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KERNS: Bevor die Profis kommen, retten sie

Bereits mehr als die Hälfte der Obwaldner Gemeinden verfügen über First-Responder-Gruppen. Am Wochenende war Schulung für die Herznotfallhelfer aus St. Niklausen.
Marion Wannemacher
Noch ist es eine Übung: die Schulungsteilnehmer von St. Niklausen, Armin Omlin, der Melchtaler Dani Michel und Corinne von Ah (von links). (Bild Marion Wannemacher)

Noch ist es eine Übung: die Schulungsteilnehmer von St. Niklausen, Armin Omlin, der Melchtaler Dani Michel und Corinne von Ah (von links). (Bild Marion Wannemacher)

Marion Wannemacher

Ein bewusstloser Mann liegt am Eingang des Gemeindehauses von Kerns. Blitzschnell sind vier Helfer vor Ort. Dani Michel und Armin Omlin bringen den Verletzten in die Seitenlage. Corinne von Ah packt den Einsatz-Rucksack mit dem automatisierten externen Defibrillator (AED) aus. Die Atmung des Notfallpatienten hat ausgesetzt. Mit einem Beatmungsbeutel sorgt Corinne von Ah dafür, dass er ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Abwechselnd reanimieren Dani Michel und Armin Omlin. Der angeschlossene AED gibt Anweisungen: «Ein Schock wird empfohlen, die blinkende Schocktaste drücken.» Daniela Omlin ruft: «Alle weg» und bedient das Gerät.

Zum Glück ist das, was sich hier in den frühen Abendstunden am Samstag abspielt, nur eine Übung, der Patient eine Puppe. Sandra Schallberger, Projektverantwortliche für First Responder, und Sepp Zumstein schulen freiwillige Ersthelfer vorwiegend aus St. Niklausen. Ab Januar werden sie als First-Responder-Gruppe in ihrem Ortsteil im Einsatz sein.

Lungern, Giswil, Alpnach, Kerns

Sandra Schallberger und Rolf Langenbacher, Leiter des Rettungsdienstes im Kantonsspital Obwalden, können sich freuen. Sie sind ihrem Ziel, in jedem Postleitzahlenkreis Obwaldens eine Herznotfallgruppe einzurichten, näher gekommen. Seit sieben Jahren verfolgen sie dieses mit eiserner Beharrlichkeit: Wöchentlich investiere sie wohl mindestens zwei Stunden in die Aufbauarbeit, schätzt Sandra Schallberger. In Lungern gibt es seit sechs Jahren, in Giswil und Alpnach seit drei Jahren solche Gruppen und nun auch in Kerns.

Je 10 Teilnehmer werden für Melchtal, St. Niklausen, die Melchsee-Frutt und 15 für Kerns ausgebildet. «Die Gemeinde Kerns hat das Projekt sehr wohlwollend unterstützt und die Finanzierung übernommen. Aktive Unterstützung bot auch Peter Rohrer von Seiten der Feuerwehr», sagt die Projektleiterin.

Aufregung vor der Übung

Die Nerven kribbeln vor der ersten Übung: «Was ist, wenn beim Verletzten ein giftiger Hund ist?», fragt ein Teilnehmer. «Sollen wir denn im Pyjama kommen, um schneller vor Ort zu sein, oder hat man noch Zeit, sich anzuziehen?», fragt eine Ersthelferin. Sandra Schallberger und Sepp Zumstein beruhigen sie und verteilen die reflektierenden Westen. Und schon ist Zeit für die allererste Alarmübung.

Vor Ort geben die beiden Leiter Tipps aus ihrer Erfahrung. Sepp Zumstein ist bereits zwölf Jahre Ambulanzfahrer und hat bereits einiges erlebt. «Im Winter ja nicht zum Einsatz springen», rät er. Auch das gab es: «Ein Ersthelfer lag neben dem Verletzten mit gebrochenem Fuss.» Er empfiehlt seiner Gruppe, mit dem Patienten auf Augenhöhe zu reden, wenn er ansprechbar ist.

Der Respekt ist gross

«Vielleicht werde ich beim ersten Einsatz sehr nervös sein», befürchtet Thomas Burch. Eigentlich aber empfindet er Erleichterung nach dem heutigen Tag. «Man weiss jetzt, um was es geht.» Er wohnt etwas weiter weg vom Dorf und habe sich verpflichtet gefühlt, etwas zu machen, sagt er. Auch Daniela und Armin Omlin leuchtete die Notwendigkeit einer Herznotfallgruppe ein. «Wir wohnen an einem Ort, wo der Krankenwagen sehr spät kommt», sagt Daniela. Ihre Eltern lebten noch abgelegener im Schild. «Jetzt, gerade frisch geschult, traust du dich schon», glaubt sie. «In drei Wochen ist das vielleicht anders.»

In der Realität wie am Phantom

Sandra Schallberger kennt die Unsicherheiten. Auch sie weiss noch, wie sie ihren allerersten Patienten reanimiert hat. «Damals war ich bereits drei Jahre im Dienst. Ich habe gar nicht den Kopf des Patienten gesehen und war überrascht, dass es genau gleich war wie am CPR-Phantom.»

Die Frischlinge der heutigen Schulung erwartet in den kommenden zwei Wochen eine überraschende Einsatzübung. Im kommenden Jahr sind sie zur Schulung verpflichtet (zwei zweistündige Abendkurse und ein Auffrischungskurs). Die Aufbauarbeit lohnt sich: Seit es solche Gruppen im Kanton gibt, überleben doppelt so viel Patienten bei Herz-Kreislauf-Notfällen wie vorher.

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