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Italienisch verdrängt Latein an der Kantonsschule Sarnen

Vor sieben Jahren fiel Italienisch als Schwerpunktfach an der Kanti Sarnen aus dem Lehrplan. Mangels Interesse an Latein feiert es ab nächstem Schuljahr sein Comeback, Latein wird dafür ganz gestrichen.
Philipp Unterschütz
Die Kantonsschule in Sarnen. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

Die Kantonsschule in Sarnen. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

Ab dem Schuljahr 2019/20 wird an der Kantonsschule Obwalden das Schwerpunktfach Italienisch, das erst 2011 abgeschafft wurde, wieder eingeführt. Dafür fällt Latein ganz aus dem Lehrplan. «Ich selber bin ja ‹Lateiner› – der Entscheid fiel mir deshalb nicht einfach», sagt Bildungsdirektor Christian Schäli. «Auch wenn Latein für Kulturwissen, andere Fremdsprachen, Grammatik oder gewisse Studienrichtungen sehr wertvoll ist, kann man die Zeichen der Zeit halt einfach nicht in Abrede stellen.» Damit spricht Christian Schäli das stetig sinkende Interesse an Latein an. In den Schuljahren 2015/16 und 2017/18 kam in der Kantonsschule Sarnen das Schwerpunktfach Latein wegen zu geringer Anmeldezahlen nicht mehr zustande.

Die moderne Fremdsprachendidaktik lege inzwischen ein höheres Gewicht auf die mündliche Verständigung, schreibt die Regierung in einer Medienmitteilung. Das mit dem Latein verbundene Wissen über die antiken Kulturen könne zumindest teilweise auch im Geschichtsunterricht vermittelt werden. Zudem hätten die Universitäten die Anzahl Fächer, für die Lateinkenntnisse vorausgesetzt werden, in den letzten Jahren stark reduziert. Latein könne während des Studiums nachgeholt werden.

Ersatzlose Streichung einer Sprache war keine Option

Als Obwalden 2011 bekannt gab, dass Italienisch als Schwerpunktfach wegfalle und nur noch als Freifach angeboten werde, während Latein beibehalten wurde, handelte sich der Kanton herbe Kritik ein. Es kam zu einer Unterschriftensammlung und gar zu einer Interpellation im Kantonsrat. Es sei ein bildungs- und staatspolitisch äusserst fragwürdiger Entscheid, hiess es damals.

Christian Schäli. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 10. Oktober 2018)

Christian Schäli. Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 10. Oktober 2018)

Aufgrund einer Anfrage im Nationalrat aus dem Tessin, musste sich schliesslich sogar der Bundesrat äussern – er liess den empörten Südkanton wissen, dass der Entscheid Obwaldens weder gegen die bundesrätliche Verordnung noch gegen das Reglement zur Maturitätsanerkennung verstosse. Der damalige Entscheid sei kein Fehler gewesen, sagt Christian Schäli. «2011 sah es noch anders aus und es gab für das Schwerpunktfach Latein im Normalfall auch genügend Interesse.» Angesichts der ausbleibenden Schüler und den Änderungen der universitären Anforderungen hätte man nun aber handeln müssen.

«Es war allerdings keine Option, eine Sprache ersatzlos zu streichen, deshalb kam Italienisch wieder zum Zug», erklärt der Bildungsdirektor. Wie bisher sei es an der Kanti Sarnen aufgrund der Grösse nicht möglich, sechs anstatt fünf Schwerpunktfächer zu führen und Latein so beizubehalten.

Schwerpunkt- und Ergänzungsfächer an der Kantonsschule Obwalden

Seit dem Schuljahr 2012/2013 bietet die Kantonsschule Obwalden die Schwerpunktfächer Latein, Philosophie/Pädagogik/Psychologie (PPP), Wirtschaft und Recht, Physik und Anwendungen der Mathematik (PAM) sowie Biologie und Chemie an. Latein wird demnächst durch Italienisch abgelöst. Als Ergänzungsfächer werden Informatik, Geographie, Musik, Bildnerisches Gestalten und Philosophie angeboten.

Der Ersatz von Latein durch Italienisch könne kostenneutral umgesetzt werden, heisst es weiter in der Mitteilung der Regierung. Zwei ausgebildete Lehrpersonen würden für den Italienischunterricht zur Verfügung stehen. Schüler, die in Sarnen zurzeit Latein studieren, können das Schwerpunktfach regulär im Sommer 2019 abschliessen.

Beitrag zur Förderung des nationalen Zusammenhalts

Mit ihrem Entscheid folgt die Regierung auch den Empfehlungen der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz EDK, wonach die Vermittlung der drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch und das Wissen über die Sprachregionen einen Beitrag zur Förderung des nationalen Zusammenhalts und des schweizerischen Selbstverständnisses leisten würden.

Erfreut äussert sich Donato Sperduto, Präsident des Verbands der schweizerischen Italienischlehrer, der selber in Sarnen unterrichtete und 2011 an der Unterschriftensammlung gegen die Abschaffung beteiligt war. Es sei eine lang erwartete und willkommene Mitteilung. Er hoffe, dass die Zahl der Italienischschüler wieder so sein werde, wie früher. Auch das «Forum per l’italiano in Svizzera» begrüsst den Entscheid des Regierungsrates. «Dies ist eine positive Nachricht sowohl hinsichtlich der Förderung der italienischen Sprache in der Schweiz, als auch für die Schüler jenes Kantons, denen Schulwechsel und lange Reisezeiten erspart bleiben werden», heisst es in einer kurzen Mitteilung.

Informatik wird Grundlagenfach

Der Regierungsrat hat auch das aktualisierte Schulprogramm der Kantonsschule Obwalden (KSO) erlassen. Dieses umfasst die nächsten vier Schuljahre ab 2018/19 und konkretisiert den Bildungs- und Erziehungsauftrag der KSO. Das Programm dient der Schulleitung und dem Amt für Volks- und Mittelschulen als Führungsinstrument und zur Qualitätssicherung und -entwicklung. Einer von verschiedenen Schwerpunkten betrifft die Informatik. «Diese werden wir als Grundlagenfach einführen müssen. Von Seiten der Erziehungsdirektorenkonferenz haben wir Zeit bis 2022», sagt Bildungsdirektor Christian Schäli. Zum Schulprogramm für die nächsten vier Jahre gehörten deshalb auch Überlegungen zur Umsetzung und zur nötigen Infrastruktur. (unp)

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