Kerns
Dem Sportcamp Melchtal fehlen die Winterlager

Wegen Corona bleiben die Schulklassen aus, die auf Melchsee-Frutt jeweils ihre Lager durchführen. Nun hofft man auf den Sommer.

Matthias Piazza
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Das Sportcamp Melchtal.

Das Sportcamp Melchtal.

Bild: PD

Gut 60 Schullager einzelner Klassen oder gar ganzer Schulhäuser aus allen Teilen des Landes sind in einem normalen Winter im Sportcamp Melchtal einquartiert, um auf der nahen Frutt Wintersport zu treiben. Nicht so dieses Jahr. Wegen der Pandemie sind alle Schullager abgesagt. Die Armee ist zurzeit der einzige Gast. Sie bringt hier Rekruten in der Isolationsstation unter, die beim Einrücken am Montag positiv auf Covid-19 getestet wurden. Thomas Ettlin, Geschäftsführer des Sportcamps, das im Besitz der Korporation Kerns ist, spricht von einem grossen Einnahmeverlust. «Zwischen Anfang Januar und Anfang April machen wir normalerweise die Hälfte unseres Jahresumsatzes. Dies fällt nun weg.»

Partner rechnen mit vier Millionen Franken Verlust

Das Sportcamp Melchtal ist mit dieser Situation nicht alleine. 170 der vom Verein Schweizer Schneesportinitiative geplanten 250 Skilager sind bereits abgesagt. Davon wären neun im Sportcamp einquartiert gewesen. Und auch die verbleibenden Schullager dürften in den kommenden Wochen abgesagt werden, zeigte sich der Geschäftsführer Ole Rauch am Dienstag gegenüber Radio SRF überzeugt. Die Rede ist von vier Millionen Franken Verlust bei den Partnern der Schneesportinitiative, wozu neben Melchsee-Frutt auch andere bekannte Winterdestinationen wie Davos oder Saas-Fee zählen.

Deshalb schlägt Rauch nun vor, geplante Lager auf Mai oder Juni zu verlegen. Statt Ski fahren sollen die Schüler biken, wandern oder mit dem Wildhüter den Wald erkunden – und auf diese Weise die Winterdestinationen von einer anderen Seite kennenlernen.

Absagen reichen bis Juni

Geschäftsführer Thomas Ettlin ist dem Vorschlag gegenüber positiv eingestellt. «Der Aufenthalt bei uns ist auch im Sommer attraktiv. Die Schüler können in unserer Region klettern, schwingen, Bogenschiessen, im nahen Hallenbad schwimmen oder Ausflüge machen.» Allerdings geht er nicht davon aus, dass ein Lagerbetrieb im Frühling schon wieder möglich sein wird. «Der Kanton Obwalden etwa hat bis zu den Sommerferien sämtliche Klassenlager untersagt.» Auch von Schulen anderer Kantone habe er Absagen bis in den Juni hinein erhalten. So würden wohl die ersten Schulklassen frühestens im Sommer zurückkehren, sollten sie sich denn überhaupt auf den Tausch Sommer- statt Winterlager einlassen.

Vom Vorschlag überzeugt zeigte sich gegenüber Radio SRF auch Thomas Minder, Präsident des Verbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz: «Es geht bei Schullagern vor allem um den sozialen Aspekt – darum, dass man sich miteinander auseinandersetzt und eine Woche an einem anderen Ort zusammen verbringt. Das kann gut auch ohne Schnee stattfinden.»