Kolumne

«Ich meinti»: Kein Sarnersee!?

Otto Leuenberger macht sich in dieser Ausgabe der Kolumne «Ich meinti» Gedanken zum plötzlich spurlos verschwundenen Sarnersee.

Otto Leuenberger
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Es heizte ganz gehörig. Eine erste Hitzewelle schwappte über uns und schien dann plötzlich wie «eingefroren» still zu stehen. Das Wetter ist definitiv nicht nur Small Talk. Es hat etwas unheimlich Bedrohliches, mal überfallartig, dann wieder lähmend, langatmig. Nach gut einer Woche Hitze wie im Backofen war ich bereits reif, und es reicht mir bis in alle Schweissporen.

Bei so viel Energie in der Atmosphäre muss sich das Wetter unweigerlich Luft verschaffen, denk ich mir. Das setzt viel Bewegung ab, da muss auch mit Sturm und Regen gerechnet werden. Alteingessene und Erfahrene mit altem Wissen meinen gar, dass man bis Mitte August besser nicht verreisen sollte. Es könne bis dahin immer mal wieder böse Unwetter absetzen und es sei ratsam, ein Auge auf seiner Habe zu halten. Aber zählen heute solche Erfahrungen und alte Wetterregeln überhaupt noch?

Ich suchte Trost und Zuversicht in Langzeitwetterprognosen. Es gibt da so clevere Apps, neudeutsch für Helferlein, die sich in Hosentaschennähe auf einem Handy tummeln und allzeitbereit schnell zur Seite stehen. Oder dann auf Websites abrufbare Infos, wie zum Beispiel jene des Schweizer Fernsehens SRF unter Meteo. Das beruhigt und man kann sich zur Not mit der Hoffnung trösten, dass es ja doch noch anders kommen kann.

Dort findet sich gar eine animierte Wetterradarkarte mit einer Prognosevorschau von bis zu 48 Stunden. Toll, wirklich empfehlenswert. Aber, was ist denn das? Mitten auf dieser Schweizer Karte sollte doch der Sarnersee zu finden sein, ja auch der Lungerersee! Beide fehlen! Im Zentrum der Schweiz ist einfach ein grünes Niemandsland. Selbst kleinere Gewässer ringsum sind zu finden. Nur wir sind vergessen gegangen und existieren, mindestens wettermässig, nicht. Das schmerzt. Sind wir doch der Nabel der Schweiz, mit Älggialp und so.

Ja, gar auf dem «Donnschtigjassteppich» sind wir inzwischen zu finden. Das Fernsehen hat dem freundschaftlichen Auftrumpfen zwischen Kerns und Giswil mit «Puur» und «Nell» ein Fenster der öffentlichen Wahrnehmung aufgemacht. Beide Teams hatten in Thun eine «gute Figur» gemacht. Und doch waren sie irgendwie nur Staffage bei der Selbstdarstellung eines überforderten Moderators. Erfrischend der Telefonjasser Sepp Burch in einer knappen, träfen, unbeeindruckten Entgegnung an Rainer Salzgeber: «Dui bisch de Schnorri.»

Aber ich freute mich halt schon, dass «mein Dorf» Giswil es schaffte. Und dass «wir» in der Folge anderthalb Stunden Scheinwerferlicht und einen nationalen Auftritt bekommen haben. Da rührte sich ein diffuser Stolz. So drückten wir dann halt bereitwillig beide Augen zu ob der Klischeebilder, für die Obwalden immer noch herhalten muss. Nun gut, viel mehr bieten solche Unterhaltungssendungen eh nicht.

Die Karawane zieht sowieso weiter und mit ihr die Aufmerksamkeit. Es ist Sommer und Sauregurkenzeit, und Zeit, in der Nebensächlichkeiten parallele Welten bauen. Seien wir froh und entspannen uns. Ich bin getröstet und denke, dass wir eigentlich über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügen und uns nicht dauernd selbstvergewissern müssen. Also können wir grosszügig mit solchen Unzulänglichkeiten umgehen. Nur eines, bitte setzt den Sarner- und Lungerersee wieder auf die Landkarte, aber an den richtigen Stellen.

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.