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Die Karl-May-Freilichtspiele in Engelberg sind am Ende

Nach drei Ausgaben ist Schluss mit den Engelberger Freilichtspielen. Die Betreiberfirma 42 Capital Group GmbH Cham ist in Liquidation.
Philipp Unterschütz
Die drei Publikumslieblinge in der Produktion «Der Ölprinz» in Aktion: Winnetou (Tom Volkers), Sam Hawkens (David Matthäus Zurbuchen) und Old Shatterhand (Richard Bucher). (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 4. Juli 2019)

Die drei Publikumslieblinge in der Produktion «Der Ölprinz» in Aktion: Winnetou (Tom Volkers), Sam Hawkens (David Matthäus Zurbuchen) und Old Shatterhand (Richard Bucher). (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 4. Juli 2019)

Laut Handelsregister des Kantons Zug hat der Einzelrichter am Kantonsgericht mit Entscheid vom 23. September über die Gesellschaft 42 Capital Group GmbH mit Sitz in Cham den Konkurs eröffnet; die Gesellschaft ist aufgelöst. Die GmbH war seit vergangenem Jahr die Betreibergesellschaft der Karl May Freilichtspiele in Engelberg und für die diesjährige Produktion «Der Ölprinz» verantwortlich. In einer Mitteilung schreibt die Gesellschaft, dass die Gläubiger informiert worden seien, dass die Insolvenz in die Wege geleitet worden sei, was zu Verlusten aller Beteiligten führe.

Die erwarteten Besucherzahlen für dieses Jahr hätten auf dem ernüchternden Ergebnis des Vorjahrs basiert. Diese Einnahmen hätten mit dem massiv reduzierten Budget 2019 und der geringeren Anzahl Aufführungen schwarze Zahlen einbringen sollen, heisst es in der Mitteilung der 42 Capital Group GmbH weiter. «Schlussendlich fehlten aber die Einnahmen aus rund 3000 Tickets. Die weiterhin rückläufige Besucherzahl hat dazu geführt, dass ein Finanzloch in der Gesellschaft vorliegt, welches nicht mehr von allfälligen Überbrückungsfinanzierungen gedeckt werden kann.» Trotz des negativen Ergebnisses hätten immerhin die Schauspielergagen und Sozialleistungen bezahlt werden können.

Grosse Produktionen brauchen mehr Beiträge

Martin Hütte, neben Tom Volkers Gesellschafter der liquidierten 42 Capital Group GmbH, bestätigt auf Anfrage, dass im Jahr 2019 ein Fehlbetrag von rund 250000 Franken verblieben sei. Betroffen seien weniger als 50 Gläubiger, die wie üblich nun alle vom Konkursamt direkt angesprochen würden. Auch er als Gesellschafter muss selber einen kräftigen Verlust tragen. «Ich habe mir bei meinem Einstieg natürlich einen lang anhaltenden Erfolg erhofft. Dass wir es trotz der radikalen Kürzung des Budgets nicht geschafft haben, zeigt, dass grössere Produktionen nicht ohne Beiträge der öffentlichen Hand auskommen.» Zwar hätten die Gemeinde mit 25000 Franken und der Tourismusverband mit 50000 Franken grosszügige Unterstützung geleistet, der Kanton habe aber keinen Beitrag gesprochen und auch eine Defizitgarantie verweigert (wir berichteten). Im Schreiben an die Gläubiger, das unserer Zeitung vorliegt, heisst es zudem auch, dass Winnetoudarsteller und Geschäftsführer Tom Volkers einen massgeblichen Verlust zu tragen habe.

«Wir hoffen, dass es unter anderen Vorzeichen eine erfolgreiche Weiterführung der Freilichtspiele geben kann», heisst es weiter im Schreiben, es würden diesbezügliche Gespräche geführt.

Bedauern in Engelberg über den Verlust

Noch immer existiert auch die Western Openair & Theater GmbH, welche für die Aufführungen der ersten beiden Jahre zuständig war und die ebenfalls auf einem Schuldenberg sitzt. Die Hoffnung dieser Gläubiger, dass bei einem erfolgreichen Neustart auch ihre Forderungen vielleicht noch teilweise gedeckt werden könnten, dürften sich nun zerschlagen haben.

«Sehr bedauerlich» sagt der Engelberger Gemeindepräsident Alex Höchli in einer ersten Stellungnahme zur Entwicklung. Man wisse noch nicht, wie viele Lieferanten und Handwerker im Ort betroffen seien. «Wir werden das Thema im Gemeinderat besprechen und schauen, was es für Engelberg bedeutet.»

Der Engelberger Gemeindepräsident Alex Höchli (rechts) bei der Premiere zu Winnetou II mit Hauptdarsteller Tom Volkers. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli 2018)

Der Engelberger Gemeindepräsident Alex Höchli (rechts) bei der Premiere zu Winnetou II mit Hauptdarsteller Tom Volkers. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 6. Juli 2018)

Frédéric Füssenich, Direktor von Engelberg Tourismus, betont auf Anfrage, dass die Unterstützung aufgrund der medialen und touristischen Wertschöpfung absolut gerechtfertigt gewesen sei. Die Freilichtspiele hätten jedes Jahr zwischen 2000 und 3000 Hotelübernachtungen generiert. «Es ist natürlich bitter für die Leute, die sich finanziell und ideell engagiert haben. Die steckten alle viel Herzblut hinein, denen ging es nicht darum, viel Geld zu verdienen.»

Frédéric Füssenich sagt, es sei noch zu früh, etwas genaueres sagen zu können, wie es weitergehen könne. Er sehe allerdings eher wenig Chancen für eine Fortführung der Freilichtspiele. «Ich glaube, Karl-May-Stoffe funktionieren in der Schweiz nicht so gut wie in Deutschland, wo er einen viel grösseren Stellenwert hat. Hier ist der Markt wohl zu klein.» Er glaube deshalb auch nicht, dass die Freilichtspiele Fehler beim Marketing gemacht hätten. «Wie andere Veranstaltungen dieses Jahr gezeigt haben, ist das Geschäft mit den Freilichtspielen extrem schwierig, da kann man schnell viel Geld verlieren.» Engelberg habe nächstes Jahr mit dem 900-Jahr-Jubiläum des Klosters viele Veranstaltungen. «Wir müssen uns nun vorerst darauf konzentrieren. Ein Freilichtspiel in der jetzigen Form ist unrealistisch, aber es wird sicher Gespräche über andere Möglichkeiten geben. Dies hat aber nichts mehr mit der insolventen Betreibergesellschaft zu tun.»

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