Er lässt Winnetou nicht im Regen stehen

Hubert Mathis, der technische Leiter der Skispringen in Engelberg, ist seit diesem Jahr auch Tageschef bei den Karl-May-Freilichtspielen.

Philipp Unterschütz
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Hubert Mathis vor der Kulisse der Winnetou-Festspiele.Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2019)

Hubert Mathis vor der Kulisse der Winnetou-Festspiele.Bild: Romano Cuonz (Engelberg, 6. Juli 2019)

In Engelberg ist er bekannt wie ein bunter Hund. Schliesslich ist Hubert Mathis (52) seit rund 25 Jahren technischer Leiter der Skispringen. Jedes Jahr gibt es dort auf der Sprungschanze zwei internationale Weltcup-Springen mit Spitzenathleten vor jeweils bis 7000 Zuschauern – dieses Jahr übrigens am 21. und 22. Dezember – und zwei Kontinental-Springen am darauf folgenden Wochenende.

Der gelernte Betriebsökonom, der im Klosterdorf eine eigene Beratungsfirma führt, hatte massgeblichen Anteil daran, den Anlass als wichtigen Anlass im internationalen Wintersportkalender zu verankern: das letzte Springen vor der renommierten Vier-Schanzen-Tournee. Als er Anfang der 2000er-Jahre dem Tourismusdirektor einmal den Abbruch des Springens wegen plötzlichen Schneefalls mitteilen musste, konnte dieser gar frohlocken. «Weil die TV-Bilder unserer weissen Pracht um die Welt gingen und andernorts nicht viel Schnee lag, war Engelberg innert weniger Stunden ausgebucht», erzählt Hubert Mathis. Das Wetter ist für ihn als technischen Leiter ein zentrales Thema, das ihn ständig begleitet. Kein Wunder hat er sich in den vergangenen Jahren ein grosses Wissen über die Verhältnisse in Engelberg zugelegt.

Tageschef ist eine Art 
Mädchen für alles

Und seit diesem Jahr orientiert sich einer an Hubert Mathis’ Künsten als Wetterprophet, der wohl bessere Kenntnisse von den Verhältnissen im amerikanischen Westen als von einem Bergtal in der Zentralschweiz hat. Mathis ist seit diesem Jahr nämlich auch der Wetterfrosch von Winnetou. Mindestens ist das eine seiner Aufgaben – er ist eine Art Betriebsleiter der Karl-May-Freilichtspielen und während der jetzigen Aufführungen der Tagesleiter. «Mädchen für alles passt auch – oder Troubleshooter», sagt er und lacht. Damit untertreibt Mathis aber ziemlich. Die Freilichtspiele profitieren nicht nur von seiner Erfahrung als Organisator, sondern auch von seinen Beziehungen, die er in Engelberg hat.

Während der Spielzeit ist Hubert Mathis jeweils von Donnerstag bis Samstag ab dem frühen Nachmittag auf der Freilichtbühne, kontrolliert die Infrastruktur wie zum Beispiel die Wasserpumpen, schliesst die Container im Backstagebereich auf, kontrolliert Schilder und Verkehrsführung, hält Ordnung und erledigt viele Kleinigkeiten, die sich aus den Wünschen und Bedürfnissen der Beteiligten ergeben.

Das Wetter behält er mit fünf bis sechs verschiedenen Wetterportalen im Auge, erstellt daraus eine Wetterprognose für Engelberg und gibt Empfehlungen für die Veranstalter. «Was man nicht präzise voraussagen kann, sind Gewitter», erzählt Hubert Mathis. Grundsätzlich sei es aber das Gleiche wie beim Skispringen. «Doch beim Wind geht es bei Winnetou um Geschwindigkeiten von Stundenkilometern, während ich für die Springen mit Metern pro Sekunde rechne.»

Bei schlechtem Wetter würde bei den Freilichtspielen in einem ersten Schritt eine Vorführung unterbrochen. In dieser Zeit muss entschieden werden, ob es möglich ist, weiterzuspielen oder nicht. Killerkriterien sind zu viel Wasser auf der Bühne, Sturm oder Blitze, welche die Schauspieler auf dem offenen Gelände gefährden könnten – die Infrastruktur und damit die Zuschauer sind dagegen durch Blitzableiter geschützt.

«Ein Event ist ein Event» – 
egal ob Kultur oder Sport

Auch sonst sieht Hubert Mathis viele Parallelen zwischen den Karl-May-Freilichtspielen und den Skispringen. «Ein Event ist ein Event, es spielt grundsätzlich keine Rolle, ob es sich um Sport, um ein Konzert oder ein Theater handelt.» Es müsse überall im Voraus genau geplant werden und die verschiedenen Konzepte für Bauten, Technik, Verkehr und anderes nachher rechtzeitig und präzise umgesetzt werden.

Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es. So wenig wie Hubert Mathis nach dem Skispringen sagen kann, welcher Athlet sich in besonders guter Form gezeigt hat, so wenig kann er sagen, wie gut die Schauspieler aufgetreten sind. «Ich bekomme bei beiden Anlässen durch meine Arbeit nur wenig mit.» Er wisse aber, dass die Grundstimmung in Engelberg sehr positiv sei. «Ich habe viele Rückmeldungen erhalten, wonach der Ölprinz das bisher beste Stück sei.» Es sei wirklich zu hoffen, dass es noch lange weiter gehe mit den Karl-May-Freilichtspielen. «Sie sind eine wichtige Ergänzung im Sommerprogramm von Engelberg.»

www.winnetou.ch und www.
mathisconsulting.ch