (2009) und Engelberg (2011) ein freiwilliges zweites Kindergartenjahr an. In weiteren Gemeinden ist die Diskussion für eine Einführung im Gang. Wo das Angebot besteht, besuchen gemäss Regierung 75 bis 80 Prozent der Kinder ein zweites Kindergartenjahr. (sda)